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„Forschung vor Übergriffen schützen“
Geht Demonstrieren: Ministerin Theresia Bauer (Grüne). Foto: dpa
Protest

„Forschung vor Übergriffen schützen“

Landes-Wissenschaftsministerin Theresia Bauer über ihre Teilnahme am morgigen „March for Science“, bedrohte Forscher und Angriffe der AfD im Landtag.

21.04.2017
  • AXEL HABERMEHL

Stuttgart. Unter dem Schlagwort „March for Science“ wollen Aktivisten in hunderten Städten für Forschungsfreiheit protestieren – auch in Freiburg, Tübingen, Heidelberg und Stuttgart.

Frau Bauer, warum gehen Sie morgen demonstrieren?

Weil mir dieses Signal ein großes Bedürfnis ist. Die Politik trägt in einer liberalen Demokratie Verantwortung dafür, die Wissenschaft vor Übergriffen zu schützen. Wissenschaft muss unabhängig, weltoffen und mit Weitsicht arbeiten können. Weltweit nehmen politische Übergriffe auf die Wissenschaft aber gerade zu.

Woran denken Sie?

Schauen Sie in die Türkei – mehr als 7000 Hochschullehrer entlassen, vorgeblich aus Gründen der Terrorabwehr oder der nationalen Sicherheit. Schauen Sie nach Ungarn, da wird eine international renommierte Universität, die dem Präsidenten schon lange ein Dorn im Auge ist, ins Aus gedrängt. In China werden westliches Gedankengut und Literatur aus den Unis entfernt. In Russland hat Präsident Putin eine einst stolze und starke Akademie der Wissenschaften unter seinen Einfluss gebracht. Und in den USA macht Donald Trump eine zutiefst wissenschaftsfeindliche Politik. Damit meine ich nicht nur die Wahlkampf-Sprüche, sondern auch die Budgetkürzungen, die wirklich an die Substanz des US-Wissenschaftsstandorts gehen.

... die aber auch noch gar nicht beschlossen sind.

Richtig, das sind nur Vorschläge, das letzte Wort hat die Legislative. Aber Trumps Haltung lässt ja nichts an Klarheit vermissen. Er sieht Wissenschaftsförderung nur unter dem Diktum: Was hilft es der Nation? Damit gefährdet er den Wissenschaftsstandort.

Muss ein Staatschef nicht immer den Nutzen der Nation sehen?

Es ist doch beides: Politik muss erst mal das Fundament sichern, die Grundfreiheit der Wissenschaft garantieren, damit diese furchtlos, kritisch, in langen Linien ihre Arbeit tun kann. Nur so kann Innovation entstehen und damit wertvolle Impulse liefern für Gesellschaft und Wirtschaft.

Nun ist demonstrieren das eine. Kann das Land nicht mehr tun?

Wir setzen ja bereits recht handfeste Signale. Baden-Württemberg hat als einziges Land einen Fonds aufgelegt für verfolgte Wissenschaftler. Wir finanzieren in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Scholar-Rescue-Fund Gastprofessuren für im eigenen Land bedrohte Forscher. Die erste Vergaberunde ist gerade in der Entscheidung.

Sehen Sie auch in Deutschland Bedrohungen der freien Wissenschaft?

Die Voraussetzungen für freie Wissenschaft sind in der Praxis gut etabliert, aber es ist an der Zeit, sie noch mal klar zu formulieren. Wenn ich mir in einer Parlamentsdebatte über den Haushaltsplan von Wissenschaft und Kunst aus den Reihen der AfD anhören muss, dass kein Politikbereich so viel „links-grüne Ideologie“ biete wie dieser, oder wenn gefragt wird, inwiefern unsere Hochschulpolitik dem „deutschen Volk“ dient, zeigt mir das, dass die Argumente, die ich weltweit mit Sorge betrachte, auch hier im Land im parlamentarischen Raum angekommen sind.

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21.04.2017, 06:00 Uhr

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