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Friedliebende Ohrfeigen
Ein Facebook-Kommentar zuviel: Ex-Minister João Soares. Foto: dpa
Portugal

Friedliebende Ohrfeigen

Ich bin ein friedliebender Mensch", sagt João Soares. Aber was zu weit geht, geht zu weit. Musste der portugiesische Kulturminister doch vergangene Woche in der Lissabonner Tageszeitung "Público" über sich lesen, dass er "ein geborener Verlierer" sei.

11.04.2016
  • MARTIN DAHMS

Dass er "keine besonderen Befähigungen" für seinen Posten besitze und seine Benennung im November letzten Jahres eine "immer noch unerklärliche Überraschung" sei. Dass sich seine Amtsführung durch "Vetternwirtschaft, Arroganz und Grobheit" auszeichne.

Der friedliebende Minister war nicht erfreut. Um seinem Ärger Luft zu machen, fiel es ihm ein, am nächsten Tag einen kleinen Text auf seiner Facebook-Seite zu veröffentlichen. Darin legte er sich mit dem Autor des "Público"-Kommentars, Augusto M. Seabra, an. "1999 versprach ich ihm öffentlich ein paar Ohrfeigen", schrieb der Minister über seinen journalistischen Widersacher. "Es war ein Versprechen, das ich noch nicht erfüllen konnte. Im Laufe dieser Jahre bin ich ihm nicht über den Weg gelaufen." Aber er hoffe immer noch, dieses Glück eines Tages erleben zu dürfen. Denn er wolle ihm und einem anderen ebenso kritischen Kollegen gern einige "wohltuende Ohrfeigen" verpassen. "Sie können Ihnen nur gut tun. Und mir auch."

João Soares ist 66 Jahre alt, also kein kleiner Junge mehr. Er ist der Sohn von Mário Soares, dem ehemaligen Regierungschef und Republikpräsidenten, Portugals einflussreichstem Politiker der vergangenen Jahrzehnte. Sohn João macht seit 1987 für die Sozialisten aktive Politik, einige Jahre war er Bürgermeister Lissabons. Sein Temperament hat das offenbar nicht gezähmt. Ministerpräsident António Costa, der seit vergangenem Herbst eine linke Minderheitsregierung anführt und damit schon genug Ärger hat, atmete einmal tief durch und sprach dann den schönen Satz: "Ich erinnere die Regierungsmitglieder daran, dass sie als Regierungsmitglieder selbst am Kaffeetisch nicht vergessen dürfen, dass sie Regierungsmitglieder sind."

Nun trat João Soares zurück. Selbstverständlich habe er nie vorgehabt, jemanden zu schlagen. Er sei schließlich ein friedliebender Mensch.

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11.04.2016, 06:00 Uhr

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