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Große Damen und ein Altmeister

Französische Filmtage ehren zwei Cineastinnen und empfangen Volker Schloendorff

Zwei Monate vor ihrem Start am 31. Oktober gewinnen die 29. Französischen Filmtage langsam Konturen. Als Gast kommt voraussichtlich Claire Denis. Der großen Eigensinnigen des französischen Kinos widmet das Festival eine Werkschau.

27.08.2012
  • Klaus-Peter Eichele

Französische Filmtage ehren zwei Cineastinnen und empfangen Volker Schloendorff
Blick auf den soldatischen Körper: "Beau Travail" von Festivalgast Claire Denis.

Für Christopher Buchholz, der die Filmtage heuer zum dritten Mal leitet, war Denis' berühmtestes Werk "Beau Travail" (1999) eines seiner großen cineastischen Aha-Erlebnisse. Der Film über die stupiden Alltagsrituale von Fremdenlegionären in der afrikanischen Wüste bricht mit fast allen Konventionen des herkömmlichen Erzählkinos. Auch in den meisten anderen ihrer Filme geht es um Figuren, die am Rande stehen: wortkarge Einzelgänger, Außenseiter, Heimatlose. In ihrem jüngsten Opus "White Material" spielt Isabelle Huppert eine Plantagenbesitzerin in Afrika, die vor dem um sie herum tobenden Bürgerkrieg die Augen verschließt. Bei den Filmtagen wird die 64-Jährige einen Workshop für Studenten der Ludwigsburger Filmakademie geben.

Auch die zweite Retrospektive des Festivals ist einer Frau gewidmet. Die inzwischen 82 Jahre alte Jacqueline Veuve ist die Grande Dame des Schweizer Dokumentarfilms, hat seit 1966 mehr als 50 Filme mit mal kritischem, mal liebevollen Blick auf die Wirklichkeit ihres Heimatlandes gedreht. Ihr Themenspektrum reicht von der Armee über die Landwirtschaft bis zur Künstlerszene. Ob Veuve nach Tübingen kommt, ist wegen eines jüngst erlittenen Schlaganfalls allerdings fraglich.

Wie im Vorjahr spielt die Musik auch bei den 29. Französischen Filmtagen eine wichtige Rolle. Highlights sind zwei Stummfilme mit Livemusik. In den Stuttgarter Wagenhallen begleitet die Experimentalrockband Zone libre den Gruselklassiker „Nosferatu“; in Tübingen liefern zwei Pariser DJs den Soundtrack zu Lotte Reinigers Pionier-Trickfilm "Die Abenteuer des Prinzen Achmed".

Die Afrika-Sektion des Festivals wird in diesem Jahr 25 Jahre alt, und verbindet aus diesem Anlass Rückschau mit Ausblick. Mehrere Regisseure, die im letzten Vierteljahrhundert in Tübingen zu Gast waren, schnüren Pakete mit für sie maßgeblichen afrikanischen Kurzfilmen aus Vergangenheit und Gegenwart.

Welche aktuellen französischen Filme zwischen dem 30. Oktober und dem 7. November gezeigt werden, ist noch offen. Derzeit ist das Filmtage-Team in seinem Büro in der Hinteren Grabenstraße heftig beim (Video-)Sichten. Auch wollen die Programm-Macher Buchholz, Hasan Ugur & Co das Festival in Venedig Anfang September abwarten, ehe der Spielplan festgezurrt wird. Sicher ist: Volker Schloendorff wird sein neuestes Werk "La mer à l'aube", in dem Buchholz eine kleine Rolle spielt, persönlich vorstellen. Die TV-Produktion über ein Massaker der deutschen Wehrmacht an 50 französischen Geiseln soll vor allem in Schulvorstellungen gezeigt werden.

Ebenfalls fest gebucht ist der Berlinale-Winner "L'enfant d'en haut". Dessen Hauptdarstellerin Léa Seydoux, Frankreichs momentan angesagteste Nachwuchs-Schauspielerin, ist eine heiße Kandidatin für den diesjährigen Stargast. Der Film über zwei jugendliche Streuner in einem Schweizer Urlaubsort wird vom Tübinger Arsenal-Verleih gleich nach dem Festival in die deutschen Kinos gebracht.

Erstmals wird in diesem Jahr das Kino Blaue Brücke einen ganzen Tag lang in die Riege der Festival-Spielstätten aufgenommen. Der Grund: Am 6. November ist das Museum komplett für die Party zur amerikanischen Präsidentenwahl belegt.

www.filmtage-tuebingen.de

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27.08.2012, 12:00 Uhr

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