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Der entschlossene Krisenmanager

Frankreichs Präsident François Hollande demonstriert Härte und droht den Terroristen gnadenlose Verfolgung an

François Hollande gilt eigentlich als Zauderer. Doch in den schwierigsten Stunden des Landes seit Jahrzehnten zeigt der Präsident seine andere Seite.

16.11.2015
  • PETER HEUSCH

In Krisensituationen wächst François Hollande über sich hinaus. Frankreichs Präsident, der im politischen Alltagsgeschäft allzu oft wirkt, als sei das Gewand des Staatsoberhauptes zu groß für ihn, hat es in dem Chaos nach den schwersten Anschlägen in der Geschichte der V. Republik verstanden, seinen traumatisierten Landsleuten ein Rückhalt zu sein.

Noch während des Blutbads meldete sich Hollande am späten Freitagabend zum ersten Mal in einer Fernsehansprache zu Wort. Ohne seine Erschütterung zu verbergen, kündigte er den Verantwortlichen "dieser Barbarei" gnadenlose Verfolgung an und demonstrierte durch geradlinige Haltung, dass der Staat dem Terror keinen Quadratzentimeter Boden preiszugeben gedenke.

Frankreichs Präsident François Hollande demonstriert Härte und droht den Terroristen gnadenlose
Noch während des Blutbads richtete sich Präsident François Hollande per Fernsehansprache an das Volk. Foto: dpa

Hollande wandte sich in den folgenden Stunden noch zweimal an die Franzosen. Am frühen Samstagmorgen mitten aus dem Konzertsaal Bataclan, wo zu diesem Zeitpunkt noch die Opfer geborgen wurden, sprach er den Angehörigen sein Mitgefühl aus und rief gleichzeitig dazu auf, Einheit und Ruhe zu bewahren. Nach einer zweiten Krisensitzung im Elysée-Palast verurteilte er dann am Vormittag die Attentate als einen kriegerischen Akt des Islamischen Staats (IS) und nannte so den Feind beim Namen.

Hollande hat zwei Gesichter. Da ist einerseits der joviale und konfliktscheue Zauderer, der die eigenen Landsleute und die europäischen Partner mit seiner halbherzigen Reformpolitik beinahe zur Verzweiflung treibt. Und da ist der rasch entscheidende Krisenmanager, der die Bedenkenträger mit eiserner Entschlossenheit, ja mit Kaltblütigkeit verblüfft. Das war so, als islamistische Rebellen zum Sturm auf Malis Hauptstadt Bamako ansetzten und er über Nacht einen Alleingang französischer Interventionstruppen anordnete. Und das war so an diesem Wochenende, als er umgehend den Ausnahmezustand verhängen ließ.

Terroralarm, und zwar dessen höchste Stufe, galt im Großraum Paris und an der Côte d'Azur bereits seit dem Terroranschlag auf die Redaktion der Satire-Zeitung Charlie Hebdo im Januar. Der Ausnahmezustand, der zuletzt während der schweren Jugendunruhen in Vorstadtghettos vor zehn Jahren ausgerufen wurde, ist da die einzige denkbare Steigerung. Die Regierung mobilisierte sofort zusätzlich 1500 Soldaten, um die Ordnungskräfte zu unterstützen.

Niemand kann Hollande, der französische Soldaten in den Kampf gegen die Dschihadisten in der Sahelzone, im Irak und in Syrien schickte, mangelnde Härte gegenüber dem Islamistenterror vorwerfen. Schon deswegen kann es sich der Präsident leisten, auf eine Beschönigung oder Dramatisierung der Bedrohungslage zu verzichten. Hollande konzentriert sich darauf, den Eindruck zu vermitteln, dass der Staat die Situation zu meistern vermag und dass er persönlich Ruhe und Besonnenheit bewahrt.

Drei Tage Staatstrauer hat der Präsident angeordnet, der Ausnahmezustand gilt zunächst für zwölf Tage. Zudem berief Hollande in einer bisher nie da gewesenen Initiative für Montag den Kongress ein, der von Senat und Nationalversammlung gemeinsam gebildet wird und eigentlich nur zu Verfassungsänderungen zusammentritt. Das gibt ihm die Möglichkeit, sich im Schloss von Versailles an alle Abgeordneten zu wenden, was ihm ansonsten das Grundgesetz untersagt.

Keine Frage, Hollande will das Eisen der nationalen Einheitsfront gegen den Terror schmieden, solange es heiß ist. Doch es könnte auch darum gehen, die Franzosen auf eine militärische Bodenoffensive gegen die Terrormiliz IS einzustimmen. Sollte Paris die westliche Welt von der Notwendigkeit eines solchen Eingreifens zu überzeugen versuchen, will Hollande sein Land geschlossen hinter sich wissen.

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16.11.2015, 12:00 Uhr

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