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Protest

Freiheit der Wissenschaft

Weltweit wird am Samstag mit einem „March for Science“ demonstriert – auch Tübinger gehen gegen Repression und „alternative Fakten“ auf die Straße.

20.04.2017
  • Angelika Bachmann

Seit das Weiße Haus in Washington mit „alternativen Fakten“ argumentiert und unliebsamen Einrichtungen die Finanzierung entziehen will, wächst nicht nur in den USA der Protest in der Wissenschaftswelt. Weltweit gehen am Samstag, 22. April, an
500 Orten Menschen auf die Straße, um den Wert der Wissenschaft für Politik und Gesellschaft zu demonstrieren.

Auch in Tübingen wird es an diesem Tag einen „March for Science“ geben, bei dem nicht nur Wissenschaftler willkommen sind, wie die Organisatoren betonen. Treffpunkt ist um 13 Uhr bei der Nackarinsel. Die Demo zieht anschließend durch die Innenstadt. Um 14 Uhr ist die Abschlusskundgebung auf dem Geschwister-Scholl-Platz vor der Neuen Aula. Als Redner haben sich der Urgeschichtler Nicholas Conard, die Germanistin Dorothee Kimmich, der Literaturwissenschaftler Jürgen Wertheimer und Oberbürgermeister Boris Palmer angesagt.
Zudem ist die Big Band der Universität dabei.

„Gerade in einer Stadt wie Tübingen, die solch eine große Tradition hat als Wissenschaftsstandort, ist es wichtig, für evidenzbasierte Entscheidungen in Politik und
Gesellschaft auf die Straße zu gehen“, sagt Detlef Weigel, Direktor am Max-Planck-Institut für Entwicklungsbiologie und einer der Hauptorganisatoren der Tübinger Veranstaltung.

Wie Weigel, der lange Zeit in den USA geforscht hat, hat auch der Neurologe Thomas Gasser engen Kontakt zu Kollegen in den USA. Was er von ihnen hört, hat ihn motiviert, sich dem Organisationsteam anzuschließen. US-Präsident Donald Trump hat Budgetkürzungen angekündigt, die massive Folgen für die Klimaforschung, aber auch für die öffentlich finanzierte Gesundheitsforschung haben werden. „Viele Kollegen sind immer noch in einer Art Schockstarre“, so Gasser. Was man derzeit in den USA erlebe, sei aber nur der Ausdruck einer Entwicklung, die es schon länger gebe. Regierungen operierten mit Lügen und Halbwahrheiten und schürten ein wissenschaftsfeindliches Klima.

Angriffe treffen alle

Solidarisch erklären wollen sich die Tübinger Wissenschaftler mit Kolleginnen und Kollegen, die zunehmend unter Druck stehen. In Ungarn zum Beispiel soll die liberale Privatuniversität Central European University in Budapest geschlossen werden, in der Türkei unterliegen Wissenschaftler immer stärkeren Restriktionen.

Das Rektorat der Tübinger Universität unterstützt den „March for Science“ ausdrücklich: „Angriffe auf die Wissenschaft treffen uns alle, gleichgültig, wo wir forschen, lehren oder studieren“, erklärte Uni-Rektor Bernd Engler. „Wissenschaft ist heute mehr denn je ein globaler Prozess, von dem Freiheit, Sicherheit und Wohlstand ebenso abhängen wie der Schutz unserer Umwelt.“

Die Protestzüge in Deutschland wollen sich speziell für den Wert von „Wissenschaft, Fakten und Evidenzbasiertheit“ einsetzen. Letzteres heißt, dass Behauptungen auf Erkenntnissen beruhen, die man durch wissenschaftliche Forschung erhält. Dass sich zu dem Demozug am Samstag sowohl die Tierschützer von „Ärzte gegen Tierversuche“ als auch die Tierversuchsbefürworter von „Protest“ angemeldet haben, darin sieht Gasser kein Problem. „Man darf ja unterschiedliche Meinungen haben“ – wenn nur die Fakten stimmen.

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20.04.2017, 01:00 Uhr

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