Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Frankreichs neuer Hoffnungsträger
Aufstrebend und dynamisch: Emmanuel Macron ist nicht nur der jüngste Minister der V. Republik, er droht seinen Mentor François Hollande zu überholen. Foto: dpa
Wirtschaftsminister Emmanuel Macron könnte den unbeliebten Präsidenten François Hollande beerben

Frankreichs neuer Hoffnungsträger

Smart, populär, voller Ambitionen: Das Land fragt sich, ob der Wirtschaftsminister Emmanuel Macron vorhat, Präsident Hollande zu beerben.

27.04.2016
  • PETER HEUSCH

"Man muss Risiken eingehen, auch wenn damit ein Scheitern verbunden sein könnte", erklärte Emmanuel Macron jüngst den Studenten einer Ingenieurs-Hochschule sein Credo. An den darauf einsetzenden Applaus hat sich der 38-Jährige längst gewöhnt. Der jüngste Wirtschaftsminister der V. Republik ist ein umschwärmter Mann. Nicht nur die Illustrierte "Paris Match" unterstellt ihm Ambitionen auf das höchste Amt im Staat.

"Brigitte und Emmanuel Macron - zusammen auf dem Weg zur Macht", verkündete das Blatt auf seiner Titelseite, die ein Hochglanzfoto des Regierungsmitglieds und seiner 20 Jahre älteren Frau zierte. Doch die Macrons füllen keineswegs nur die Klatschspalten. Seit der erst seit 20 Monaten amtierende Minister am 6. April seine eigene Partei mit dem bezeichnenden Namen "En marche" (In Bewegung) gründete, fragen sich auch die seriösen Medien, ob der smarte Ex-Banker nicht das Zeug zum Präsidentschaftskandidaten hat.

Macron, ungleich beliebter als Staatspräsident François Hollande oder Premierminister Manuel Valls, mag zwar weiterhin nicht bestätigen, dass er sich auf eine Spitzenkandidatur vorbereitet. Doch er schließt es eben auch nicht aus. Wobei ihm kaum jemand abkauft, dass er mit seiner "weder links noch rechts stehenden" Partei lediglich den Puls der Nation nehmen und die politikverdrossenen Franzosen für einen Wandel in ihrem blockierten Land gewinnen wolle.

Als linksliberal bezeichnet sich Macron, der keiner Partei angehört. Seit er in das Wirtschaftsministerium einzog, sorgt er immer wieder für Schlagzeilen, weil er linke Errungenschaften wie die 35-Stunden-Woche, den Status der Beamten, die Rente ab 62 oder die Reichensteuer in Frage stellt. Und ausgeschlossenen ist es nicht, dass die Franzosen auf einen Reformer wie ihn gewartet haben. Auf einen, der forscher voranschreitet als der Zauderer Hollande oder dessen Vorgänger Nicolas Sarkozy, der eine ganze Reihe der von ihm angeschobene Reformvorhaben am Ende nicht durchsetzen konnte.

Der kometenhafte Aufstieg Macrons ist so ungewöhnlich wie sein Werdegang. Als 17-Jähriger verliebte sich der Arztsohn in seine damals verheiratete Französischlehrerin, die er wenig später ehelichte. Nach einem Philosophiestudium absolvierte er erfolgreich die Verwaltungs-Elitehochschule ENA und arbeitete im Wirtschaftsministerium, bevor er als Rothschild-Investmentbanker reich wurde. Hollande holte ihn nach seinem Wahlsieg als persönlichen Berater in den Élysée-Palast, bevor er ihn im Sommer 2014 an der Stelle des Unternehmerschrecks und Deutschlandfeinds Arnaud Montebourg zum Wirtschaftsminister ernannte.

Seither eckt der Jungpolitiker, der sich noch nie einer Wahl stellte, mit seinem unerschütterlichen Selbstvertrauen ebenso regelmäßig an wie mit seiner respektlosen Behandlung sensibler Themen. "Ganz Paris hat ihm so lange gesagt, er sei der nächste Kennedy, bis er es selbst glaubte", schimpfen Kritiker, die sich vor allem auf dem linken Flügel der Sozialistischen Partei finden.

Doch die Franzosen schätzen den frischen Wind, den Macron in die Politik trägt. Seit der Gründung von "En marche" hat seine Popularität zugenommen, 38 Prozent glauben mittlerweile, dass er einen guten Präsidenten abgeben würde. Von einer solchen Zustimmungsrate können Hollande, Sarkozy, ja sogar die Rechtspopulistin Marine Le Pen nur träumen.

Allerdings findet die Präsidentschaftswahl erst in einem Jahr statt. Bis dahin kann viel passieren. Und sollte Macron wirklich antreten wollen, müsste er zuvor den Bruch mit seinem politischen Mentor Hollande wagen. Der hat seinem Protegé bislang zwar sehr viel Freiraum eingeräumt, zeigt sich aber zunehmend irritiert. Macron, so merkte der Präsident vorletzte Woche ungewöhnlich scharf an, wisse was er ihm in puncto Hierarchie und Loyalität schulde. Macrons Antwort ließ acht Tage auf sich warten. Dann erklärte er in einem Interview mit der Regionalzeitung "Dauphiné libéré", er empfinde persönliche Loyalität gegenüber Hollande, doch fühle er sich nicht als dessen "Verpflichteter". Wichtiger sei es, den Franzosen das Vertrauen in die Zukunft zurückzugeben. Es sieht so aus, als seien Macrons Tage als Wirtschaftsminister gezählt.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

27.04.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Bürgermeisterwahl im ersten Anlauf entschieden Christian Majer holt in Wannweil auf Anhieb knapp 60 Prozent
Klarer Sieg fürs Aktionsbündnis: Kein Gewerbe im Galgenfeld 69,6 Prozent beim Bürgerentscheid: Rottenburg kippt das Gewerbegebiet Herdweg
Warentauschbörse Stetes Kommen und Gehen
Kommentar zur Bürgermeisterwahl in Wannweil Jetzt muss er Kante zeigen
Amtsgericht Horb verhandelt Cannabis-Besitz Hanfkekse aus eigenem Anbau
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball