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Israel ist wie Köln

Frank Schätzing präsentiert in Reutlingen seinen neuen Roman

Reutlingen. Die Stadthalle war am Montagabend vielleicht halb voll. Wer kam, fuhr Achterbahn. Erfolgsautor Frank Schätzing inszeniert seinen neuen Roman „Breaking News“ mit Hörspiel-Einlagen, Bombast-Musik und satten Geräuscheffekten.

05.11.2014

Die Bühne ist dunkel, nur der Tablet-Computer, von dem er abliest, taucht sein Gesicht in fahles Weiß. Es geht um den Kriegsreporter Tom Hagen. Anfangs spürt er in Afghanistan zwei Geiseln nach und begibt sich dabei selbst in die Hände der Entführer. Auf Seite 380 des Wälzers bahnt sich ein Happy End an, erzählt Schätzing. „Aber Sie kennen mich: Ich mache nach 380 Seiten nicht Schluss.“

Vielmehr erzählt er noch schnell die Geschichte Israels, anhand zweier jüdischer Familien über Generationen hinweg. Tom Hagen verstrickt sich in ein Verschwörungsnetz, gejagt von Terroristen und Geheimdiensten. Im Schlussteil der Show liest Schätzing eine halbstündige Verfolgungsjagd, dicht und dramatisch. Die eindrückliche Musikbegleitung kommt von der israelischen Sängerin Ofrin: eigene Lieder, eine Art psychedelischer Pop, mitreißend die Altstimme zu Konservensound. Dazwischen gibt Schätzing ein „Making Of“ seines Romans. Er erzählt, wie er sich beim Kriegsreporter Julian Reichelt Infos aus erster Hand holte. „Die Angst begleitet sie alle.“ Doch wolle Reichelt „Geschichten vom Leben erzählen“, nicht vom Tod.

Die Idee zum Roman kam Schätzing beim Frühstück mit Kölner Freunden. Es sei einfacher, am Reutlinger Bahnhof Gleis neundreiviertel zu finden, als die Gemengelage im Nahen Osten zu entwirren. Schätzing versucht es dennoch und geht zurück zur biblischen Genesis und zum Osmanischen Reich: Ben Gurion und die Staatsgründung, der Sechs-Tage-Krieg mit Ägypten. „Den Rest kennen Sie aus den Geschichtsbüchern.“

Selbst seine Flugangst hat er überwunden, um sich das Land anzuschauen. Schätzing erzählt mit vielen Anekdoten: „Israel ist ein bisschen wie Köln – kennste einen, kennste alle.“ Er sah biblische Landschaften in den prosperierenden Westbanks. Aber auch Flüchtlingslager der dritten Generation. „Ein bisschen Wohlstand ist das beste Mittel gegen religiösen Fanatismus.“ Die Mauer am Westjordanland sei „ein Symbol für das Trennende zwischen zwei Völkern, die eigentlich viel gemeinsam haben“.

Seine israelischen Freunde erzählten ihm Witze, mit denen sich Israelis und Palästinenser gegenseitig auf die Schippe nehmen: „Man muss über das Grauen lachen.“ Auch über die religiösen Auswüchse in Jerusalem. Sein Fazit: „24 Stunden im Nahen Osten, und alle Schwarzweiß-Bilder klappen wie Papphäuser in sich zusammen. Es gibt nur noch Menschen.“ mre

Frank Schätzing präsentiert in Reutlingen seinen neuen Roman
Über das Grauen lachen: Frank Schätzing in der Reutlinger Stadthalle. Bild: Haas

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05.11.2014, 12:00 Uhr

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