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13 Löcher in die Tiefe

Frankonenstollen wird für 600.000 Euro mit Kies gefüllt

In der Pomologie haben die Arbeiten für die Verfüllung des Frankonenstollens begonnen. Zunächst werden 13 Löcher gebohrt, durch die dann später der Kies eingebracht werden soll.

31.10.2012
  • Uschi Kurz

Reutlingen. Vor fast einem Jahr hat der Gemeinderat entschieden, den unter der Pomologie gelegenen latent einsturzgefährdeten Frankonenstollen reversibel zu verfüllen. Reversibel deshalb, weil der ehemalige Luftschutzstollen als Kulturdenkmal gilt und für kommende Generationen zumindest theoretisch die Möglichkeit bestehen soll, das von Zwangsarbeitern im Zweiten Weltkrieg gegrabene Tunnelsystem irgendwann einmal wieder freizulegen. Vergangene Woche wurde über dem Stollen im abgesperrten Teil der Pomologie die Baustelle eingerichtet, seit Montag wird gebohrt.

Gestern erläuterten Katrin Korth, die stellvertretende Leiterin des Reutlinger Amts für Straßen, Umwelt und Verkehr, und Diplom-Geologe Klaus Kleinert vom Leinfeldener Baugrundinstitut Vees und Partner vor Ort die Vorgehensweise. Mit Hilfe von Schneckenbohrern werden zunächst 13 Löcher, jeweils mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern senkrecht in die Tiefe getrieben. Diese Versorgungslöcher dienen zur Belüftung des Tunnelsystems während der Bauarbeiten, erläutert Kleinert.

Über dieselben Bohrpunkte werde dann später der Kies in den Untergrund geblasen. Allerdings nicht gleichzeitig, sondern immer ein Loch nach dem anderen. Dazu wird das Verfüllmaterial durch einen Schlauch in den zehn bis zwölf Meter tiefer gelegenen Tunnel geleitet. Dort wird der Kies von einem Mitarbeiter mit Hilfe des Schlauchs verteilt und so ein Gang nach dem anderen verschlossen. Mindestens zwei bis drei Arbeiter halten sich immer gleichzeitig im Stollen auf, nie einer allein. „Der Stollen wurde so gesichert, dass man ihn gefahrlos begehen kann“, betont Kleinert.

Mit Sicherheit keine angenehme Arbeitsstelle, wie Korth einräumt, aber für die Mitarbeiter der Bergbaufirma Sachtleben sind solche Bedingungen nichts besonderes. An besonders senkungsgefährdeten Stellen werden zusätzlich Schläuche mit Zementsuspension eingebracht, die dann aufgeblasen werden, so dass der Kies im Tunnel zusätzlich verpresst und verdichtet wird. Insgesamt werden 2400 Tonnen Kies benötigt, um das Tunnelsystem auf 400 Meter zu verfüllen. Ein Teil des Stollens (Friedrich-Ebert-Straße 11 und Friedrich-Ebert-Straße 17) befindet sich in Privateigentum. Die Stadt habe angeregt, dass sich die Eigentümer der Maßnahme der Stadt anschließen und mitverfüllen, berichtete Korth, was aber lediglich bei der Friedrich-Straße 11 gelungen sei.

Der Eigentümer der Friedrich-Ebert-Straße 11 (die ehemalige Uhlandhöhe), der Grafenberger Bauträger Held, der dort bereits mit seinem Wohnbauprojekt begonnen hat, war nicht interessiert. Er gestattete der Stadt auch nicht für die Verfüllungs-Arbeiten den unter der ehemaligen Gaststätte gelegenen Eingang zum Frankonenstollen zu benutzen. Stattdessen wurde ein ehemaliger Notausgang am Frankonenweg als neuer Zugang zum Stollen geöffnet. Eventuell wäre dies auch eine Stelle, an der man eine Gedenktafel anbringen könnte, meint Korth.

Lesen Sie dazu auch “Mit Engelszungen” in der Mittwochsausgabe des Schwäbischen Tagblatts.

Frankonenstollen wird für 600.000 Euro mit Kies gefüllt
Mit erschütterungsarmen Schneckenbohrern werden zunächst 13 Löcher in den Boden getrieben. Durch sie wird der Frankonenstollen dann mit Kies verfüllt.

Frankonenstollen wird für 600.000 Euro mit Kies gefüllt
Der Plan zeigt die 13 Bohrpunkte, durch die der Frankonenstollen verfüllt wird. Rote Kreise markieren die kritischen Stellen.

Der Frankonenstollen wurde im Zweiten Weltkrieg von Zwangsarbeitern als Luftschutzstollen gebaut.
Nach Untersuchungen im Jahr 2009 wurde das Pomologie-Gelände über dem latent einsturzgefährdeten Stollen aus Sicherheitsgründen abgesperrt. Der Gemeinderat entschied sich im Dezember 2011 in Absprache mit dem Denkmalamt für die „reversible Vollverfüllung“ des Kulturdenkmals. Dabei wird Kies mit Druckluft eingebracht und mit Zement verfestigt. Insgesamt 2400 Tonnen Kies, das sind 1400 Kubikmeter, müssen in den Untergrund gepumpt werden.
Die Arbeiten kosten insgesamt 600 000 Euro und dauern voraussichtlich bis Ende Januar.
Danach soll mit der Renaturierung der Pomologie begonnen werden. Spätestens zur Garden Life im Mai soll der gesamte Park wieder für die Besucher/innen zur Verfügung stehen.

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31.10.2012, 12:00 Uhr

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