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Lufthansa-Chef fordert umfassende Lösung

Franz befürchtet Eskalation im Streit um den Emissions-Handel im Luftverkehr

Die wachsende Spannungen um den europäischen Emissionshandel könnten sich zu einem Handelskrieg auswachsen, befürchtet Lufthansa-Chef Christoph Franz. Er fordert eine globale Lösung.

03.04.2012

Von PETER DE THIER

Washington Lufthansa-Vorstandschef Christoph Franz nennt das europäische Emissionshandelssystem ETS ein "wettbewerbsverzerrendes, unilaterales Gesetz, das Konflikte und Unzufriedenheit verursacht". Zur Debatte steht die Frage, ob amerikanische Fluggesellschaften wie United, American Airlines und andere ausländische Carrier auch für Streckenteile Emissionszertifikate erwerben müssen, die außerhalb Europas geflogen werden.

Die US-Linien beklagen, dass wenn sie zum Beispiel von Los Angeles nach Frankfurt fliegen, der größte Teil der Gesamtstrecke über amerikanischem Staatsgebiet zurückgelegt wird und ein europäisches Gesetz ihnen hierfür keine zusätzlichen Kosten aufbürden sollte.

Nach Darstellung des Lufthansa Chefs hat das Thema bei seinen Gesprächen mit US-Verkehrsminister Ray LaHood eine wichtige Rolle gespielt und stellt aus der Sicht der amerikanischen Regierung eine vorrangige handelspolitische Priorität dar.

Folgen könnte das Gesetz aber auch für die Beziehungen zu China, Indien und anderen asiatischen Ländern haben, in denen die Kranich-Airline während der kommenden Jahre seine Marktpräsenz deutlich ausbauen will. Zwar wurden zivile Klagen der Fluggesellschaften zwischenzeitlich eingestellt. Dafür setzten Industrielobbyisten die Regierung in Washington unter Druck und fordern die Einbindung der Vereinten Nationen, da der Luftverkehr nicht zu den Zuständigkeiten der Welthandelsorganisation WTO gehört.

Franz fordert, den Emissionshandel vorläufig auszusetzen. Das Gesetz enthalte eine Öffnungsklausel, die es ermögliche, die 2013 beginnende Versteigerung der Emissionszertifikate auszusetzen, sofern bilaterale Verhandlungen mit betroffenen Ländern aufgenommen werden. Eine globale Lösung solle unter der Schirmherrschaft der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation ICAO erreicht werden. Ohne diese sei, so der Konzernlenker, "mit Vergeltungsmaßnahmen zu rechnen". Diese könnten sowohl von den USA als auch China, Indien und anderen Staaten im asiatisch-pazifischen Raum verhängt werden, den Verluste im dreistelligen Millionenbereich drohten.

Franz wies Spekulationen zurück, wonach die kürzlich verkündete Ausgabe einer Wandelanleihe bedeute, dass sich das Unternehmen von seiner Beteiligung an der US-Linie Jet Blue Airways trennen wolle. Ziel der Aktion sei vielmehr eine preisgünstige Kapitalaufnahme.

Insgesamt bezeichnete der Lufthansa-Chef die Ertragslage der europäischen Fluggesellschaften als "erbärmlich und nicht tragfähig", wobei sich der deutsche Carrier mit einem Gewinn von 820 Mio. EUR im vergangenen Jahr noch sehen lassen könne. Dennoch müsse man künftig in verstärktem Maße auf ausländische Märkte setzen, insbesondere die stark wachsenden Volkswirtschaften im asiatisch-pazifischen Raum, wo mit jährlichen Umsatzzuwächsen von 7 Prozent zu rechnen sei.

Auch gilt es nach Darstellung von Franz in dieser Region einige unfaire Wettbewerbsvorteile der Konkurrenten auszuräumen. Als Beispiel nannte er das Monopol für Alkoholimporte, das einige Airlines in den Golfstaaten besitzen. Zudem führe es zu wettbewerbsverzerrenden Überkapazitäten, wenn Fluggesellschaften aus der Golfregion 40 000 Passagiere pro Woche nach Europa befördern, während die Lufthansa in demselben Zeitraum nicht mehr als 10 000 Passagiere in die Golfstaaten fliegt.

Lufthansa-Chef Christoph Franz sperrt sich gegen den Emissions-Handel in der Luftfahrt. Foto: dpa

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Erstellt:
3. April 2012, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
3. April 2012, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. April 2012, 12:00 Uhr

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