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17.11.2016

Von Dorothee Hermann

Dror Dayan ist ein umstrittener Filmemacher. Bei der Berliner Premiere seiner Doku „Even though my land is burning“ sollen sich pro-palästinensische und pro-israelische Aktivisten vor dem Kino beschimpft haben. In Tübingen wurde der Film im Rahmen der diesjährigen Ökumenischen Friedensdekade zum Thema „Kriegsspuren“ am Dienstagabend vor etwa 60 Leuten im Schlatterhaus gezeigt. Eingeladen hatte der Tübinger AK Palästina.

Der Film kritisiert die israelische Siedlungspolitik am Beispiel des Dorfes Nabi Saleh im Westjordanland. Dort demonstrieren jeden Freitag palästinensische Bewohner gemeinsam mit israelischen Aktivisten, um zum militärischen Sperrgebiet erklärtes Land wieder für sich zu reklamieren. In Sichtweite liegt eine israelische Siedlung.

Man hört das dumpfe Geräusch, wenn die israelischen Soldaten Tränengaspatronen abfeuern, sieht die weißen Tränengasschwaden, sieht Militärs mit Schlagstöcken auf zwei Protestierende losgehen. Es soll bereits Tote durch Schüsse gegeben haben.

Einige Tübinger Zuschauerinnen fragten nach, warum Kinder in vorderster Reihe zu sehen waren. „Ich hatte nie den Eindruck, dass die Kinder ,geschickt‘ wurden“, so der Filmemacher. Zunächst hätten die Bewohner die Kinder während der Freitagsdemos zuhause gelassen. Daraufhin hätten israelische Soldaten Tränengas in die Häuser geschossen. Seither seien die Kinder bei den Demonstrationen dabei. Und: „Sie wachsen mit dem Konflikt auf“, sagte Dayan. Im Film hört man Kinder Protestslogans skandieren wie „Und wir sprengen Panzer in die Luft. Das Blut der Märtyrer ruft.“ So jedenfalls geben die deutschen Untertitel es wieder.

Nur „das Ende der Besatzung“ könne eine Veränderung der Situation bringen, sagt im Film der israelische Aktivist Ben: Das könne auch durch Druck von außen kommen, von anderen Ländern, etwa durch einen Boykott gegen Israel. Leider erfährt man kaum etwas über die Protagonisten. Erst am Ende gibt es eine Szene, in der Ben als Leadsänger der Hardcore-Punkband „Marmara Streisand“ auf die Bühne tritt.

Was Formen des Widerstands angehe, „versuchen wir von anderen zu lernen, von Martin Luther King oder Gandhi“, hört man die Palästinenserin Manal sagen, Mutter von vier Kindern. Auch sie wurde zunächst nur mit dem Vornamen vorgestellt. Flugzeugentführungen hätten in den siebziger Jahren funktioniert. „Heute kann man das nicht mehr machen.“

Ein Stein in der Hand eines Kindes sei nichts gegen die Waffen und Schilde der israelischen Soldaten, sagt sie im Film. „Für uns ist der Stein mehr ein Symbol.“ Dazu der Regisseur im Gespräch mit den Besuchern: „Die Steine tun wirklich nichts. Die Soldaten sind komplett gepanzert. Das ist, wie wenn eine Katze kommt.“

Der Widerstand sei legitim, weil die Besatzung illegitim sei. „In welcher Form sie Widerstand leisten, ist den Leuten selbst überlassen“, so Dayan.

Für Manal sind CNN und Fox News ebenso wie die angesehene britische BBC nur „Fake-Medien“. Sie alle stellten Israelis ausschließlich als unschuldige Opfer dar, die nur in ihren Häusern säßen, behauptet sie im Film. Ihren vollen Namen erfährt man erst im Abspann: Manal Tamimi. Vor den gemeinsamen Protestaktionen hätte sie sich nicht vorstellen können, einen Israeli in ihr Haus zu lassen, sagte sie.

Gleichzeitig ist die ungeheure Frustration der Palästinenser zu spüren: „20 Jahre Verhandlungen haben nichts gebracht. Wir haben die Zweistaatenlösung unterstützt und eine halbe Million Siedler bekommen“, sagt ein älterer Mann, dessen Name im Film nicht genannt wird.

Der 35-jährige Regisseur lebt in Berlin. Er hat die israelische und die deutsche Staatsbürgerschaft. Sein Großvater habe 1938 vor den Nazis aus Berlin fliehen müssen. Er selbst habe in Deutschland studieren wollen (Kamera an der Filmhochschule in Babelsberg). „Ich wollte ein bisschen weg.“

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Erstellt:
17. November 2016, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
17. November 2016, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. November 2016, 01:00 Uhr

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