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Frauen unter sich
Bunt sind alle meine Kleider: Die gebürtige Russin Maria Spilka hat mit dem „Mädchenflohmarkt“ in der Landeshauptstadt einen leistungsstarken Online-Handel hochgezogen. Foto: Ferdinando Iannone
Start-up

Frauen unter sich

Der Online-Handel „Mädchenflohmarkt“ wird in der Gründerszene als Durchstarter gefeiert. Was ist das Geheimnis hinter dem Erfolg?

02.11.2016
  • RAINER LANG

Stuttgart. Lange hat Stuttgart das Image des Provinziellen angehaftet. Doch längst haben sich in der schwäbischen Metropole coole Kneipen und Bars sowie Designershops etabliert. Und die Stadtverwaltung hat begriffen, dass es sich lohnt, etwas für die Kreativwirtschaft zu tun. „In den vergangenen Jahren hat sich wahnsinnig viel in Stuttgart und der Gründerszene getan. Eine wirklich schöne Entwicklung“, findet man auch beim Stuttgarter „Start-up“-Verein, den es seit 2011 gibt.

Zu den Vorzeige-Firmen zählt der „Mädchenflohmarkt“, dessen Sitz viele eher im hippen Berlin vermuten würden. Der Online-Mode-Shop, dessen Geschäftsräume im Stuttgarter Westen liegen, wird als „Durchstarter“ gefeiert. „So schafften es die Macher hinter dem Projekt, innerhalb von nur vier Wochen 50 000 Facebook-Fans zu aktivieren. In der Start-up-Szene ziehen deshalb viele den Hut.

Vor vier Jahren riefen Maria Spilka, Thorsten Lückemeyer und Peter Ambrozy den Online-Markt ins Leben, auf dem man gebrauchte Secondhand-Kleider kaufen kann. Spilka, studierte Wirtschaftswissenschaftlerin, lernte ihre beiden Mitinhaber 2012 direkt nach ihrem Masterstudium an der Universität Hohenheim kennen. Amborzy und Lückemeyer waren ihre ersten Chefs bei der Plattform für Einkaufstipps „edelight“. Sechs Monate später stieg die umtriebige Angestellte zur gleichberechtigten Partnerin beim „Mädchenflohmarkt“ auf und hält dort heute mit gerade einmal 27 Jahre die Fäden in der Hand.

Den frühen Erfolg ihres Start-ups führt die Jungunternehmerin zu einem großen Teil auf den Namen zurück. „Jede Frau hat schon davon gehört“, erläutert sie. Deutschlandweit gebe es reale Mädchenflohmärkte – sie und ihre Partner hoben die Idee ins Netz. „Uns verbindet alle der gleiche Grundgedanke“, erklärt Spilka die Idee hinter ihrer Homepage. Hier seien Frauen „über alle Altersgruppen hinweg“ unter sich, die an Mode interessiert seien und keinen Ramsch wollten, sondern hochwertige Ware suchten. „Wir reden deshalb auch selten von Secondhand“, betont sie. Von einst geliebten Stücken und „Vintagetrends“ ist da die Rede.

Auf der Plattform kann jede Frau ausrangierte Kleider zum Kauf anbieten. Das Modell beschreibt Spilka als „Ebay für Frauenmode“. Verkäuferinnen stellen ihre Ware online, wofür zehn Prozent Provision anfallen. Wer mehr anbieten will, kann den Concierge-Service in Anspruch nehmen, wobei Qualitätsprüfung, Produktbeschreibung und Fotos von den Betreibern übernommen werden. Die Provision liegt bei 40 Prozent.

Die Idee kam so gut an, dass die Gründer vom Erfolg quasi überrollt wurden: Schnell war die Homepage überlastet. „Wir haben ein dreiviertel Jahr daran gearbeitet, um die Seite neu zu programmieren“, erzählt Spilka. „Erst danach haben wir uns getraut, eine Provision einzuführen“, fügt sie hinzu.

Inzwischen ist die Facebook-Gemeinde auf 700 000 Mitglieder angewachsen, bei Instagramm sind es rund 30 000. In der Zentrale im Stuttgarter Westen arbeiten zehn Mitarbeiter. In Feuerbach musste wegen der großen Nachfrage ein Lager eingerichtet werden. Dort sind bis zu 20 Mitarbeiter tätig. Nachdem am Anfang Vorwerk als Investor eine Anschubfinanzierung von 700 000 Euro beigesteuert hatte, ist das Unternehmen inzwischen in der Gewinnzone angekommen. Jetzt kooperiert die Firma auch mit Ebay. In Stuttgart und Berlin wurden erfolgreich Pop-up-Läden eröffnet.

Maria Spilka stammt aus Russland, hat den Kindergarten in Deutschland besucht und später in Moskau die deutsche Schule. Zum Studium kam sie nach Stuttgart. Der jungen Frau gefällt die schwäbische Mentalität. Die Bodenständigkeit habe sie sich angeeignet. Diese passt auch zur ihrer Vision. Spilka möchte Secondhand-Kleider für Frauen zur Selbstverständlichkeit machen, sie setzt sich für bewusstes Konsumieren ein, wie sie sagt. Bei bis zu 40 Kollektionen im Jahr werde vieles nur kurz getragen und hänge dann im Schrank.

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02.11.2016, 06:00 Uhr

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