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Der kurze Auftritt der prominenten Dame

Friede Springer Zeugin im Deutsche-Bank-Prozess

Sie ist gelernte Kauffrau - und Chefin des mächtigen Medienkonzerns. Friede Springer war gestern Zeugin vor Gericht. Der Kirch-Konzern hielt 40 Prozent der Springer-Aktien und drohte sie an Gaddafi zu verkaufen.

18.11.2015
  • PATRICK GUYTON

München Name? Friede Springer. Alter? 73 Jahre. Mit den Angeklagten oder Herrn Dr. Kirch verschwägert oder verwandt? Nein. Beruf? Kauffrau. Der kleine Verhandlungssaal B 273 im Münchner Justizzentrum ist voll an diesem Nachmittag, da Friede Springer, die Mehrheitsaktionärin und damit Chefin der Axel Springer SE, als Zeugin im Prozess gegen frühere und noch aktuelle Chefs der Deutschen Bank aussagen muss. Es geht um die Pleite des damaligen Medienkonzerns Kirch und die Rolle, welche die Deutsche Bank dabei gespielt hat.

Was wusste Frau Springer von Leo Kirch? Was von der Deutschen Bank? Und ist ihr damals, vor 13 Jahren, bekannt geworden, dass die Deutsche Bank womöglich bei dem überschuldeten Medienunternehmer Kirch einsteigen, Teile seines Imperiums übernehmen wollte? Kirch war damals im Besitz von 40 Prozent der Springer-Aktien, die er für einen dreistelligen Millionenkredit bei der Deutschen Bank verpfändet hatte. "Ich weiß das nicht mehr", sagt Frau Springer. "Es gab viele Gerüchte." Und: "Ist ja schon so lange her."

Es ist ein kurzer Auftritt im Prozess gegen die Top-Manager der Deutschen Bank. Und doch ist er so typisch, denn er hinterlässt erneut jenes Gefühl, welches dieses Verfahren schon seit dem Beginn Ende April prägt: Ratlosigkeit. Nach gerade einmal 15 Minuten kann Friede Springer wieder gehen.

Die Geschichte des 2011 gestorbenen einstigen Münchner Filmhändlers Leo Kirch, der Deutschen Bank und des Zusammenbruchs des verschachtelten Kirch-Imperiums ist lang und sehr verworren. Auf der Anklagebank sitzen Jürgen Fitschen, der noch amtierende Co-Chef der Deutschen Bank, die früheren Vorstandsvorsitzenden Josef Ackermann und Rolf Breuer sowie zwei weitere frühere Spitzenmanager des Geldinstitutes. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: versuchter Prozessbetrug.

Als der überschuldete Leo Kirch im Jahr 2002 Pleite ging, machte er dafür den damaligen Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer dafür verantwortlich. Denn dieser hatte im Februar 2002 ein verhängnisvolles TV-Interview gegeben. Darin hatte er die Kreditwürdigkeit Kirchs bezweifelt. Kurz darauf brach die Kirch-Gruppe tatsächlich zusammen. Kirchs Fazit: "Erschossen hat mich der Rolf." Er überzog Breuer und die Deutsch-Banker mit Schadenersatzklagen. Die zentrale Stoßrichtung war: Mit seinem Interview habe Breuer absichtlich die Reputation Kirchs zerstört. Und die Deutsche Bank wollte selbst mit der Zersplitterung der Kirch-Gruppe Geld machen.

Ende 2012 kam es zum Vergleich - das Geldinstitut zahlte den Kirch-Erben 925 Mio. EUR an Entschädigung. Ein Eingeständnis? Die Münchner Staatsanwälte sehen das so. Dann aber, so die Folge, hätten Fitschen und Co. gelogen, als sie im Zivilverfahren immer wieder beteuerten, man habe Kirch nicht in den Ruin treiben und dann an ihm verdienen wollen.

Was wusste man bei Springer davon? Kirch sei immer "sehr freundlich" gewesen, sagt Friede Springer. Im Sommer 2002 bat er sie zu sich nach München. "Da stand bei ihm das Feuer unter dem Dach", merkt der Vorsitzende Richter Peter Noll an. Kirch habe ihr, so Friede Springer, die Aktien angeboten. Seine Drohung war, dass er sie sonst an "einen Sohn Gaddafis" verkaufen werde. Bei der Aussicht, dass die ehemalige libysche Diktatorenfamilie bei Springer einsteigt, habe sie gedacht: "Um Gottes Willen!" Sie habe die Aktien aber nicht bezahlen können. Wie ist man dann verblieben? "Gar nicht."

Einen Verhandlungstag nach dem anderen versucht die emsige Staatsanwältin Christiane Serini, einen versuchten Prozessbetrug zu belegen. Bisher war das allerdings eher vergeblich, ein klarer Beleg oder Beweis für die Absichten der Bank-Manager steht aus. Gestern wurde mit der Verlesung eines neuen, 90-seitigen Beweisantrages begonnen. Weitere Akten sollen demnach die Ziele der Banker belegen.

Friede Springer Zeugin im Deutsche-Bank-Prozess
Verlegerin Friede Springer sagte gestern beim Prozess gegen Deutsche-Bank-Manager aus. Foto: dpa

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18.11.2015, 12:00 Uhr

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