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Am Anfang schien‘s eine Luftnummer

Flugsportgruppe feiert am 26./27. September 25. Jubiläum

Die Bodenhaftung haben die Sulzer Ultraleicht-Piloten auch nach 25 Jahren noch nicht verloren. Zumindest der Wunsch nach einem richtigen Vereinsheim wird bald in Erfüllung gehen. Zudem möchte die Flugsportgruppe ein Vereinsflugzeug kaufen. Das Jubiläum wird Ende September mit einem zweitägigen Fest mit Rundflügen, Kunstflugvorführungen und vielem mehr gefeiert.

21.08.2015
  • Cristina Priotto

Sulz. Karl-Heinz Schaumann war lange Zeit der einzige Ultraleichtpilot in Sulz. Als „Bumme“ vor 25 Jahren wieder einmal mit seinem Flieger über der Neckarstadt kreiste, saß Walter Storz noch am Boden und blickte sehnsüchtig himmelwärts. Der Traum vom Fliegen sollte für Storz schon bald Realität werden. Sobald Schaumann wieder auf seinem Privatgelände hinter dem Hundedressurplatz auf Kastell gelandet war, bat Walter Storz den Flugsportler um die Adresse eines Fliegerherstellers, fuhr in die Schweiz – und kaufte sich kurzerhand ein Flugzeug. „Gedanken über den Flugschein habe ich mir erst danach gemacht“, erzählt Storz ein Vierteljahrhundert später.

Walter Storz war damals nicht der Einzige in Sulz, der wie „Bumme“ in die Lüfte aufsteigen wollte: Willi Hauser, Erich Gekeler und Gerd Hoffmann waren ebenfalls Feuer und Flamme fürs Fliegen.

Da Karl-Heinrich Schaumanns Start- und Landebahn mit einer Länge von gerade einmal 150 Metern und einer Einflugschneise über Pappeln und Schrebergärten nicht für eine stärkere Nutzung ausgelegt war, fragte das Quartett bei der Stadtverwaltung wegen möglicher Alternativflächen für einen Flugplatz an. „Damals wurden wir belächelt, da uns eine Lobby fehlte“, erinnert sich Storz. Die vier Piloten in-spe ließen sich jedoch nicht entmutigen und bauten beim Stadtfest einen Stand auf – mit Erfolg: 140 passive Mitglieder auf einen Schlag schufen vor 25 Jahren die Basis für die Gründung der Flugsportgruppe, die 1989 erfolgte.

Bis die Flieger das wegen der Windausrichtung ideale Gelände auf dem „Katzeneschle“ erhielten, dauerte es aber: Zunächst mussten die Landwirte, denen die sieben Felder auf der Sulzer Höhe gehörten, grünes Licht geben. Im Jahr 1992 genehmigten schließlich Gemeinderat, die Naturschutzbehörde und das Regierungspräsidium den heutigen Flugplatz, der 300 Meter lang und 50 Meter breit ist. „Bumme“ Schaumann gab im Gegenzug seine Privatstartbahn auf.

Fortan durften die ersten vier Sulzer Ultraleicht-Piloten zwar mit ihren Maschinen vom „Katzeneschle“ abheben, bezüglich weiterer Zugeständnisse war jedoch Bodenhaftung angesagt: Bauliche Veränderungen waren der Flugsportgruppe anfangs nicht erlaubt, weshalb die Flieger bei den Piloten zu Hause oder bei Gerd Hoffmann in einer Halle auf Kastell standen.

Die Erlaubnis zum Bau der ersten beiden Hangars erhielt die FSG neun Jahre nach der Gründung. Im Spätherbst 1999 waren die Hallen aus Lastwagenplane auf Stahlgerüsten fertig, doch Orkan „Lothar“ fegte die Abdeckung am zweiten Weihnachtsfeiertag desselben Jahres hinweg. Erst danach lockerte die Stadtverwaltung die Vorschrift, nur jederzeit rückbaubare Hangars zu genehmigen, und ließ eine festere Konstruktion zu. Seit dem Jahr 2000 verfügen zwei der Hangars daher über Blechdächer. Voriges Jahr kam ein dritter Hangar hinzu.

