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Der Tod kommt in Minuten

Frankreich rüstet sich für einen möglichen Giftgas-Anschlag durch Terroristen

Frankreichs Regierungschef Manuel Valls lässt Gegenmittel gegen einen Giftgasangriff einlagern. Bis zum heutigen Tag haben Terroristen Nervengas erst einmal eingesetzt - 1995 in der U-Bahn in Tokio.

21.11.2015
  • CHRISTOPH FAISST

Der Tod kommt laut-, farb- und geruchlos und wird von Krämpfen begleitet: Nervenkampfstoffe wurden in den 80er Jahren im Golfkrieg sowie zuletzt im Syrischen Bürgerkrieg eingesetzt. Nun geht die Angst vor ihnen als mögliche terroristische Bedrohung um. "Man darf heute nichts ausschließen", erklärt Frankreichs Regierungschef Manuel Valls und ordnet an, die Rettungskräfte und Krankenhäuser mit dem Gegenmittel Atropin auszustatten. Rein vorsorglich.

Chemische Kampfstoffe gelten als "Atombombe des kleinen Mannes". Einfach und preiswert herzustellen, wurden C-Waffen nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem in jenen Staaten beliebt, denen Wissen und Können für nukleare Ambitionen fehlte. Syrien und der Irak sind nur zwei Beispiele. Aber auch die großen Militärmächte wie die USA und die damalige UdSSR horteten C-Waffen bis zu deren Ächtung durch die internationale Chemiewaffenkonvention 1997.

Die bekanntesten Nervenkampfstoffe sind VX und Sarin. Aufgenommen werden sie (flüssig) über die Haut oder (als Aerosol, das sind feinste Tröpfchen in der Luft) über die Atemwege. Vor allem die Zerstäubung als Aerosol bereitet eine erhebliche technische Herausforderung, die bei weitem nicht alle Staaten meistern. Im menschlichen Körper hemmen VX und Sarin ein Enzym (Acetylcholinesterase), das für die reibungslose Funktion der Nervenleitung und Signalübertragung an die Muskeln nötig ist. Als Folge tritt eine Dauererregung ein, die Krämpfe und aufgrund der anhaltenden Kontraktion Lähmungen, nicht zuletzt der Atemmuskulatur, bewirkt.

Atropin wirkt als Gegengift. Soldaten führen als Teil ihrer Schutzausrüstung Atropin in Form sogenannter Autoinjektoren, wie sie auch Allergiker kennen, mit sich. Im Falle einer Vergiftung können sie sich damit Atropin spritzen.

Terroristen haben Nervenkampfstoffe bis heute erst einmal verwendet: Mitglieder der Endzeit-Sekte Aum setzten am 20. März 1995 in der U-Bahn von Tokio Sarin frei. Ein Dutzend Menschen starb, mehrere tausend wurden verletzt.

Der Bundestagsabgeordnete Jan van Aken (Linke) nennt gegenüber der SÜDWEST PRESSE die Einlagerung von Atropin in Frankreich "reine Stimmungsmache, um die Panik zu vergrößern, damit die Bevölkerung diesen Ausnahmezustand schluckt". Richtig sei, dass im syrischen Bürgerkrieg bei einem Gefecht zwischen IS und Rebellen Giftgas eingesetzt wurde - niemand könne da ausschließen, dass es jemand schaffe, eine Granate auch nach Europa zu bringen. Nur sei die Situation heute anders als in einem Krieg, in dem eine Gaswolke auf eine Stadt zuziehe und zwei Stunden Zeit bestünden, die Bevölkerung zu schützen. "Bei einem Anschlag bringt es nichts, irgendwo Atropin eingelagert zu haben." Nervenkampfstoffe führen binnen weniger Minuten zum Tod.

Frankreich rüstet sich für einen möglichen Giftgas-Anschlag durch Terroristen
Maske und Poncho wirken präventiv. Atropin kommt oft zu spät. Foto: imago

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21.11.2015, 12:00 Uhr

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