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Freundin auf Zeit
Leistet „Herzensarbeit“: Heidi-Rose Malzacher. Foto: Helmut Ulrich
Auszeichnung

Freundin auf Zeit

Heidi-Rose Malzacher hilft Menschen in Krisen und hat dafür das Bundesverdienstkreuz erhalten.

13.01.2017
  • BARBARA WOLLNY

Stuttgart. „Mir kann niemand mehr helfen.“ Die Menschen, die zum Stuttgarter Arbeitskreis Leben (AKL) kommen, haben eigentlich keine Hoffnung mehr. Wer es dennoch zum AKL schafft, hat schon einen wichtigen Schritt raus aus der Krise getan, stellt Heidi-Rose Malzacher fest. Die 69-Jährige ist seit über 20 Jahren in der Stuttgarter Niederlassung des Vereins aktiv, davon zwölf Jahre als Vorsitzende. Für ihr Engagement ist sie jüngst mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet worden – und wundert sich noch immer darüber. „Ich mag es nicht, wenn ich im Mittelpunkt stehe. Aber für den AKL ist es eine gute Sache“, sagt Malzacher.

Der Arbeitskreis Leben ist eine baden-württembergische Organisation für Hilfe in Lebenskrisen und bei Selbsttötungsgefahr. Er hat in verschiedenen Städten Niederlassungen. Finanziert wird die Arbeit durch städtische und kommunale Zuschüsse, einen Förderkreis und Spenden. In Stuttgart arbeiten neben drei hauptamtlichen 35 ehrenamtliche Mitarbeiter. Ihre Begleitung von Menschen in Not füllt die große Lücke zwischen medizinischer und therapeutischer Behandlung auf der einen und fehlender menschlicher Zuwendung und Anteilnahme auf der anderen Seite.

Ein ebenfalls stark nachgefragtes Angebot ist die Gesprächsgruppe für die Hinterbliebenen nach einem Suizid im Familien- oder Freundeskreis. Doch Geld ist knapp. 50 Prozent des Budgets müssen über Spenden finanziert werden. Mit mehr Mitteln könnte die Arbeit weiter ausgebaut werden – der Bedarf ist groß. „Freundschaft auf Zeit“ heißt die für die Klienten kostenlose Behandlungsmethode des AKL. Sie kann mehrere Monate bis zu einem Jahr oder länger in Anspruch nehmen.

Bei den meist wöchentlichen Treffen, die anders als eine Therapiestunde bei einem Psychotherapeuten oder Psychologen auch schon mal zwei bis drei Stunden dauern können, versuchen die ehrenamtlichen Berater und ihre Klienten gemeinsam, einen neuen Lebensweg zu finden, der andere Perspektiven bietet als den Suizid als letzten Schritt zu wählen. „So sollte es im Leben sein. Jedem kann es mal schlecht gehen. Man muss sich gegenseitig helfen und Gefühle zulassen“, sagt Malzacher, die selbst in einer persönlichen Krise Unterstützung beim AKL gesucht und gefunden hat und über diesen Weg zur Begleiterin geworden ist.

Ist es nicht eine sehr anstrengende Arbeit, Menschen in solchen Ausnahmesituationen zu unterstützen? „Nein. Es ist immer ein Geben und Nehmen. Es gibt jedes Mal neben Erschütterndem auch Erkenntnisse und Begegnungen, die bereichern und belohnen. Hinter jeder Krise steckt eine Geschichte.“

Heidi-Rose Malzacher blickt auf eine ganze Reihe von erfolgreichen Beratungen zurück. Würde sie, wenn sie könnte, heute professionelle Therapeutin werden wollen? „Eigentlich nicht“, antwortet sie, „das, was wir zu geben haben, kann man nicht studieren. Die Arbeit im AKL ist Berührung und berührt werden – es ist Herzensarbeit“, sagt die 69-Jährige. Barbara Wollny

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13.01.2017, 06:00 Uhr

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