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Ein Bürgermeister des Mangels

Friedrich Rothfuß half Freudenstadt aus den Kriegswirren

Erinnert sich wer an Friedrich Rothfuß? Der gebürtige Baiersbronner, anno 1884, war einst der 1. Bürgermeister des zerstörten Freudenstadt nach 1945. Allerdings nur für drei Jahre. Dann musste er nach verlorener Wahl dem dann berühmt gewordenen Aufbau-Bürgermeister Hermann Saam Platz machen.

30.12.2010
  • Siegfried Schmidt

Freudenstadt. Friedrich Rothfuߑ Todestag jährt sich dieses ausgehende Jahr zum 50. Mal. Er starb mit 76 Jahren am 15. Mai 1960. Das Stadtarchiv Freudenstadt ist auf dieses Datum gestoßen. Und um nicht das Wirken zu Lebzeiten und das „gerundete Ableben“ des Nachkriegs-Schultes in 2010 völlig dem Vergessen der Nachfahren anheim zu geben, soll hiermit kurz vor Jahresschluss noch seiner erinnert werden.

Wie gelangte Rothfuß während der französischen Kommandatur in Freudenstadt an die Spitze der neu installierten Kommunaldemokratie. Es war seine Vergangenheit als SPD-Stadtrat (seit dem Ersten Weltkrieg bis 1928) und als Gewerkschafter, die ihn für das Amt zu prädestinieren schienen. Außerdem war er Vorstand der Allgemeinen Ortskrankenkasse und Vorstandsmitglied des Konsumvereins.

Friedrich Rothfuß war gelernter Schriftsetzer. Er arbeitete lange Jahre im Kaupert-Verlag – wo auch der „Grenzer“, das Vorgängerblatt der SÜDWEST PRESSE, gedruckt und herausgegeben wurde – als Redakteur.

Wie viele andere seiner Partei- und Gewerkschafts-Kollegen wurde Rothfuß 1933 von den Nazis auf dem Heuberg interniert und erst nach 50 Tagen wieder frei gelassen. Im Verlag Kaupert hat man danach, so deuten es die Archivfunde, nur noch Hilfstätigkeiten für ihn gefunden. Er wurde als Schriftsetzer und Korrektor mit 33-prozentiger Lohnkürzung wieder-beschäftigt. 1937 drohte seine endgültige Entlassung. Nur durch die Hinnahme einer weiteren zehnprozentigen Gehaltskürzung blieb ihm der Arbeitsplatz erhalten. Fortan war Friedrich Rothfuß als politisch Unzuverlässiger und prospektiver Nazi-Gegner für die Bearbeitung von Reiseführern und Adressbüchern zuständig.

Die Franzosen setzten Rothfuß ein ins Amt

Rothfuß hat übrigens während des Ersten Weltkriegs die Kriegs-Katastophe am eigenen Leib erfahren müssen: Zwei seiner Söhne starben in Frankreich und Russland. Am 23. Mai 1945 setzten die Franzosen den ehemaligen Stadtrat als vorläufigen Bürgermeister ein. Rothfuß bestimmte einen Beirat, in dem alle gesellschaftlichen Schichten vertreten sein sollten. Die Gewährleistung einer einigermaßen funktionierenden demokratischen Verfassung auf kommunaler Ebene und die Organisation des Mangels und des Überlebens in den Hungerjahren nach 1945 waren Rothfuߑ zentralste Anliegen. Hierin liegt auch sein Hauptverdienst für die Stadt Freudenstadt.

Bei den ersten demokratischen Ratswahlen am 15. September 1946 wurde er mit großer Mehrheit bestätigt. Schon zu dem Zeitpunkt setzt er sich vehement für den Wiederaufbau der Stadt ein. Und scheut dabei auch nicht den Konflikt mit der Kommandatur, der Hohenzollern-Lande-Regierung in Tübingen oder mit eigenwilligen Architekten-Entwürfen.

Doch Rothfuߑ Bemühungen war kein dauerhafter Erfolg beschieden. Seiner kurzen Schaffensperiode im Bürgermeisteramt fehlt eine bahnbrechende Weichenstellung. Rothfuß hatte mit Material- und Geld-Mangel zu kämpfen.

Freudenstadt rappelte sich erst zu seinem glorreichen Wiederaufbau nach der Währungsreform 1949 unter Rothfuߑ Nachfolger Hermann Saam auf.

Friedrich Rothfuß half Freudenstadt aus den Kriegswirren
Friedrich Rothfuß, 1. Bürgermeister von Freudenstadt nach 1945. Das Ölgemälde hängt in der Bürgermeister-Galerie im Großen Ratssaal.

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30.12.2010, 12:00 Uhr

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