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Mediagnost entwickelt Alkohol-Test bei chronischem Missbrauch

Forschen gegen Hepatitis A

Ein kostengünstiger Impfstoff gegen Hepatitis A, ein Alkohol-Marker sowie neue Antikörper-Tests für Parkinson und Multiple Sklerose: Die Biotechnologiefirma Media gnost arbeitet gleich an mehreren zukunftsweisenden Projekten. Dafür sollen nun neue Mitarbeiter eingestellt werden.

23.07.2012
  • Volker Rekittke

Tübingen / Reutlingen. Weltweit 1,5 Millionen Hepatitis-A-Erkrankungen gibt es pro Jahr – vor allem in den Schwellenländern. Das hat bei allen negativen Folgen auch einen Vorteil: Die meisten Menschen dort sind mit dem Hepati tis A-Virus infiziert, was ihnen zu einer lebenslangen Immunität verhilft. Anders in Westeuropa: Durch den wachsenden Hygienestandard schätzt man heute die Infektionsrate bei Kindern und Jugendlichen auf etwa fünf Prozent. Wer sich dann als Erwachsener, etwa bei einer Reise in die Tropen, infiziert, muss häufig mit einem schwereren Verlauf der Gelbsucht rechnen.

„Bei bis zu zwei Prozent aller Patienten über 40 Jahre verläuft die Infektion tödlich“, sagt Prof. Bertram Flehmig. Der Tübinger Virologe und CDU-Stadtrat ist einer von sechs Gesellschaftern der Biotechnologiefirma Mediagnost. Von September an ist Flehmig dort auch Forschungsdirektor. Sein Schwerpunkt ist die Entwicklung eines sehr viel kostengünstigeren Impfstoffs gegen Hepatitis A. 130 Euro kostet eine Impfung heute – viel zu teuer für Millionen Menschen in Lateinamerika, Afrika und Asien. „Wir brauchen mehr Impfstoff, und wir müssen in Richtung von zehn Euro pro Impfung kommen“, ist Flehmigs Ziel. Einige Erfolge kann sein Forschungs-Team im Technologiepark Tübingen-Reutlingen bereits vorweisen.

Legionellen im Trinkwasser aufspüren

Gegründet wurde Mediagnost 1985 aus der Tübinger Universität heraus. Geschäftsführerin wurde Angelika Haage, die seinerzeit noch von Flehmig betreute Doktorandin am Hygieneinstitut war. Schon da erforschten die Wissenschaftler das Hepatitis A-Virus. Seit dem Jahr 2000 sitzt die Firma im damals neu errichteten Technologiezentrum im gemeinsam von Tübingen und Reutlingen betriebenen Technologiepark – auf Kusterdinger Markung, am Rande des Reutlinger Gewerbegebiets Mark West.

Geliefert werden die Zellkulturen und Test-Kits aus dem Hause Media gnost zum allergrößten Teil an Forschungslabore, etwa an Unikliniken oder in Pharma-Unternehmen. Den Umsatz von zuletzt zwei Millionen Euro erwirtschaftet die Firma zu 41 Prozent in Deutschland und zu 34 Prozent in den anderen EU-Staaten. 25 Prozent verteilen sich auf etliche Länder weltweit.

Mittlerweile arbeiten auf 1300 Quadratmetern mit Laboren und Büros 20 Wissenschaftler/innen, medizinisch-technische Assistent(inn)en und Verwaltungsangestellte. Längst gibt es neben der Hepatitis-A-Forschung auch andere Projekte. So entwickelt ein Team um den zweiten Geschäftsführer Lutz Pridzun einen besonders sensiblen Alkohol-Marker für die Erkennung von chronischem Alkoholmissbrauch. Eingesetzt werden könnte er bei Berufsgruppen wie Flugzeugkapitänen, Zugführern oder anderen sicherheitsrelevanten Tätigkeiten.

Das Thema ist von einiger Bedeutung: „Es gibt in Deutschland 2,5 Millionen schwer Abhängige und zehn Millionen von Alkoholsucht Bedrohte“, sagt Pridzun. An den Folgen des Alkohols sterben in Deutschland rund 70 000 Menschen pro Jahr, der volkswirtschaftliche Schaden wird hierzulande auf jährlich 37 Milliarden Euro beziffert.

Andere Forscher-Gruppen entwickeln bereits existierende Tests zur Erkennung von Wachstumsstörungen weiter. Oder sie erproben neuartige Marker für neurodegenerative Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Parkinson und Demenz. Kürzlich kam noch ein weiteres Feld hinzu: Die Identifizierung von Legionellen im Trinkwasser. Das geschieht in enger Zusammenarbeit mit der im gleichen Gebäude an der Aspenhaustraße angesiedelten Firma „4base-lab“, an der Mediagnost erst im Juni einen Anteil von 18 Prozent erwarb.

„Legionellenpneumonie ist eine schwere Erkrankung“, sagt 4base-lab-Geschäftsführerin Despina Tougianidou. Bei dieser Form der Lungenentzündung verlaufen bis zu 20 Prozent aller Fälle tödlich. Seit November 2011 müssen in Deutschland laut novellierter Trinkwasserverordnung Warmwassergroßanlagen in gewerblich genutzten Gebäuden jährlich auf Legionellen untersucht werden. Das Geschäftsfeld beackert nun 4base-lab in Kooperation mit Architekten und Installateurbetrieben unter dem Namen „gelidas“.

Bei so vielen neuen Projekten und Kooperationen, unter anderem mit dem Tübinger Hertie-Institut: Geht das überhaupt noch mit derzeit 20 Mitarbeiter(inne)n? „Nicht mehr lange“, sagt Geschäftsführerin Haage: „Wir brauchen neue Leute.“

Forschen gegen Hepatitis A
Zu Besuch bei der Biotech-Firma Mediagnost: Die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesgesundheitsministerium und Tübinger CDU-Bundestagsabgeordnete Annette Widmann-Mauz (2. v. rechts) mit einem Test-Kit zur Erkennung von Wachstumsstörungen, den ihr (von links) die Geschäftsführer Angelika Haage und Lutz Pridzun sowie Mitgesellschafter Prof. Bertram Flehmig erklären. Bild: Faden

Forschen gegen Hepatitis A

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23.07.2012, 12:00 Uhr

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