Was den Sulzer Fliegern auch nach 25 Jahren noch fehlt, sind zum einen aktive weibliche Mitglieder, zum anderen ein ordentliches Vereinsheim. Erstere wären „jederzeit willkommen“, versichert Vorsitzender Bernd Buck. Beim Vereinsheim liegt‘s am Fehlen einer Erlaubnis, denn auf der Anlage gibt es weder Strom noch eine Wasserver- oder Abwasserentsorgung. Daher muss der Verein sich noch mit einem Gartenhaus mit vorgebauter Terrasse begnügen.

Sobald die Erschließung für das Interkommunale Gewerbegebiet „InPark A 81“ Sulz-Vöhringen beginnt, wurde der FSG aber ein Bauplatz für ein richtiges Vereinsheim zugesichert. Darüber hinaus wird eine neue Zufahrt gebaut, die künftig von der Meboldstraße auf Kastell über einen Kreisverkehr direkt zum Flugplatz führt.

Aus der Luftnummer, für die viele die Idee einer Flugsportgruppe in Sulz gehalten hatten, ist mittlerweile ein Verein mit 28 aktiven Mitgliedern und 18 Flugsportgeräten geworden. Weiter wachsen möchte die FSG eigentlich nicht: „Wir haben jetzt eine Größe erreicht, dass es keine Probleme mit Anwohnern gibt“, begründet Bernd Buck dies. Neuaufnahmen über eine Haltergemeinschaft sind aber prinzipiell möglich, betont der Vorsitzende.

Besonders froh sind die Flieger, dass es in 25 Jahren noch nie einen schweren Unfall mit Verletzungen gegeben hat. Lediglich, bevor die Übergänge zwischen den Feldern eingeebnet waren und noch Wassergräben rund um das Flugfeld verliefen, büßte der ein oder andere Pilot beim Landen das Fahrwerk ein. Geflogen wird immer – außer nachts, bei Gewitter oder Nebel.

Auf gutes Wetter hoffen die Flugsportler – nach der Absage des Flugplatzfests 2014 wegen Regens und Sturms – auch für das Jubiläumsfest, für das Patrick Hauser ein ansprechendes Programm zusammengestellt hat. Während die Besucher am Samstagnachmittag und am Sonntagvormittag selbst zu Rundflügen starten können, zeigt Stefan Kühlbrey am 26. September über dem „Katzeneschle“ eine spektakuläre Kunstflug-Einlage. Weitere kunstfliegerische Höhepunkte erwarten die Besucher am Sonntag. Zudem kommen Fallschirmspringer, Drachenschlepper und ein Elektro-Trike aus Bösingen sowie Modellflieger aus Dornhan, Epfendorf, Horb und Winzeln.

Flugsportgruppe feiert am 26./27. September 25. Jubiläum

Flugsportgruppe feiert am 26./27. September 25. Jubiläum
Ein untypisches Bild für die Sulzer Flugsportgruppe (FSG): Die „Kiebitz“ von Fabian Hauser (Zweiter von links) ist einer von nur zwei selbstgebauten Fliegern der FSG, mit Denise Hauser sitzt eine Frau am Steuer, obwohl es bei den Sulzer Flugsportlern seit der Gründung 1990 noch keine aktive Fliegerin gegeben hat, und mit Tobias Storz steht zudem ein junger, potenzieller künftiger Ultraleicht-Pilot auf dem Foto – das jüngste aktive Mitglied ist aber 33 Jahre alt. Fröhlich auf das vergangene Vierteljahrhundert zurück blicken zudem Vorsitzender Bernd Buck (Dritter von links), Walter Storz und Peter Gayer (rechts) und freuen sich aufs Jubiläumsfest.Bild: cap

Samstag, 26. September
14 Uhr: Modellflugvorführungen
16 Uhr: Kunstflugeinlage von Stefan Kühlbrey
abends: Festeröffnung mit Rückblick auf die Geschichte, bei Einbruch der Dunkelheit Ballonglühen
Sonntag, 27. September
10 Uhr: Frühschoppen mit dem Musikverein Sulz
13.30 Uhr: verschiedene Vorführungen von Drachenschlepps, Fallschirmspringern, Elektro-Ultraleichtflugzeugen und Modellflugvorführungen
Höhepunkte: Petra Unger (Pitts S 1S), Dietmar Eger (North American T 6), Ulrich Pade (SBACH 300), Wilhelm Heinz (Mustang P 51 D), Michael Klomann (Stampe SV4C) und Karl Friedrich Grimminger (Bücker 131)

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21.08.2015, 12:00 Uhr

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