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Kinder, spielt Akkordeon

Franc Zibert und Thomas Schneemann sorgen sich im Jubeljahr um den Nachwuchs

„Bälgaquetscher“ nennt sich die muntere Fasnetstruppe des Vereins, im Tigerenten-Look suchen sie auch immer mal wieder das TAGBLATT heim. Zwei Spitzenleute der Musiker kündeten diese Woche von großen Ereignissen: Der Harmonika-Club feiert Fünfzigjähriges.

09.11.2012
  • Ernst Bauer

Mössingen. Samstag in der Quenstedt-Aula (siehe auch Kästchen) sollen die ganzen konzertanten Stücke ertönen, aber auch die Pop-Arrangements, die sie auf ihrer Jubiläums-CD eingespielt haben: „50 Jahre HCM – live in Concert“; soeben druckfrisch erschienen, wie auch eine recht opulente, reich bebilderte Festschrift. Und, so seufzt Thomas Schneemann, der Erste Vorsitzende, vorab schon ein bisschen: „Ein volles Haus tät ich mir auch mal wünschen, bei einem Konzert!“

Warum nicht beim Jubiläumskonzert? Dem steht eigentlich nichts im Wege. Denn nicht nur Akkordeonfreunde, Anhänger dieser handlichen Orgel, sind eingeladen. Jeder, der auch mal etwas anderes als Jahrmarkt-Gedudel hören mag, ist willkommen. Das Repertoire der Harmonika-Freunde ist beachtlich: Neben Swing, Colonel Bogey und „Morricone Special“ lassen sie auf ihrer CD etwa auch The Lion King antanzen. Wie viele Musikvereine haben sie modernere Popstücke und Musicalmelodien einstudiert.

„Schuld“ daran ist nicht zuletzt ihr herausragender Dirigent und musikalischer Leiter. „Uns hat nichts Besseres passieren können als Franc Zibert“, sagt Vereinschef Schneemann, „der holt schon einiges aus dem Orchester raus!“ Der gebürtige Slowene übernahm 2004 die Leitung des Mössinger Harmonika-Clubs, nachdem der legendäre Gunter Koch, 41 Jahre lang musikalischer Kopf der Truppe, 2003 den Dirigentenstab abgegeben hatte. Zibert, 61, hat in Ljubljana und Trossingen studiert, auch Musikpädagogik; seit 1984 wohnt er in Balingen; seit 1989 unterrichtet er am Badischen Konservatorium in Karlsruhe, ist Leiter einer Akkordeonklasse. „Ich bin da nicht Vollzeit beschäftigt, insofern habe ich freien Raum – und haben wir gut zusammengefunden“, beantwortet Zibert die Frage, wie es ihn als international bekannten Musiker und Solisten ins „kleine“ Mössingen verschlug.

„Ich mache auch Unterricht, Ausbildung und alles“, lacht der musikalische Leiter, der sogar noch an der Jugendmusikschule lehrt, und regelrecht ins Schwärmen gerät, wenn er von seinem Engagement hier spricht: „Es ist eine tolle Gemeinschaft geworden, auch für mich eine schöne Arbeit.“ Aber – das fügt er gleich an, das große Aber vor dem Akkordeon: Das Instrument werde noch immer zu wenig geschätzt, „das ist halt so“. Er habe schon selber erlebt, dass Kinder damit gehänselt würden. Dabei könne man ihnen nur empfehlen: Spielt Akkordeon! Es gebe kaum ein anderes Instrument, das so vielseitig ist.

„Es wird verkannt“, bekräftigt Thomas Schneemann, 53, der selber wie die Mutter zum Kind beziehungsweise über seine Mutter zum Akkordeonspiel kam. Dabei wollte er eigentlich „immer Fußball spielen“, war später auch Jugendleiter der Spvgg-Kicker. Die Mutter hatte ihn mit zehn Jahren einfach bei Gunter Koch angemeldet, Ziberts Vorgänger. „Ich bereue keine einzige Stunde im Harmonika-Club“, bilanziert Schneemann heute. In Mössingen ist er vor allem als Rathausmann bekannt, als Leiter des Sachgebiets Bürgerservice und zudem Personalratsvorsitzender, bereits seit 1997.

