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Kommentar

Friedlich in die Zelle

Die Vorbereitungen laufen seit Monaten. Gemessen daran, ist die sogenannte Freiraumdemo, mit der die Zelle-Kulturschocker am morgigen Samstag gegen die drohende Gaststättenkonzession protestieren wollen, in Reutlingen noch relativ wenig bekannt. Dabei hängt der Aufruf schon seit Tagen in der Stadt. Dass sich dahinter eine großräumige Mobilmachung der Zellis zum zivilen Widerstand gegen die Bevormundung durch das Ordnungsamt verbirgt, geht daraus nicht hervor.

25.05.2012

Soll es auch gar nicht, denn die Zelle setzt auf das, was sie am besten kann: sich unbemerkt (mit)teilen, um so ungeahnte Kräfte zu mobilisieren. Wie zuletzt vor drei Jahren, als das Jugendzentrum auf der Bobrzyk-Insel gigantische Schulden angehäuft hatte und vorübergehend geschlossen werden musste. Der Kelch ging an dem über 40-jährigen erfolgreichen Jugendhaus, in dem längst die Kinder der ersten Generation aus- und eingehen, ebenso vorüber, wie mehrere (vergebliche) Versuche der Stadtverwaltungen zuvor, die störrische Jugend zu disziplinieren.

Die Freiraum-Demo wurde von langer Hand vorbereitet. Im ganzen Ländle – von Karlsruhe bis zum Bodensee und von Freiburg bis nach München – gab es in den vergangenen Wochen Mobilisierungs-Vorträge. Weil viele Unterstützer voraussichtlich mit der Bahn anreisen, formiert sich der Demonstrationszug um 15 Uhr am Hauptbahnhof. Von dort geht es kreuz und quer durch die Innenstadt. Ziel ist die Zelle, wo die Demo in einem Fest endet.

Auf der Homepage der Kulturschocker findet sich unter anderem ein Unterstützer-Video, das vom Café Irrlicht aus Schopfheim gedreht wurde. Das Jugend- und Kulturzentrum im Landkreis Lörrach ist eines der wenigen selbstverwalteten Jugendzentren im Land – und es fühlt sich nicht nur (wie die Zelle in Reutlingen) in seiner Autonomie, sondern tatsächlich in seiner Existenz bedroht.

Nachdem die Stadt Lörrach 2002 das Gebäude gekauft hatte, wurde ein Mietvertrag über 20 Jahre mit dem Verein Soziokultur abgeschlossen. Nun soll der Vertrag unter anderem mit Brandschutzauflagen und dem Gaststättenrecht ausgehebelt werden. Es gibt also durchaus Parallelen zu Reutlingen.

Für die Polizei ist die Freiraumdemo nach dem Ulm-Spiel gegen den SSV die zweite Herausforderung innerhalb von acht Tagen. Zwar ist die Demo lediglich für 300 Personen angemeldet. Wenn aber aus den zehn Städten, in denen es Unterstützer-Veranstaltungen gab, auch nur jeweils zehn Menschen dem Aufruf folgen und wenn auch ehemalige Zellis zahlreich erscheinen, könnten es wesentlich mehr werden.

Was Polizeisprecherin Andrea Kopp Sorge bereitet, ist ein Bekennerschreiben zu den Schmierereien, die in der Nacht vom 14. auf den 15. Mai an der Marienkirche und anderen öffentliche Gebäuden angebracht wurden (wir berichteten).

Darin bekennt sich eine Gruppe, die nach eigenen Angaben weder als Zelle-Mitarbeiter aktiv ist, noch „in Absprache mit der Zelle gehandelt“ hat, zu den „Solidaritätsmalereien“ und kündigt weitere darüber hinausgehende Aktivitäten an. Für Kopp eine klare Ankündigung „weiterer Straftaten“.

Für die Zelle, der die Chaoten mit ihren Schmierereien einen Bärendienst erwiesen haben, bleibt zu hoffen, dass ihre Freiraumdemo so verläuft wie ihre bisherigen Aktionen auch: fantasievoll und friedlich.

Uschi Kurz

Friedlich in die Zelle

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25.05.2012, 12:00 Uhr

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