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Wie Petrunya (Zorica Nusheva) sich in einer patriarchalen Welt durchsetzt, überzeugte auch das EU-Parlament. Bild: Filmfest Frauenwelten




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28.11.2019

Von Dorothee Hermann

Das 19. Filmfest Frauenwelten lief in dieser Form zum letzten Mal in Tübingen. Zum Abschluss kam eine Rekordzahl von zirka 4300 Zuschauerinnen und Zuschauern zu den 25 Filmen aus mehr als 25 Ländern, sagte Festivalkoordinatorin Irene Jung. Künftig steigt das Festival in Berlin, wo auch die Frauenrechtsorganisation Terre des Femmes als Veranstalterin seit Jahren ihren Sitz hat.

Als Publikumslieblinge erwiesen sich das Ehrenmord-Drama „Nur eine Frau“ sowie die Oscar-nominierten Spielfilme „Adam“ (Marokko), „Die perfekte Kandidatin“ (Saudi-Arabien) und „Die Sehnsucht der Schwestern Gusmao“ (Brasilien). Die Prostitutions-Aussteigerin Sandra Norak berichtete nicht nur im Kino, sondern auch in Tübinger Schulen unter anderem von den psychischen Auswirkungen von Gewalterfahrungen im Bordell und auf dem Straßenstrich, die Frauen auch nach dem Ausstieg aus dem Milieu noch jahrelang belasten können.

Das Frauenwelten-Team bewies immer wieder ein Händchen für Filme, die den Nerv der Zeit treffen: Der diesjährige Eröffnungsfilm „Gott existiert, ihr Name ist Petrunya“ von Regisseurin Teona Strugar Mitevska aus Nordmazedonien erhielt soeben den Lux-Filmpreis des Europa-Parlaments. Die seit 2007 vergebene Auszeichnung würdigt Filme, die „Herausforderungen und Probleme des heutigen Europa“ behandeln.

„Wir freuen uns über den Preis“, sagte Jung. Die Hauptfigur Petrunya (Zorica Nusheva) setzt sich in einem christlich-patriarchalischen Brauch gegen hunderte von Männern durch. In dem Drama wirft der örtliche Priester jährlich ein Kreuz in den Fluss. Seit unvordenklicher Zeit tauchten ausschließlich Männer danach, um sich mit dem Fund Glück für das ganze Leben zu sichern. Dass sich nun eine Frau die bisher rein männliche Tradition aneignet, nehmen sie mit Empörung auf.

Langjähriger Partner der Frauenwelten war beispielsweise das Deutsch-Amerikanische Institut (DAI), das heuer daran beteiligt war, beispielsweise den berührenden Dokumentarfilm „Chichinette“ über die bald hundertjährige Marthe Hoffnung Cohn nach Tübingen zu holen, die in den letzten Kriegstagen in Nazi-Deutschland für die Alliierten spionierte. DAI-Direktorin Ute Bechdolf setzte sich nun dafür ein, dass die filmischen Frauenwelten nicht ganz aus Tübingen verschwinden. Die Französischen Filmtage wollen den künftigen Tübinger Ableger ebenfalls weiter unterstützen, sagte Jung.

Auch Martin Reichart, Geschäftsführer der Vereinigten Lichtspiele Tübingen, will das Kino Museum wieder als Vorführort zur Verfügung stellen. „Wir sind wieder dabei“, sagte Reichart dem TAGBLATT. Schon im Frühjahr 2020 soll es losgehen. Denn künftig soll nicht mehr Ende November zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, sondern jeweils um den Weltfrauentag am 8. März herum in Tübingen eine Auswahl des künftig in Berlin ansäßigen Frauenfilmfests zu sehen sein. Ab März 2021 könnte das Angebot schon wieder etwas üppiger ausfallen.

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Erstellt:
28. November 2019, 22:59 Uhr
Aktualisiert:
28. November 2019, 22:59 Uhr
zuletzt aktualisiert: 28. November 2019, 22:59 Uhr

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