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Massensterben unter Eschen

Forstamt muss in den kommenden zwei Wochen hunderte Bäume fällen

Der Tod kommt schleichend. Es begann vor ein paar Jahren. Blätter welken früher, Äste trocknen aus, werden brüchig. Langsam stirbt der ganze Baum. Die Auswirkungen des europaweiten Eschentriebsterbens sind auch in Sulz spürbar. Das Forstamt ist nun gezwungen in den kommenden zwei Wochen hunderte Bäume zu fällen. Rettung gibt es noch keine, aber Hoffnung.

19.11.2015
  • Benjamin Breitmaier

Sulz. Die Straße nach Sulz Kastell, Treffen auf dem geteerten kleinen Parkplatz. Gegenüber, auf der anderen Straßenseite hinter der Leitplanke, stehen sie: Eschen, manche von ihnen 80 Jahre alt, beeindruckende Exemplare des mythischen Weltenbaums der alten Germanen. An ihren Stämmen rankt sich Efeu dem Blau des Himmels entgegen. Bei genauerem Hinsehen fallen die gelben Markierungen auf. Auf jedem Stamm. Nicht nur hier. Entlang der gesamten Glatttalstraße sind Bäume gelb markiert, zwischen Vöhringen und Heiligenzimmern, Glatt Richtung Hopfau. Hunderte Stämme.

Das Gelb bedeutet: Fällen. Es gibt keinen anderen Ausweg. Gegen den Pilz gibt es kein Heilmittel. „Der Tod kommt schleichend – aber unerbittlich“, schrieb schon die Wochenzeitung „Die Zeit“ im Jahr 2012. Die damalige Prognose für Mitteleuropa: Innerhalb von fünf Jahren könnte ein Drittel der Eschen verschwunden sein. In Sulz wird diese Prognose zu bitterer Realität.

Schon am nächsten Dienstag, wird das riesige Spezialfahrzeug der Rottweiler Firma Niefer hier am Straßenrand stehen und die Jahrzehnte alten Bäume absägen. Der eigentliche Vorgang geht schnell. Der Arm des Holzernters kann bis zu 24 Meter ausgefahren werden. Nicht einmal die Leitplanke muss abmontiert werde, um an die mächtigen Bäume zu gelangen. In einem zweiten Schritt werden die Stämme verarbeitet – Brennholz und Hackschnitzel.

400 bis 500 Bäume werden allein an der Glatttalstraße geschlagen

Alternativlos – das Risiko der brüchigen Äste ist vor allem an Straßen zu hoch, als dass man die Bäume länger stehen lassen könnte. Darüber ist sich Forstrevierleiter Klaus-Peter Mühleck mehr als im Klaren. Die Auswirkungen des über Japan eingeschleppten Schad-Pilzes beobachtet er seit Jahren. Die ersten Triebe starben vor 24 Monaten im Landkreis Rottweil. Vor allem an jungen Bäumen – Schösslinge von einem Jahr – sieht man den verheerenden Schaden, den der Pilz anrichtet.

Im Sommer des laufenden Jahres wurde eine umfassende Analyse gemacht, kranke Bäume wurden markiert. Nun werden sie geschlagen. Allein an der Glatttalstraße schätzt Mühleck den Einschlag auf 400 bis 500 Bäume. „Manche von ihnen sind schon komplett dürr“, erklärt der Sulzer Forstamtsleiter.

Das plötzliche Sterben einer ganzen Baumart ist nicht neu. Norbert Utzler, stellvertretender Revierleiter, erinnert sich noch an das große Ulmensterben der 1970er-Jahre. Genau wie heute war ein Pilz der Grund für den Tod von hunderttausenden Bäumen, übertragen durch eine bestimmte Käferart. Der Bestand brach um 70 Prozent ein. Doch ganz ausgestorben ist die Ulme heute nicht. Und es gibt auch für die Esche Anlass zur Hoffnung. Utzler: „Einer von 100 Bäumen ist resistent gegen den Pilz“. Wissenschaftler versuchen durch Züchtung und Genmanipulation diese Relation zum positiven zu verändern. Außerdem, erklärt Utzler, „weiß sich die Natur in der Regel auch selbst zu helfen, hoffen wir, dass es bei der Esche genauso ist“.

Forstamt muss in den kommenden zwei Wochen hunderte Bäume fällen
Forstrevierleiter Klaus-Peter Mühleck (links) und sein Stellvertreter Norbert Utzler koordinieren die geplanten Fällungen der Eschen im Stadtgebiet Sulz. Die riesige Esche im Hintergrund gehört bald der Vergangenheit an.Bild: bbm

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19.11.2015, 12:00 Uhr

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