Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Retrospektive des Pop-Art-Künstlers Allen Jones

Frau als Hutständer, Tisch und Stuhl

Er hat noch gefehlt in der Galerie der in der Kunsthalle ausgestellten Pop-Art-Künstler, und jetzt ist er da: Allen Jones, der 1969 mit seinen Möbelskulpturen für Furore sorgte. Heute um 19 Uhr eröffnet die Retrospektive zum 75. Geburtstag des Künstlers.

15.06.2012
  • Peter Ertle

Frau als Hutständer, Tisch und Stuhl
Playboy Gunther Sachs besaß so eine Jones-Gruppe. Das passt doch, oder?

Tübingen. „Möbelskulpturen“ ist etwas neutral und höflich ausgedrückt. Letztlich vermöbelte er Frauen, machte sie zu Tisch- und Sesselhaltern in Sado-Masoanmutung. Frauenverachtend? Nein, sagte Jones, wenn Goya ein Schlachtengemälde male, sei das ja auch keine Kriegsverherrlichung. Und im Ausstellungskatalog liest man, dem Künstler sei es dabei um die Infragestellung von Denkverboten und sittlichen Schranken gegangen.

Das stimmt ganz sicher, denn in den sechziger Jahren ging es absolut darum, bürgerlich-sittliche Schranken einzureißen. Außerdem war Allen Jones damals noch sehr jung und wusste entweder noch nicht, dass es wirklich – wenn auch nicht von Goya – auch kriegsverherrlichende Schlachtengemälde gibt, oder er glaubte tatsächlich, ein Goya der lauteren Frauenvermöblung zu sein. Ach, und die Frauenbewegung kam erst in den siebziger Jahren so richtig in Fahrt, das konnte er damals also noch gar nicht so recht wissen. Kurz und gut: Jones’ Möbelskulpturen sind schon ziemlich fragwürdig. Aber er hat ja nicht nur so was gemacht.

Frau als Hutständer, Tisch und Stuhl
Ein jüngeres Werk: Singsong

Die federführend vom Institut für Kulturaustausch zusammengestellte Schau, die in Tübingen beginnt und dann auf Reisen durch die Republik geschickt wird, zeichnet zum 75. Geburtstag des Künstlers einen Querschnitt seines Schaffens.

Man kann hier sehr schön verfolgen, wie er versucht, sich vom abstrakten Expressionismus abzusetzen, wird auf die Einflüsse der Lektüre Nietzsches hingewiesen, stellt bei Skulpturen aus dünnen, gebogenen Hölzern eine Anlehnung an die späten, Scherenschnitt-gleichen Matisse-Bilder fest, man ahnt: Allen Jones war und ist ein sehr akademischer, gebildeter, sich mit der Kunsttradition auseinander setzender Maler.

Und er hat auch tatsächlich unterrichtet, einige Aufgaben und Motive, die er seinen Studenten stellte, hat er selbst umgesetzt – auch sie sind in der Kunsthalle zu sehen. Eines der Hauptmotive ist übrigens das Paar, und hier wiederum herrscht ein eher hermaphroditisches Weltbild vor. Schön, still und geisterhaft sind manche der jüngeren Arbeiten, also des älteren Künstlers, wo die Erotik in zurückgenommener, intimer, aber um so dichterer Atmosphäre die Bilder beherrscht.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

15.06.2012, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball