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Tote unter Tomaten

Freundin vergraben und Rente kassiert

Die Leiche versteckte sie im Garten, pflanzte Tomaten zur Tarnung. So bezog eine Frau im Namen einer Toten 135 000 Euro Rente und Pflegegeld.

07.04.2016
  • DPA

Alsfeld. Zu dreieinhalb Jahren Haft ist in Hessen eine 74-Jährige verurteilt worden, die ihre tote Freundin im Garten vergraben und jahrelang deren Rente kassiert hat. Das Amtsgericht Alsfeld sprach die Frau aus Grebenhain am Dienstag des gewerbsmäßigen Betrugs schuldig.

Die Angeklagte hatte die Tat gestanden. Sie hatte ihre Freundin jahrelang gepflegt und anschließend Pflegegeld und Rente der Toten bezogen. Die Zahlungen gingen fast zehn Jahre lang bei ihr ein, insgesamt rund 135 000 Euro.

Das Urteil geht über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus, die zwei Jahre und zehn Monate Haft gefordert hatte. Die Pflichtverteidigerin hatte eine sechsmonatige Bewährungsstrafe für ausreichend erachtet. Die Richterin nannte die Tat ruchlos; viele Aussagen der Frau gehörten in Reich der Legenden.

Die 74-Jährige hatte vor Gericht erzählt, sie habe auf dem Grab Tomaten angepflanzt und die Früchte den Nachbarn geschenkt. Die pflegebedürftige Freundin war 2005 mit 81 Jahren auf natürliche Weise gestorben, sie hatte weder Angehörige noch einen Hausarzt. Wohl deshalb meldete die Gemeindeverwaltung die Pflegebedürftige erst im Dezember 2013 als vermisst. Im darauffolgenden Sommer entdeckte eine Sonderkommission der Polizei die in eine Wolldecke gewickelte Leiche im Garten der Angeklagten.

Mehrere Pflegedienste hatten ohne Überprüfung immer wieder Bescheinigungen für die längst Gerstorbene ausgestellt. Das Vergraben von Toten im Garten ist juristisch eine Ordnungswidrigkeit, in diesem Fall aber bereits verjährt.

Unklar blieb, wer beim Vergraben der Leiche geholfen hat. Denn die Angeklagte ist auf einen Rollator angewiesen und war schon gehbehindert, als die Freundin starb.

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07.04.2016, 06:00 Uhr

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