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François Hollande plaudert sich um Kopf und Kragen
Hollande im Stadion: Spieler bezeichnet er als unerzogene Bengel. Foto: dpa

François Hollande plaudert sich um Kopf und Kragen

Ein höchst pikantes Buch zweier Journalisten empört das ganze Land: Der Präsident schmäht die Justiz, die Tricolore-Elf und seine eigene Partei.

17.10.2016
  • PETER HEUSCH

Paris. Das gerade erschienene Buch mit dem bezeichnenden Titel „Un président ne devrait pas dire ça“ (Ein Präsident sollte so etwas nicht sagen) liest sich wie politisches Harakiri, und es dürfte François Hollandes ohnehin geringe Chancen auf eine Wiederwahl im nächsten Frühjahr auf nahezu Null reduzieren. Der 660-Seiten-Wälzer voller Indiskretionen beruht auf vielen Gesprächen, die der Sozialist seit seinem Amtsantritt 2012 mit zwei Journalisten der Pariser Tagezeitung „Le Monde“ geführt hat.

Für die größte Entrüstung sorgen Hollandes verächtliche Bemerkungen über die Justiz, die er als „Institution der Feigheit“ geißelt. „Diese ganzen Staatsanwälte und hohen Richter, die sich verschanzen und die Tugendhaften spielen“, heißt es da unter anderem. Der Wirbel ist so groß, dass Hollande umgehend ein Entschuldigungsschreiben veröffentlicht hat. Darin drückte er sein „Bedauern“ dafür aus, dass er die Richter verletzt habe, „deren Mut er täglich ermesse“. Die ihm zur Last gelegten Worte würden „nicht seinem wahren Denken entsprechen“. Allerdings ging dieser Versuch der Schadensbegrenzung schon deswegen daneben, weil der Präsident seine Äußerungen nicht dementieren mochte.

Kaum weniger zieht er offenbar über die französische Fußballnationalmannschaft her. Obwohl er gemeinhin jedem Match der Tricolore-Elf beiwohnt, bezeichnet er deren Spieler als unerzogene Bengel, die zu schnell reich geworden seien, und bedauert, dass „zu ihrer Ausbildung leider kein Gehirnmuskeltraining“ gehöre.

Am folgenschwersten freilich dürfte eine Bemerkung über seine eigene Partei (PS) sein. Diese sollte ihm zufolge „eigentlich liquidiert“ werden. Man mag es kaum glauben: Mit einem Satz hat Hollande da alle Bemühungen der letzten Monate zunichte gemacht, den offen gegen ihn rebellierenden linken Flügel durch teure Mehrausgaben des Staates zu besänftigen und die Reihen vor der Wahl wieder zu schließen.

Ob sich François Hollande nun überhaupt noch um eine zweite Amtszeit bewirbt, ist zumindest fraglich. Seine Entscheidung will der Präsident offiziell erst im Dezember treffen.

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17.10.2016, 06:00 Uhr

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