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Ammerbuch will helfen

Freundeskreis für Flüchtlinge im Werden – großer Zulauf bei Infoabend im Rathaus

Riesenandrang im Entringer Rathaus am Donnerstagabend: Rund 75 Leute quetschten sich in den kleinen Sitzungssaal – und diskutierten, wie sie in Ammerbuch am besten Flüchtlingen helfen könnten.

11.10.2014
  • Ernst Bauer

Ammerbuch. Wer vor Monaten bei einer Infoveranstaltung des Landratsamtes erlebt hatte, wie sich in Altingen – gegen eine dort geplante Flüchtlingsunterkunft am Bahnhof – noch vehement abwehrende Stimmen von Bürgern erhoben hatten, war nun schon etwas verwundert: „Ich freue mich über den großen Andrang“, sagte Bürgermeisterin Christel Halm, „wir haben nicht damit gerechnet“ – sonst wäre man in die Bürgerkelter ausgewichen.

Die Gemeindeverwaltung hatte zu dem Informationsabend eingeladen; denn „täglich erreichen uns diese Bilder von Flüchtlingen aus verschiedenen Ländern“, so Halm; alle seien ergriffen, wollten helfen. Auch „Ammerbuch will helfen – auch wenn es zu Beginn der Debatte noch etwas anders ausgesehen hat“. Das Thema sei ja „mit gewissen Ängsten verbunden“, die sie verstehen könne, meinte Ammerbuchs Bürgermeisterin. Doch es sei keinesfalls so, dass die Gemeinde bisher nichts für Flüchtlinge getan habe:

In Reusten, in einem Haus zur Erstunterbringung in der Jesinger Straße, leben laut Halm momentan 20 Flüchtlinge verschiedener Nationalitäten, die meisten, elf, aus dem Kosovo.

Acht Flüchtlingen habe man inzwischen schon in eigenen Wohnungen unterbringen können, das Problem sei freilich, dass sie nach der Erstunterbringung oft „herausgerissen“ würden, in eine andere Gemeinde müssten. In Immenhausen habe man es geschafft, dass eine syrische Familie bleiben konnte . Nach Halms Worten hat dies „Vorbildcharakter“.

Bis 2015 müsse Ammerbuch nach der aktuellen Quote 15 Asylsuchende in der Anschlussunterbringung aufnehmen, von diesem Jahr noch sieben, dann acht. Die kämen aber erst ab 1. Januar.

Man sei auch sehr froh, so Halm, wenn man Privatwohnungen von Bürgern angeboten bekomme – wie in Entringen vor kurzem: zwei Wohnungen, von denen eine bereits diesen Monat und die andere bis November frei sei. In Poltringen habe eine Familie sogar ein Zimmer in ihrer Wohnung für Flüchtlinge angeboten. „Wir teilen uns dann Küche und WC“, hätten die gesagt, wie in einer WG. Halm: „Das hat mich schon bewegt.“

„Hut ab!“, sagte die Bürgermeisterin auch zu „unserem Poltringer Ortsvorsteher“, der neben ihr saß – Reinhold Hess ist, wie berichtet, momentan dabei, in seinem Ortsteil mit einigen Helfern zwei Wohnungen für Flüchtlinge im ehemaligen Gasthaus Rose herzurichten.

Die Anschlussunterbringung ist Aufgabe der Gemeinde. Zur Erstunterbringung, die das Landratsamt organisiert, stehen für Ammerbuch nach Halms Worten jetzt 32 Asylsuchende an. „Das ist schon ‘ne größere Zahl – und die Zahlen nehmen ja noch zu!“

Was kann man tun? Wo gibt es noch Wohnungen, Unterkünfte? Wie läuft es anderswo? Etliche der Fragen aus dem Publikum konnte Angela Zaschka vom Asylzentrum Tübingen beantworten. Seit 25 Jahren schon gibt es diese Anlaufstelle mit vier hauptamtlichen Sozialpädagogen und „sehr, sehr vielen Engagierten“, wie sie sagte. Es sei wichtig, dass man nicht nur im Büro sitze, sondern auch in die Flüchtlingsunterkünfte gehe. Das Asylzentrum biete auch Infoveranstaltungen und Schulungen an, eine Einführung etwa kommenden Donnerstag, 18 Uhr, in der Neckarhalde – Interessierte willkommen.

Das erste, was Flüchtlinge, Asylbewerber hier bräuchten, seien Informationen über das Verfahren, berichtete Zaschka. „Sehr oft sind die Leute krank, anfällig, bis zu 30 Prozent sind schwer traumatisiert.“ Ein Ammerbucher erklärte, dass man – wie er als Ehrenamtlicher bei der Tübinger Tafel erfuhr – schon mit einfachsten Worten helfen könne, „damit sie wissen, dass Brot Brot heißt! Da würde ich gerne helfen, auch hier in Entringen“. Sie wolle auch helfen, habe aber keine Zeit, bekannte eine Frau und fragte, ob man nicht einen Fonds einrichten könne, in den sie dann was einzahlen würde. „Wir sind erst in den Anfängen“, meinte Halm. Es müsste erst ein Verein, ein Freundeskreis gegründet werden. Der Betreiber eines Kleiderlagers stellt schon mal in Aussicht, dass er einiges für Flüchtlinge abgeben könne.

Freundeskreis für Flüchtlinge im Werden – großer Zulauf bei Infoabend im Rathaus
Kurz darauf wurden es noch viel mehr, so dass etliche auch auf dem Flur stehen mussten: überfüllter Entringer Rathaussaal beim Informationsabend der Gemeinde unter dem Motto „Ammerbuch fördert Integration“.Bild: Bauer

In Namenslisten, die am Donnerstag kursierten, konnte man auch Interessen eintragen. So sollen verschiedene Helfergruppen entstehen. Christel Halm regte die Gründung eines Ammerbucher Freundeskreises Asyl an, der die Arbeit vor Ort koordinieren soll.

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11.10.2014, 12:00 Uhr

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