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Frische Brötchen am Sonntag
Bis 1996 gab es sonntags Brötchen nur an der Tanke. Foto: dpaer
Handel

Frische Brötchen am Sonntag

Vor 20 Jahren wurden die Ladenöffnungszeiten liberalisiert. Der Umsatz ist nicht gestiegen.

29.10.2016
  • DPA

Düsseldorf. Bäcker durften am Sonntag keine frischen Brötchen verkaufen. Supermärkte hatten werktags pünktlich um 18.30 Uhr zu schließen. Bis vor 20 Jahren war das Ladenschlussgesetz in Deutschland strikt – und wenig verbraucherfreundlich.

Das änderte sich erst am 1. November 1996. Die Gesetzesnovellierung erlaubte es den Geschäften erstmals, an Werktagen bis 20 Uhr zu öffnen, an Samstagen bis 16 Uhr. Und Bäcker durften erstmals frische Sonntagsbrötchen verkaufen. Vorher gab es die nur an der Tankstelle. Von einer „Zeitenwende im Einzelhandel“ war damals die Rede.

Was heute so selbstverständlich klingt, sorgte damals für heftige Auseinandersetzungen. Rund 50 000 Verkäufer demonstrierten in Bonn gegen das vor allem vom damaligen Bundeswirtschaftsminister Günter Rexrodt (FDP) vorangetriebene Gesetz. Wissenschaftler kritisierten den „Ausverkauf der Arbeitszeiten“. Selbst die Kunden nahmen die neue Regelung zunächst nur zögerlich an.

50 000 protestierten

Trotz aller Veränderungen fällt die Bilanz des Handelsverbandes Deutschland (HDE) heute eher ernüchternd aus. „Der Umsatz ist erwartungsgemäß nicht gestiegen“, stellt der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Genth, fest. Doch könnten Berufstätige „seitdem stressärmer einkaufen“.

Ob zusätzliche Arbeitsplätze entstanden sind, ist umstritten. Der HDE sagt Ja. Insbesondere der Lebensmittelhandel habe mehr Personal eingestellt. Die Gewerkschaft Verdi sagt Nein. Durch die längeren Öffnungszeiten gebe es nur mehr Teilzeit-Stellen, mehr Minijobs und mehr Leiharbeit.

Neu angefacht wird der Streit um die Öffnungszeiten durch den Boom des Online-Handels. HDE-Hauptgeschäftsführer Genth wirbt vehement für die Möglichkeit der Rund-um-die-Uhr-Öffnung an Werktagen in ganz Deutschland. Schließlich habe der Online-Handel 24 Stunden an sieben Tagen geöffnet. Verdi-Sprecherin Völpel dagegen widerspricht. „Wir glauben nicht, dass immer längere Öffnungszeiten die richtige Antwort auf das Internet sind. Dieses Rennen können sie nicht gewinnen.“ dpa

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29.10.2016, 06:00 Uhr

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