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30.10.2014

Von Ulla Steuernagel

Wo wären die Filmtage ohne Gedränge? Jedenfalls nicht in Tübingen. Im Gewimmel sieht man Christopher Buchholz (rechts neben dem Mann mit Hut).Bild: Sommer

Der Saal war voll, die Stimmung erwartungsvoll, als Regisseur Abderrahmane Sissako gegen 20.30 Uhr das Festival eröffnete. Doch dann blieb erst mal der Ton und Kinobetreiber Volker Lamm die Luft weg. Erst mit Verzögerung konnte er seinen angestammten Chill-Platz im „Kabuff“ einnehmen. „Das kommt, weil das Fernsehen vorher am Server war“, ärgerte er sich. Nie wieder lasse er Andere an das Kino-Allerheiligste.

Die Panne wurde behoben, das Publikum war ohnehin gewogen und überdies war bei den Eröffnungsreden diesmal auch schon Zeit eingespart worden. Die Moderation lag wie immer in den Händen von Stefanie Schneider, die im „Nebenberuf“ Landessenderdirektorin beim SWR ist. Sie hätte eigentlich ein bisschen rotwerden müssen, als sie als Motto ausgab: „Wir machen einfach weiter.“ Denn sie selber gestand später hinter den Kulissen, dass sie mit diesem Jahr aus dem Moderatorenamt ausscheiden wolle.

Bekannt lakonisch pries sie die Filmtage als Mittel gegen die Leere nach dem OB-Wahlkampf. Auch hier könne man sich versammeln, wild diskutieren und „Leuten mit Ecken und Kanten“ begegnen. Allerdings geht es bei den Filmtagen mehr um die ganz großen Menschheitsfragen, um Leben und Tod, Liebe, Freiheit und Flucht. Die kleinen Probleme, wie Parken und Zahlen, lösten sich dann schon.

Festivalleiter Christopher Buchholz krönte in bekannt enthusiastischer Art so viele diesjährige „Lieblingsfilme“, dass das Publikum wohl keinen der Filme des Programms auslassen kann. Seinem Team dankte er in warmen Worten und freute sich über die vielen Sponsoren, die ihm während der Festivaltage ungeahnten Luxus, etwa „Fahrten im Mercedes“, erlaubten. „Das Leben eines Festivalleiters ist grenzenlos schön“, konterte Schneider trocken.

Nicht Boris Palmer (Urlaub), sondern Baubürgermeister Cord Soehlke (kein Urlaub) grüßte seitens der Stadt. Er scherzte, er werde die Abwesenheit seines Vorgesetzten ausnutzen, um die „Brötchentaste“ einzuführen und größere Parkplätze auszuweisen. Er versprach aber, „mit den Festivals geht es definitiv so weiter“. Er persönlich wünschte sich einmal den Dokumentarfilm „Die Potemkinsche Stadt“ in einem Tübinger Kinos zu sehen, einer seiner Lieblingsfilme.

Hans-Peter Willi vom schweizerischen Generalkonsulat in Stuttgart und der französische Kulturattaché Emmanuel Suard überbrachten die Grüße ihrer Nationen. Und der neue Leiter der MFG (Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg), die zusammen mit dem französischen Filmexporteur Unifrance den Verleihförderpreis spendiert, machte artig seinen Antrittsbesuch in Tübingen: Carl Bergengruen ist der Nachfolger von Gabriele Röthemeyer, und sein wichtigstes Wort am Abend lautete: „versprochen“. Es war die Erwiderung auf Schneiders „Ich hoffe, dass Sie uns treu bleiben!“

Fast schien Bergengruen dem Publikum eine Wahlempfehlung mit auf den Weg geben zu wollen. „Timbuktu“, schon im Tübinger Arsenal-Verleih, wäre für ihn ein heißer Anwärter. Sein Regisseur Abderrahmane Sissako stand schließlich in feiner Zurückhaltung auf der Bühne. Ihm ist das Kunststück gelungen, einen Film über einen barbarischen Haufen von Gotteskriegern zu machen, der mitunter komische Züge annimmt. Sissako wollte nicht viel über seinen Film sagen. Warum er Fiktion und keine Dokumentation gedreht habe? Er beantwortete dies mit einem freundlichen „Warum nicht?“

Siehe auch die TAGBLATT-Kino-Seiten

Das Festivalbüro ist in der Hinteren Grabenstraße 20 (Kartenreservierungen unter 0 70 71 / 56 96 56). Filmtage-Vorstellungen gibt es in der nächsten Woche in den Tübinger Kinos Museum, Atelier und Arsenal, dem Cineplex Planie in Reutlingen, den Mössinger Lichtspielen, dem Rottenburger Waldhorn und dem Delphi in Stuttgart. Die Einzelkarten kosten 8 Euro (Mössingen 7 Euro), der Sechserblock für Tübingen 42 Euro, die Eintrittskarten sind übertragbar. Sieben Preise werden am Ende des Festivals vergeben. Wichtigster ist der mit 20 000 Euro dotierte Verleihförderpreis, den der deutsche Verleih bekommt, der den vom Publikum gewählten Film, für ihn spendet Volker Lamm 2500 Euro, in die Kinos bringt. Es gibt einen Jugendpreis (1000 Euro) und in diesem Jahr erstmals einen Darstellerpreis. Kein Brüderchen für Claude: Starker Nachwuchs, keine Prominenz: Bilanz der 31. Französischen Filmtage 05.11.2014 Tapfere Nonne verzückt: Am Mittwochabend wurden die Preise der Französischen Filmtage verteilt 05.11.2014 Ein Ahnung von Hölle: Filmtage: „Eau argentée“ zeigt Bilder des Grauens, die sich jeder Filmkritik entziehen 05.11.2014 Sex-Appeal durch Fantasie: Filmtage: In „Je suis à toi“ strandet ein Eskort-Boy in der Provinz 05.11.2014 Mach Liebe und Krieg: Französische Filmtage: Thomas Cailley und sein Erstling "Les Combattants" 04.11.2014 Invasion vom Planeten Dschihad: Islamisten sind keine Monster: Abderrahmane Sissako über "Timbuktu" 05.12.2014 In Blockbusters Windschatten: Französische Filmtage setzen vom 29. Oktober bis 5. November politische Zeichen und feiern das junge Kino 25.10.2014

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Erstellt:
30. Oktober 2014, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
30. Oktober 2014, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. Oktober 2014, 12:00 Uhr

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