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Die Bänke vibrierten

Franz-Josef Stoiber spielte im Rottenburger Dom

Rottenburg. Domorganist Prof. Franz-Josef Stoiber aus Regensburg spielte am Sonntagabend im Dom St. Martin vor 60 Zuhörenden an der Sandtner-Orgel Werke von Gustav Adolf Merkel, Marco Enrico Bossi, Johann Sebastian Bach und Max Reger.

30.10.2012

Klanggewaltig begann die Sonate Nr. 5 in d-Moll von Merkel, die im 19. Jahrhundert zu den meistgespielten Orgelwerken zählte. Schon nach den ersten Takten erklangen leise, zarte Töne, die sogleich wieder anschwollen. Der erste Satz war geprägt durch den Wechsel der Lautstärke und den Kontrast heller Läufe zu dunklen Akkorden.

Das Andante mit seiner klaren Melodieführung ließ die Zuhörer verschnaufen, bevor der dritte Satz zum imposanten Finale der Fuge überleitete, so dass der Dom erbebte. Die Toccata in d-Moll des wenig bekannten italienischen Komponisten Bossi überzeugte durch ihre verspielte Melodie. Die Töne schienen umeinander zu tanzen, bis sie akzelerierend zu den Schlussakkorden anschwollen.

In der Choralbearbeitung „Herr Jesu Christ, dich zu uns wend“ (BWV 709) von Bach kam das flehentliche Bitten durch die langgezogenen Töne besonders zur Geltung. Bachs Präludium G-Dur schaffte einen fröhlich frohlockenden Kontrast zum vorausgegangenen Choral. Der Komponist stellte eine einstimmige Passage im norddeutschen fantastischen Stil einem italienischen Konzertsatz voran. Auch die sich anschließende Fuge, die zu den populärsten ihrer Gattung gehört, spielte Stoiber hell und tänzerisch.

Den hohen Anforderungen der Choralfantasie „Wie schön leuchtet der Morgenstern“ von Max Reger war der Künstler voll und ganz gewachsen. Nach einer Einleitung mit gewaltigen Lautstärke-Gegensätzen musizierte er die fünf durchkomponierten Choralstrophen, in jeder übernahm eine andere Tonlage die Melodieführung. Die Choralfantasie schloss mit einer ausgedehnten Fuge, die die Kirchenbänke vibrieren ließ.

Als Höhepunkt des Abends improvisierte Stoiber ungewöhnlich und variantenreich das Marienlied „Oh, Maria sei gegrüßt“ und von ihm selbst geschriebene Themen. Ausgesucht hatte sie Domorganist Ruben Sturm, dem genau diese Themen bei seiner Bewerbung an den hiesigen Dom von Prof. Stoiber zur Improvisation vorgelegt worden waren.

Stoiber erfuhr die Improvisationsthemen erst kurz vor Konzertbeginn, denn Spontaneität ist das Wesen der Improvisation: Die Musik wird im Augenblick ihres Spiels erschaffen. Diese Kunst beherrscht der Professor für Liturgisches Orgelspiel und Improvisation perfekt.

Das Publikum dankte es ihm mit höflichem Applaus. dun

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30.10.2012, 12:00 Uhr

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