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Blick in die Badetaschen

Freibad wird nicht nur zum Schwimmen genutzt

Von der Schwimmnudel bis zur Spritzpistole, vom Fußball bis zu den Uno-Karten, nicht zu vergessen frisches Obst, Sonnencreme und Schwimmflügel: Für einen Tag im Freibad muss eine Familie gut ausgerüstet sein. Ein Handtuch hat jeder dabei, für manche ist aber auch ein Schnorchel-Set völlig unverzichtbar.

24.08.2012
  • Jörg Schäfer

Freibad wird nicht nur zum Schwimmen genutzt
Simon Gimmel (vorne links), Tim Gimmel (vorne rechts) und ihr Freund Mario Buchta (Mitte) sind Schnorchel-Fans – unverzichtbar sind deshalb auch: Schwimmflossen und Taucherbrille. Die Eltern Robert und Beate Gimmel haben belegte Brötchen und Apfelschorle eingepackt.

Tübingen. Ein Vormittag vor dem Freibad, es ist etwa zehn Uhr und bereits so warm, dass man keinen Wetterbericht braucht, um zu wissen, dass es heute brechend heiß wird. Einzelne Frühschwimmer verlassen das Bad bereits wieder, doch der eigentliche Andrang deutet sich gerade erst an.

Wer häufiger im Tübinger Freibad ist, hat sie vielleicht schon beobachtet: Familien, die bepackt sind, als ginge es in einen mehrwöchigen Urlaub. Gleich mehrere große Taschen tragen sie bei sich, die Kinder sind mit aufblasbaren Reifen und Bällen oder Schwimmnudeln ausgestattet. Was haben diese Familien alles dabei? Wir haben einige gefragt, was für sie im Freibad unverzichtbar ist.

Auf einem Fahrrad kommt Birgitta Hüttner angefahren, im Anhänger sitzt Tochter Marlene, der Sohn Hannes fährt schon selbst. Bei dem guten Wetter sind sie jeden zweiten bis dritten Tag im Freibad, wissen also bereits, was wichtig ist. Und wichtig ist vieles.

Freibad wird nicht nur zum Schwimmen genutzt
Bunte Schwimmnudeln halten Marlene und Paul Petereit in der Hand, ihre Schwester Charlotte hat sich schon die Schwimmflügel geschnappt. Im Kinderwagen schläft Henriette neben der Tasche mit den Lebensmitteln, die David und Judith Petereit für die Familie eingepackt haben.

Softball, Klettball, Fußball, eine Picknickdecke, auf der man Obst und Getränke zu sich nehmen kann. Und wenn es dann tatsächlich ins Wasser geht, braucht die vierjährige Marlene noch Schwimmflügel, der achtjährige Hannes hat ein aufblasbares Schwimmbrett und Tauchringe dabei. Ist die Familie dann wieder aus dem Wasser heraus, braucht sie Handtücher und Sonnencreme. Und ein bisschen Geld für ein Eis oder eine Portion Pommes muss schon auch da sein. Marlene beginnt zu drängeln, das Wasser ruft. Schließlich will die 40-jährige Logopädin schon wieder gehen, bevor die Mittagshitze zu groß wird. Ein Foto noch, dann sind die drei entlassen.

Eine Mutter mit drei Jungs steht im Eingangsbereich des Freibads. Es ist Beate Gimmel mit ihren Söhnen Simon und Tim sowie mit Mario Buchta, einem Kumpel der beiden. Sie haben zwei große Taschen vor sich stehen, die Jungs sind außerdem noch Schnorchel-Sets und Bällen bewaffnet. Auch sie hat das schöne Wetter hierher getrieben, allerdings sind sie in diesem Jahr erst zum zweiten Mal da – die Renovierung ihres Hauses hat ihnen bisher wenig Zeit gelassen.

„Das beste im Freibad sind die Rutschen, die Sprungbretter und der Wasserpilz“, sagt der elfjährige Simon Gimmel. Die Familie wohnt im Ammerbuch, geht aber lieber in das Tübinger Freibad: „Hier ist es besser, weil für die Kinder mehr geboten wird“, sagt Vater Robert Gimmel, der noch sein Auto parken musste und nun dazugestoßen ist. Nun wollen sie den Tag im Freibad verbringen.

Freibad wird nicht nur zum Schwimmen genutzt
„Sommerzeit ist Badezeit“ sagt Julia Jäger (hinten links). In den Taschen befinden sich Uno-Karten, Würfel, Wasserpistolen, aber auch Obst, belegte Brote und Mineralwasser. Henry und Nele Herrmann halten ihre Schwimmreifen, dahinter steht Mutter Anke. Ganz links Jannis Jäger.

Aus allen Richtungen kommen nun die Badegäste an: über den Fuß- und Radweg am Neckar, vom Parkplatz vor der Sporthalle und aus Richtung Festplatz. Auch die Zahl der freien Fahrradstellplätze nimmt jetzt schnell ab, ebenso wie die Plätze auf der Liegewiese. Besonders gefragt sind inzwischen die Schattenplätze.

