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Jazzmusiker Chef der Hohenzollern

Friedrich Wilhelm Fürst von Hohenzollern gestorben

Friedrich Wilhelm Fürst von Hohenzollern ist tot. Der Gründer der gleichnamigen Unternehmensgruppe starb gestern nach langer Krankheit im Alter von 86 Jahren. Nachfolger ist sein Sohn Karl Friedrich.

17.09.2010
  • MARC HERWIG, DPA

Sigmaringen Er ist Adeliger und Großunternehmer, aber in der Öffentlichkeit ist er bislang vor allem als Jazzmusiker aufgetreten. Karl Friedrich von Hohenzollern (58) rückt nach dem Tod seines Vaters Friedrich Wilhelm Fürst von Hohenzollern an die Spitze der Adelsfamilie. Die Fäden hat er wegen der schweren Krankheit seines Vaters jedoch schon lange in der Hand.

Charly nennt sich der neue Fürst von Hohenzollern, wenn er mit seinem Saxophon und seiner Band "Charly and the Jivemates" durch die Clubs vor allem in Baden-Württemberg zieht. Auf der Bühne swingt der sonst eher öffentlichkeitsscheue Adelige dann richtig los. Den Takt für die Musikkarriere gab der eigene Vater vor: "Jazz lief immer bei uns zu Hause, ich habe mich reingehört und Gefallen gefunden", erzählte Seine Durchlaucht vor einiger Zeit. Ab und zu sei der Titel hilfreich auf der Suche nach Engagements in Jazzclubs oder bei Stadtfesten. "Bei einigen Auftritten bin ich allerdings auch im Schwanken, ob die Leute wirklich an meiner Musik interessiert sind oder ob sie einfach den musizierenden Erbprinzen sehen wollen."

Als Unternehmer steht Karl Friedrich schon seit mehreren Jahren an der Spitze der Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern mit rund 3000 Mitarbeitern und zuletzt rund 600 Millionen Euro Umsatz. Neben ausgedehnten Wäldern und landwirtschaftlichen Flächen gehören auch die Bergbahn am Großen Arber im Bayerischen Wald und das Hüttenwerk Laucherthal bei Sigmaringen zum Unternehmen.

Seit zwei Monaten ist Karl Friedrich wieder verheiratet: Im Schloss Umkirch bei Freiburg gab er der Hamburger Model-Agentin Nina de Zomer das Ja-Wort. Für den katholischen Adeligen ist es die zweite Ehe. Ein Pfarrer gab dem Paar trotzdem seinen Segen: "Wenn eine zweite Ehe wahrhaftig in Treue gelebt wird, dann liegt sicherlich Gottes Segen darauf." Das Paar hatte sich beim Skifahren kennen gelernt. Aus seiner ersten Ehe mit Alexandra Schenk Gräfin von Stauffenberg sind vier Kinder hervorgegangen.

Kaum ein Hohenzollern-Regent war länger im Amt als sein Vater Fürst Friedrich Wilhelm: 45 Jahre lang stand er an der Spitze der schwäbischen Hohenzollern. Er hatte den Grundstein dafür gelegt, dass die Unternehmensgruppe Fürst von Hohenzollern in Sigmaringen zu den wichtigsten Arbeitgebern im südlichen Württemberg zählt. Gestern ist der 86-jährige nach langer Krankheit gestorben, bestätigte ein Sprecher auf Anfrage.

Friedrich Wilhelm gehörte nicht der bekannten preußischen Linie der Hohenzollern an, sondern der schwäbischen, die anders als die preußischen Hohenzollern immer katholisch geblieben war. Die schwäbischen Hohenzollern stellten im Gegensatz zu ihren preußischen Verwandten zwar keine Kurfürsten, Könige und Kaiser, allerdings bis 1947 knapp 100 Jahre lang die Könige von Rumänien.

Auf die Bühne der großen Politik hat sich Friedrich Wilhelm nie begeben. Ganz erwehren konnte er sich dem Lauf der Weltpolitik aber nicht. So wurde seine Familie 1944 durch die Gestapo aus ihrem Schloss Sigmaringen geworfen und interniert, um Platz für die kollaborierende französische Vichy-Regierung unter Marschall Pétain zu schaffen, die von dort aus regierte.

Geboren wurde Friedrich Wilhelm am 3. Februar 1924 im Schloss Umkirch bei Freiburg. Nach seinem Volkswirtschaftsstudium in Freiburg und Genf sowie zwei Berufsjahren an einer Baseler Bank übernahm er 1950 die Leitung des familieneigenen Konzerns. Neben ausgedehnten Wäldern und landwirtschaftlichen Flächen gehören auch die Bergbahn am Großen Arber im Bayerischen Wald und das Hüttenwerk Laucherthal bei Sigmaringen zum Unternehmen.

Als ab den 1970er Jahren die Stahlbranche in Deutschland in die Krise geriet, bemühte sich Friedrich Wilhelm intensiv um die Rettung der Hütte - auch mit Privatvermögen. Im Sinne eines sorgenden Patriarchen unterstützte Friedrich Wilhelm zahlreiche soziale Projekte und wurde für sein Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse ausgezeichnet. Mit seiner 1996 gestorbenen Frau, Margarita Prinzessin zu Leiningen, hatte er drei Söhne. Die letzten Jahre verbrachte er zurückgezogen auf seinem Landsitz bei Sigmaringen. Aufgrund eines schweren Augenleidens konnte er schon lange seinen Hobbys nicht mehr frönen: der Jagd, Motorfliegerei und dem Skilauf.

Friedrich Wilhelm Fürst von Hohenzollern gestorben
Das Schloss Sigmaringen: Besucher können hier einen Blick in die fast tausendjährige Geschichte des Hauses Hohenzollern werfen. Foto: dpa

Friedrich Wilhelm Fürst von Hohenzollern gestorben
Bekannt als Jazzmusiker: Karl Friedrich, der nach dem Tod des Vaters das Unternehmen leitet.

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17.09.2010, 12:00 Uhr

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