„Du kannst mit einem Akkordeon überall spielen, du kannst eine ganze Gesellschaft unterhalten“, sagt Schneemann, seit 1993 Vorsitzender des Vereins. Und dennoch: „Es gibt wenig Zulauf.“ Es sei ganz schwierig, hier Nachwuchs zu gewinnen. Das bereite ihm, gerade jetzt im Jubiläumsjahr, doch etwas „Bauchschmerzen“. Man habe verschiedene Versuche unternommen, an Schulen Fuß zu fassen, etwa mit einem Tag des Akkordeons am Quenstedt-Gymnasium. „Da sind keine 20 Leute gekommen, das war sehr ernüchternd.“

Woran liegt’s? Das Akkordeon, erklärt Zibert, werde immer noch viel zu sehr „in Verbindung gebracht mit Volksmusik“. Völlig zu Unrecht. Längst gibt es eine Art Renaissance der „Quetschkommode“, durch den Tango Argentino, französische Musettewalzer, Gruppen wie die 17 Hippies aus Berlin. In anderen Kulturkreisen habe das Instrument einen ganz anderen Stellenwert, so Zibert: „In Serbien, auf den ganzen Balkanstaaten, da ist man König, wenn man Akkordeon spielt!“

In Mössingen bringen es die Akkordeonisten – Schneemann: „Der Harmonika-Club ist schon so was wie eine große Familie“ – immerhin auf zwei Konzerte im Jahr, ein Kirchenkonzert im Frühjahr, immer für einen guten Zweck, und ein Herbstkonzert. Das 26-köpfige Orchester unternimmt sogar immer wieder Konzertreisen – zumeist in den Partnerkanton St. Julien. Da gibt es eine ganz besondere Partnerschaft zu der Kantonsgemeinde Viry. Eigentlich müssten sie dafür „La Bicyclette“ von Yves Montand ins Repertoire aufnehmen: „Es gibt ja kein Pendant in Frankreich unten, wir haben deshalb Beziehungen zum Radfahrverein in Viry.“ Schon vier-, fünfmal sind sie hingeradelt.

Info Beim Jubiläumskonzert am kommenden Samstag, 20 Uhr, in der Quenstedt-Aula gibt es auch die Festschrift „50 Jahre HCM“ und die Jubiläums-CD „Live in Concert“.

Franc Zibert und Thomas Schneemann sorgen sich im Jubeljahr um den Nachwuchs
So ein schönes Instrument – aber immer noch verkannt, zu wenig geschätzt, finden Franc Zibert (links) und Thomas Schneemann (rechts) als Gäste unserer Mössinger Redaktion. Bild: Rippmann

Schon in den 1930er Jahren und nach dem Krieg gab es eine Gruppe von aktiven Harmonikaspielern um Fritz Haap – innerhalb des Musikvereins.

Am 19. Oktober 1962 wurde im „Ochsen“ ein eigener Verein gegründet: der Handharmonika-Club Mössingen. Allererster Vorsitzender wurde Kurt Maier. Ihm folgten bis heute nur zwei weitere 1. Vorsitzende nach: Gisbert Kull und Thomas Schneemann.

Ungewöhnlich groß die Kontinuität auch bei den Dirigenten: Gunter Koch leitete 41 Jahre lang das Orchester, für ihn kam 2004 Franc Zibert. Im Orchester spielen heute 26 Aktive, 16 Frauen und 10 Männer. Der Verein hat knapp 150 Mitglieder.

Jubiläumskonzert ist am Samstag, 10. November, in der Quenstedt-Aula. Einlass ab 19 Uhr. Die ganze Bevölkerung ist zum Mitfeiern eingeladen.

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09.11.2012, 12:00 Uhr

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