Auch Julia Jäger will sich so vor der Sonne schützen. Sie steht mit ihren drei Enkeln vor dem Eingang zum Freibad. Anke Herrmann stößt dazu, etwas hektisch: Sie ist die Mutter von zweien der Kinder und braucht jetzt dringend Kleingeld für den Parkschein, „der Herr vom Ordnungsamt“ ist bereits unterwegs. So lange sie ihr Ticket kauft, ist Zeit für einen Blick in die Taschen. Jutta Jäger ist eine regelmäßige Freibad-Gängerin, wenn auch zu Hause in Gera. Was muss also für die Enkel Jannis Jäger und Henry und Nele Herrmann unbedingt mitgenommen werden? Natürlich Spiele: Karten, Würfel, Schwimmreifen, Bälle, Wasserpistolen. „Das Spritzen mit der Wasserpistole ist das Beste am Freibad“, sagt auch der neunjährige Jannis. Wobei die Rutschen auch nicht zu verachten seien.

Ein älterer Herr taucht auf und beginnt sofort, einem jungen Mann, der da im Schatten wartet, Witze zu erzählen. Er erklärt seinem nicht ganz freiwilligen Gesprächspartner, warum er bei der vorbeilaufenden Dreiergruppe vier Personen zählt: Die Frau ist schließlich schwanger. Da kommt auch schon die Ehefrau des Herrn, sie steigen in ein Auto. Als er abfährt, gibt er dem jungen Mann noch einen guten Rat: „Wenn du im Freibad bist, dann pass’ auf, dass du nicht ertrinkst!“

Freibad wird nicht nur zum Schwimmen genutzt
Manuel Stammeier mit seinen Söhnen Julian, Leon und Fabian (von links) und dem zweckentfremdeten Kinderwagen. In der Hand haben die Kinder, was für sie im Freibad am wichtigsten ist: die Spritzpistolen und ein Ball.

Auf dem Parkplatz öffnet sich die Klappe eines Kleinbusses mit gut gefülltem Kofferraum. „Da sind wir ja genau die Richtigen“, sagt Judith Petereit lachend zum Thema „bepackte Familien“. Na, dann mal los: „Wir haben vier Nichtschwimmer dabei, deswegen sind die Schwimmflügel besonders wichtig“, sagt die 34-jährige Grundschullehrerin. Die vier Nichtschwimmer sind ihre Kinder Henriette, Charlotte, Marlene und Paul, sie sind zwischen einem und fünf Jahre alt. Ansonsten finden sich in den Taschen verschiedene Badeutensilien, Sonnencreme, Obst, Chips und weitere Lebensmittel, die älteren Kinder haben jeweils eine Schwimmnudel in der Hand.

Vater David Petereit unterstützt gerade eine Frau beim Ausparken, da ihr Nebenmann sie vor eine richtige große Herausforderung gestellt hat. Mit eingeklapptem Spiegel gelingt das Manöver dann aber ohne Kratzer. So lange erzählt Judith Petereit noch, dass sie in diesem Jahr zum ersten Mal im Freibad sind. „Wir haben einen großen Garten mit Planschbecken“, sagt sie. Das sei gerade mit kleinen Kindern sehr bequem. Auf was freuen sich die Kinder jetzt hier besonders? „Ich will auf jeden Fall rutschen“, sagt Marlene, und die anderen pflichten ihr bei.

Kaum sind die Petereits ins Freibad entlassen, kommt Manuel Stammeier vorbei. Er schiebt einen Kinderwagen, auf dem aber absolut kein Platz mehr für ein Kind ist. Das Wichtigste in dem vielen Gepäck: „Ich bin mit drei Jungs unterwegs, da brauche ich vor allem Verbandsmaterial“, sagt der 39-jährige Einkäufer, der gerade im Erziehungsurlaub ist. Dazu gehören Pflaster und auch Brandsalbe, in der mitgebrachten Hausapotheke befinden sich aber auch Magen-Darm-Tropfen und Kopfschmerztabletten.

Freibad wird nicht nur zum Schwimmen genutzt
Softball, Klettball, Fußball: Wenn Birgitta Hüttner mit Marlene und Hannes zum Baden geht, dürfen die Bälle nicht fehlen. Für die gesunde Ernährung gibt es Äpfel, Nüsse und Trauben.

Viel wichtiger für die Jungen: die Spritzpistolen. Und die Frisbee-Scheibe. Und die Wasserbälle. Die Familie kommt extra aus Fischingen bei Sulz am Neckar und ist erst zum zweiten Mal hier – sie sind aber schon Fans. „Die große Rutsche ist das tollste, da bin ich schon ganz schnell auf dem Bauch heruntergerutscht“, erzählt der achtjährige Fabian. Und Vater Manuel Stammeier freut sich über „ein Top-Angebot für Kinder zu humanen Preisen.“ Sie wollen nun fast bis zur Schließung des Freibades bleiben, damit sich die lange Anfahrt auch lohnt.

Wie für die anderen Familien sind auch für Manuel Stammeier die Preise für Essen und Trinken im Freibad sehr hoch. Mehrere Portionen Pommes, mehrere Eis sind ziemlich teuer, deshalb nehmen sie viele Lebensmittel selbst mit. Besonders der Flüssigkeitsbedarf ist schließlich hoch. Und sogar der fünfjährige Julian Stammeier weiß schon: „Ich muss immer viel trinken, damit ich keine Kopfschmerzen bekomme.“

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24.08.2012, 12:00 Uhr

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