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Eine Schneeflocke per Post

Französische Filmtage: Animationsfilme als Kino-Versucherle für Kinder

Ein Baum borgt sich Schuhe, ein Zebra verliert seine Streifen: Lustige Animationsfilme aus aller Welt begeisterten am Samstagmittag im Kino Museum etwa 150 kleine und große Zuschauer/innen.

10.11.2015
  • Dorothee Hermann

Tübingen. Die bunte Trickfilmauswahl bei den Französischen Filmtagen war als Gratis-Versucherle für gestandene und für künftige Filmfreunde gedacht. Und es klappte: Jedenfalls dem Kichern und dem Popcornknistern nach.

Französisch, Deutsch oder sonstige Sprachen musste niemand beherrschen. Die Kurzproduktionen funktionierten ohne Dialoge, allein über die Bilder: „Jeder kann sie verstehen“, so Uli Wegenast, Leiter des Internationalen Trickfilm-Festivals Stuttgart, das die vergnüglichen Kurzen bereitgestellt hat. „Manche sind mit Knet gemacht, manche am Computer, manche sogar gestrickt“, sagte er.

Filmtage-Chef Christopher Buchholz begrüßte die meist jugendlichen Gäste: „Eine halbe Stunde Filme, eine halbe Stunde gut essen und dann wieder eine halbe Stunde Filme.“ In der Pause lockten Quiche, Hackfleischbällchen und Schokoküsse sowie mundgerechte Tomaten- und Gurkenstückchen.

„Schneeflocke“ hieß der graphisch sehr reizvolle Trickfilm, in dem ein afrikanischer Junge in einem Brief aus dem Norden eine Schneeflocke bekommt. Von ihrem eisigen Glitzern ist er ganz hingerissen. Als der Junge zum ersten Mal auftauchte, sagte eine Stimme im Publikum: „Ah, ich bin das!“ Wie in einem Märchen breitet sich der Schnee aus und verwandelt die ganze Welt des Jungen. Zum Dank schickt er ebenfalls per Post ein Geschenk los, und man konnte sich fragen, wie sich dessen fröhliches Orange-Gelb am kalten Ankunftsort, wo die Schneeflocken wohnen, auswirken würde.

In dem russischen Animationsfilm „Brüderchen Winter“ wird das blasse Bürschchen von den fröhlichen drei anderen Jahreszeiten erst einmal links liegen gelassen – bis seine Zeit gekommen ist und sie mit ihm gemeinsam entdecken, wie lustig es sein kann, durch den Schnee zu toben. Bis in den Abspann ist alles mit viel Liebe zum Detail gezeichnet (mit dem leichten Strich von Buntstiften), wie ein Bilderbuch, das in Bewegung geraten ist. Auch Produktionen von der Filmhochschule Ludwigsburg waren zu sehen.

„Kurzfilme oder Trickfilme sind oft besonders kreativ gemacht“, sagte Marinne d’Ailly, auch sonst eine begeisterte Filmtage-Besucherin. „In der komprimierten Form gestalten sie ihre Aussage mit ganz prägnanten Mitteln.“ An den Filmtagen schätzt die Tübingerin, dass sie in ferne Länder entführen, die sonst im Fernsehen oder im Kino nicht so präsent sind, wie Burkina Faso oder Kambodscha. Oder Filme mit besonderen Themen aufgreifen, wie beispielsweise das Leben eines Transvestiten („De l’ombre il y a“) in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh. „Und die Gäste, die Regisseure! Dass man die persönlich kennenlernen kann.“

Der Student Ahmed Arafa hat mit einer Freundin elf Flüchtlingskinder aus der Sindelfinger Straße ins Kino begleitet. „Sie sind alle Syrer, vielleicht auch Iraker“, sagte der 29-Jährige. Der aus Ägypten stammende Apotheker studiert hier Orientwissenschaften und Judaistik und mag außer den Französischen Filmtagen auch das Arabische Filmfestival.

Französische Filmtage: Animationsfilme als Kino-Versucherle für Kinder
Vor allem für Kinder: Die Zuschauer der Trickfilmschau der Französischen Filmtage am Samstagnachmittag im Kino Museum.Bild:Faden

Zur Trickfilmschau der Französischen Filmtage kamen erstmals auch zahlreiche Flüchtlingskinder, unter anderem aus Tübingen, Weilheim, Ammerbuch oder Ofterdingen. „Wir haben das Asylzentrum und Unterstützergruppen angesprochen“, sagte Filmtage-Pressefrau Andrea Bachmann am Samstag im Kino Museum. Für etliche Kinder war es der erste Kinobesuch in Tübingen. „Mit der Schule gehen sie nicht“, sagte Doris Schaller-Hauber vom Arbeitskreis Asyl Weilheim. Die siebenjährige Itohan fand das Zebra, das durch eine Ungeschicklichkeit seine Streifen verliert, und darüber erst einmal ganz verzweifelt ist, besonders lustig.

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10.11.2015, 12:00 Uhr

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