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Smartphones

Fotografieren verboten

In Asien häufen sich tödliche Unfälle durch Selfies. Thailand hat bereits ein Verbot erlassen, und Forscher entwickeln eine Warn-App.

14.01.2017

Von FREDERIC SPOHR

Touristen machen Selfies vor dem Tempel des Smaragd-Buddhas in Bangkok. Foto: dpa

Bangkok. Thailand ist nicht ungefährlich: Die Straßen gehören zu den wildesten und tödlichsten weltweit, die Kriminalität steigt und im Dschungel lauern wilde Tiere. Doch die thailändische Regierung hat noch eine andere Gefahrenquelle ausgemacht: Selfies.

Umweltminister Surasak Kanchanarat hat deswegen vor einigen Wochen ein Selfie-Verbot auf hohen Meeresklippen und Steilhängen in Nationalparks erteilt. An gefährlichen Stellen sollen Warnschilder Schlimmstes verhindern.

Auch auf der Ferieninsel Phuket ist man alarmiert. Dort donnern kontinuierlich Passagiermaschinen direkt über einen Strand in Richtung Landebahn. Viele machten sich einen Spaß daraus, sich mit den landenden Flugzeugen im Hintergrund zu fotografieren. Doch mittlerweile befürchten die Betreiber, dass die Schaulustigen von den Turbinen angesengt werden könnten – auch hier ist jetzt Schluss mit den Foto-Sessions.

Thailand folgt damit Indien und anderen asiatischen Ländern, die mit Verboten und Regeln gegen die wachsende Zahl von Selfie-Toten ankämpfen. Für eine diesen Herbst veröffentlichte Studie haben Wissenschaftler der Carnegie Mellon University in Pittsburgh und dem Indraprastha Institute of Information in Delhi weltweit 127 Tote zwischen September 2014 und 2016 gezählt. Als besonders gefährlich identifizierten die Forscher Klippen und Gewässer.

Die meisten Opfer sind Asiaten, die Hälfte aller Unglücke passierte in Indien. Die BBC berichtete Anfang 2016, dass eine 18-Jährige beim Posieren mit zwei Freundinnen von einer Mauer ins Meer fiel. Ein Mann, der die Szene beobachtet hatte, sprang hinterher und ertrank ebenfalls.

Wie viele Asiaten sind auch die Thais selfieverrückt: Es gibt ganze Themen-Parks, die nur darauf ausgelegt sind, sich beispielsweise mit riesigen Erdbeeren im Hintergrund zu fotografieren. Selfies vor schicken Autos oder berühmten Urlaubszielen gehören zum guten Stil: Wenn man in ein teures Restaurant zum Essen geht, macht man schon gerne mal ein Foto von sich samt Menü.

Möglichst gefährliche Orte

Schummeln geht aber auch nicht: Eine bekannte thailändische Stewardess der Fluglinie Emirates erntete einen veritablen Shitstorm, weil sie sich mit Hilfe von Photoshop in extravagante Landschaften beamte. Wer Anerkennung will, muss sich also schon in der Realität zu ungewöhnlichen und möglicherweise gefährlichen Orten aufmachen.

Für eine französische Touristin wäre genau das im Khao Yai-Nationalpark in Thailand kürzlich fast tödlich ausgegangen. Wie Thanya Netithammakul, der Chefs des Parks, berichtete, wollte sie sich am Neujahrstag mit einem Krokodil im Wasser knipsen – und kniete am Ufer nieder. Das Tier habe zugeschnappt und der Frau ins Bein gebissen. Die Stelle war an einem Fluss, wo es sich zwei Krokodile seit Jahren gemütlich machen. Die 47-jährige erholte sich in einem Krankenhaus von dem Angriff.

Mittlerweile wird allerdings nicht nur mit Verboten daran gearbeitet, die Zahl der Selfie-Opfer in Asien zu reduzieren. Das indisch-amerikanische Forscherteam zählte nicht nur die Unfälle, sondern entwickelt derzeit auch eine App, die Nutzer vor besonders gefährlichen Foto-Orten warnen soll. Noch in diesem Monat soll sie fertig sein. Bleibt zu hoffen, dass sie Nutzer nicht dazu inspiriert, die Grenzen zu testen.

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Erstellt:
14. Januar 2017, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Januar 2017, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2017, 06:00 Uhr

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