Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Frauen bekommen Einblick ins Gehaltskonto ihrer Kollegen
Ihr Gesetzesentwurf ist auf dem Weg: Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) spricht am Brandenburger Tor in Berlin anlässlich des „Equal Pay Day“, an dem die gleiche Bezahlung von Männern und Frauen angemahnt wird. Foto: Bildquelle
Gleichstellung

Frauen bekommen Einblick ins Gehaltskonto ihrer Kollegen

Wie viel verdient Mann mehr für die gleiche Arbeit? Das herauszubekommen, wird leichter. Ob das neue Gesetz viel bringt, ist offen.

12.01.2017
  • Dieter Keller

Berlin. Über Geld spricht man nicht – der persönliche Verdienst gilt in Deutschland als Tabu. Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig (SPD) will es ein Stück weit aufbrechen, damit Frauen feststellen können, ob sie schlechter bezahlt werden als ihre männlichen Kollegen mit gleicher oder vergleichbarer Tätigkeit. Nach langem Streit in der Koalition hat das Bundeskabinett ihren Gesetzentwurf für mehr Lohngerechtigkeit zwischen Frauen und Männern auf den parlamentarischen Weg gebracht.

Das Problem Frauen verdienen im Schnitt 21 Prozent weniger als Männer. Das hat vielfältige Gründe: Sie sind besonders häufig in sozialen Berufen wie der Pflege und in Dienstleistungsbranchen beschäftigt, die schlechter zahlen als die Industrie. Zudem arbeiten sie oft in Teilzeit. Damit Mütter aus der „Teilzeitfalle“ wieder herauskommen, will Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ein Rückkehrrecht einführen. Aber auch ohne solche Faktoren gibt es eine „bereinigte Entgeltlücke“ von 7 Prozent.

Der Grundsatz: Spätestens seit Verabschiedung des Antidiskriminierungsgesetzes (AGG) vor zehn Jahren gibt es einen Anspruch auf gleiche Bezahlung. Aber normalerweise können Frauen nicht herausfinden, ob ihre männlichen Kollegen mehr bekommen als sie. Das will Schwesig ändern: Ihr Gesetz soll ihnen ein Auskunftsrecht bringen. Es gibt mehrere Stufen:

Kleinere Unternehmen 17,3 Mio. Mitarbeiter in Firmen mit weniger als 200 Beschäftigten bleiben außen vor; da soll der Betriebsfrieden nicht gestört werden. Die neuen Regeln gelten nur für Unternehmen mit mindestens 200 Beschäftigten und damit für insgesamt 14 Mio. Arbeitnehmer.

Ab 200 Beschäftigten Der Arbeitgeber muss Auskunft geben, was Beschäftigte mit einer gleichen oder gleichwertigen Tätigkeit verdienen. Wegen des Datenschutzes bekommen die Frauen allerdings keine detaillierte Liste, sondern nur den Mittelwert für eine mindestens sechsköpfige Gruppe. Dabei werden das monatliche Bruttoentgelt und bis zu zwei weitere Entgeltbestandteile berücksichtigt, etwa Boni oder ein Dienstwagen, nicht aber zwingend alle Leistungen. Gibt es einen Betriebsrat, so läuft die Auskunft immer über diesen. Nur wenn weder ein Betriebsrat noch ein Tarifvertrag existieren, gibt es einen individuellen Auskunftsanspruch. Wie stark das Entgelt von Frauen vom Durchschnitt der Männer abweichen darf, ist im Gesetz nicht festgelegt. Das dürfte Arbeitsgerichten Arbeit bescheren. Mehr Lohn einklagen können Frauen nur aufgrund des AGG. Durch die Neuregelung können auch Männer feststellen, ob sie gegenüber Kolleginnen benachteiligt werden, nicht dagegen, ob ihre männlichen Kollegen besser dran sind.

Ab 500 Beschäftigten Diese Arbeitgeber werden zudem aufgefordert, regelmäßig ihre Entgeltstrukturen zu überprüfen, ob Männer und Frauen gleich bezahlt werden. Es drohen allerdings keine Sanktionen, wenn sie dies nicht tun. Größere Unternehmen, die nach dem Handelsrecht verpflichtet sind, einen Lagebericht zu veröffentlichen, müssen in diesem künftig alle drei bis fünf Jahre über den Stand von Gleichstellung und Entgeltgleichheit berichten.

Inkrafttreten Der Bundestag soll das Gesetz noch vor der Sommerpause verabschieden. In seinen Beratungen sind noch Änderungen möglich. Der Auskunftsanspruch kann erstmals sechs Monate nach Inkrafttreten geltend gemacht werden.

Kritik Die Arbeitgeber halten das ganze Gesetz für überflüssig. Es sei für Betriebsrat und Tarifvertragsparteien bürokratisch und erreiche nicht das Ziel, bessere Karrierechancen für Frauen zu schaffen, kritisierte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer. Für die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack ist es dagegen nur ein erstes Signal. Sie forderte, zumindest für Betriebe mit mehr als 500 Beschäftigten betriebliche Prüfverfahren verbindlich vorzuschreiben.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

12.01.2017, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball