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Schienenprojekt

Flughafen will Stadtbahn-Halt bauen

Die Verlängerung der U6 und die Eröffnung eines neuen Airport-Hotels könnten zeitlich kollidieren. Nun soll die Sache beschleunigt werden.

09.01.2017

Von JÜRGEN SCHMIDT

Hier baut die Stinag AG ein neues Flughafen-Hotel. Dessen künftige Gäste sollen durch die Verlängerung der U 6 bis zum Airport nicht beeinträchtigt werden. Foto: Jürgen Schmidt

Das Regierungspräsidium Stuttgart hat den Planfeststellungsbeschluss für die Verlängerung der Stadtbahnlinie U6 vom Stadtteil Fasanenhof zum Flughafen kurz vor Weihnachten erlassen. Da die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) als Bauherr aber nicht vor 2020 mit der Fertigstellung rechnen, will die Flughafen GmbH dem kommunalen Schwesterunternehmen unter die Arme greifen und den Endbahnhof und ein Stück Tunnel vorzeitig bauen.

Der Flughafenbetreiber hat bei seinen Plänen vor allem die Entwicklung der Airport City im Blick. Denn die Bauarbeiten an der U-Bahn-Endstation könnten die Gäste des neuen Flughafen-Hotels stören, befürchtet Walter Schoefer, der in der Geschäftsführung der Flughafen GmbH unter anderem für Bau- und Immobilienangelegenheiten zuständig ist.

Im Herbst begann die Stuttgarter Stinag AG ein zweites Vier-Sterne-Hotel direkt zwischen dem schon bestehenden Mövenpick-Hotel und dem Internationalen Congresscenter (ICS) der Messe Stuttgart zu bauen. Die Baugrube ist schon ausgehoben, zur Reisemesse CMT im Januar 2019 soll das 262-Zimmer-Haus zur Verfügung stehen, so Schoefer. Das 50 Millionen Euro teure Objekt soll, wie sein Pendant auf der anderen Seite der Flughafenstraße, vom Schweizer Hotelkonzern Mövenpick betrieben werden.

Lässt sich Zeitplan halten?

Die SSB geht aktuell davon aus, dass die Verlängerung der U6 erst 2020 in Betrieb gehen wird. Und wohl eher gegen Jahresende, da mit dem Bau frühestens in der zweiten Hälfte dieses Jahres begonnen wird. Zu diesem Zeitpunkt sollten nach früheren Planungen der städtischen Nahverkehrs-Tochter schon die ersten gelben Züge bis zum Flughafen rollen. Ob sich dieser Zeitplan halten lässt, ist zudem unklar. Es könnte zu Klagen gegen den Planfeststellungsbeschluss kommen. Der Naturschutzbund Nabu hatte schon 2015 im Zuge des Planfeststellungsverfahrens Einspruch erhoben und die Notwendigkeit der U-Bahn-Verlängerung grundsätzlich bezweifelt.

Um den künftigen Hotelgästen eine Großbaustelle zu ersparen, die die Herberge von den Abflug- und Ankunftsterminals trennt, will die Flughafen GmbH nun den Endbahnhof vorzeitig bauen. Der Aufsichtsrat habe schon drei Millionen Euro dafür bewilligt, erklärt Schoefer. Und der Flughafen-Chef geht davon aus, dass dies möglich ist, ohne die Fördermittel für das gesamte Projekt zu gefährden.

In trockenen Tüchern ist das Engagement des Flughafens in Sachen Stadtbahn-Bau allerdings noch nicht. „Die Gespräche mit dem Flughafen sind noch nicht zu einem Abschluss gekommen“, sagt SSB-Sprecherin Birte Schaper. Wenn sich die 100-prozentige Tochter der Landeshauptstadt mit der Flughafen GmbH, an der Stuttgart zu 35 Prozent beteiligt ist, einigt, soll die Endhaltestelle in diesem und im nächsten Jahr gebaut werden. Um Gleise und technische Ausrüstung wird sich der Flughafen allerdings nicht kümmern, sondern auf den Rohbau beschränken. „Wir lassen nur den Trog bauen“, sagt Schoefer.

Auch Tunnel soll gebaut werden

Um die Bauprojekte in der Airport City möglichst wenig durch den Stadtbahnbau zu beeinträchtigen, würde sich der Flughafen-Betreiber gern noch stärker engagieren und auch ein 120 bis 140 Meter langes Tunnelstück bauen, das sich an den Endbahnhof anschließt und zwei Brücken, die Hotel und Messegelände mit den Terminals jenseits von Stadtbahn und Flughafenstraße verbinden. Dann muss der Aufsichtsrat allerdings noch deutlich mehr Geld bewilligen. Die Kosten lägen dann im zweistelligen Millionenbereich, so Flughafen-Chef Schoefer.

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Erstellt:
9. Januar 2017, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
9. Januar 2017, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 9. Januar 2017, 06:00 Uhr

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