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Frisch und frei für das Finale
Arturo Vidal war in den vergangenen Wochen der Mann, der die Bayern mit großem kämpferischen Einsatz und entscheidenden Toren - wie zuletzt beim Bundesliga-Gastspiel in Berlin - mitriss. Foto: Actionpress
Nur wenn die Bayern hellwach sind, können sie Atletico ausschalten

Frisch und frei für das Finale

Die Bayern, zuletzt leicht überspielt und vorrangig auf Effizienz bedacht, müssen gegen Atletico zulegen, sonst droht das erneute Aus im Halbfinale.

27.04.2016
  • ARMIN GRASMUCK

Madrid. An Bord des Sonderflugs LH 2570 herrschte wenige Minuten vor dem Abflug in München rege Betriebsamkeit. Pep Guardiola, in der First Class vorn in der Mitte auf Sitz 1C, tippte höchst konzentriert auf seinem Laptop, während sich die Kluboberen um Präsident Karl Hopfner und seinen Vorgänger Uli Hoeneß noch im Stehen angeregt unterhielten. Ein paar Reihen weiter hinten, auf den ebenso komfortablen Plätzen der Business Class, saßen die Spieler, und es schien wirklich keinen zu überraschen, dass Arturo Vidal der lauteste war. Quer über dem Sitz liegend, mit leuchtenden Augen und dem gewohnt kantigem Bürstenschnitt, plärrte der Mittelfeldspieler in sein Mobiltelefon, auf Spanisch ohne Punkt und Komma, als gäbe es kein Morgen. Philipp Lahm und Manuel Neuer, die Kapitäne ein paar Reihen weiter vorn, registrierten die leidenschaftlichen Einwürfe des Kollegen mit professionellem Mienenspiel. Den gut zweistündigen Flug in die spanische Hauptstadt nutzten die meisten der Profis zum gepflegten Nickerchen und der gezielten Regeneration.

Kraftvoll und entschlossen, so versuchten sich die Bayern direkt nach der Ankunft bei ihrem ersten und letzten offiziellen Termin in Madrid vor dem Anpfiff des Hinspiels im Halbfinale der Champions League heute Abend bei Atletico (20.45 Uhr, ZDF und Sky) zu präsentieren. "Wir spielen in der Elite Europas", sagte Xabi Alonso, der routinierte Stratege. "Wir spielen deshalb in allen drei Wettbewerben um den Titel. Das ist unser Anspruch, deswegen sind wir hier." Lahm unterstrich, was die Münchner als ihr erstes Vorhaben in Madrid deklariert zu haben scheinen: "Aus den vergangenen beiden Jahren haben wir gelernt, wie wichtig es ist, ein Auswärtstor zu erzielen. Also werden wir alles versuchen, dieses Mal diesen Treffer zu machen."

Das Tor ist das Ziel. In den vergangenen Wochen schienen den Bayern der Schwung und der Spielwitz, mit dem sie die Fußballanhänger im Herbst begeistert hatten, abhandengekommen zu sein. Zwar siegten sie weiter konstant und zumeist ungefährdet. Doch gerade im Mittelfeld und im Angriff fehlten oft das Tempo, Ideen und auch das Selbstbewusstsein für die schnellen Ballstafetten, die Guardiola schätzt. Thomas Müller und Robert Lewandowski, die kongenialen Torjäger, aber auch die eigentlich gewitzten Techniker wie Douglas Costa oder Thiago wirkten wie das Sinnbild des rekordmeisterlichen Zauderns. Sie ackerten wie eh und je, sie spielten ihre Pässe und sie machten die Tore. Doch ihre Körpersprache verriet, wie schwer die Last des zwanghaften Gewinnens in der entscheidenden Phase der Saison auf ihnen liegt.

Es spricht für die Münchner, dass sie sich schadlos hielten, und selbst die engen Partien wie gegen Juventus Turin und Benfica Lissabon oder zuletzt im Pokal gegen Werder Bremen positiv zu gestalten wussten. Mit Routine, Cleverness und effizientem Spiel haben sie sich die Chance auf das Triple, die Triumphe in Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League, erhalten.

In den beiden Spielen gegen Atletico stehen die Bayern unter dem aberwitzigen Druck, frischer und spätestens mit dem Anpfiff hellwach auftreten zu müssen. Mit klarem Kopf und der perfekten Strategie. Für Guardiola und seine Spieler geht es nach den herben Klatschen in den Vorschlussrunden der vergangenen Jahre auch darum, auf alle taktischen Eventualitäten vorbereitet zu sein. Das Schlusszeugnis des Trainers, den es im Sommer zu Manchester City zieht, wird entsprechend nach unten korrigiert, wenn sich seine Mannschaft, steif und stur in ein festes Schema gepresst wie zuletzt in den Halbfinals gegen Real Madrid und den FC Barcelona, ein drittes Mal einfach austricksen lässt. Die Meisterschale und der Pokal wirken in diesem Fall kurioserweise nur wie ein schwacher Trost.

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27.04.2016, 06:00 Uhr

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