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Die Tonne geht mit vier Uraufführungen in die 55. Spielzeit

Frösche und Tschechows Möwe

Kleine Verbrechen, großes Vergessen, falsche Freunde und endlich mal Tschechow: Das Reutlinger Theater in der Tonne stellt sein Programm für die kommende Spielzeit vor.

27.07.2012
  • Moritz Siebert

Reutlingen. Im Herbst geht die Tonne in ihre 55. Spielzeit, die Planie-Spielstätte, über deren Zukunft noch nicht entschieden ist, in ihre zehnte. „Wir machen hier gutes Theater“, sagt Intendant Enrico Urbanek, „was die Zahlen betrifft, sind stabil, wenn nicht gar besser.“ Und deswegen blickt die Tonne optimistisch in die Zukunft, auf die kommende Spielzeit sowieso: Projekte, die in vergangenen Jahren entwickelt wurden, werden fortgesetzt, neue Ideen kommen dazu und insgesamt stehen neun Neuinszenierungen und vier Uraufführungen an.

Die Amnesie des Mannes nutzt die Frau, um diesen nach ihren Wünschen zu formen – ist es wirklich so? „Kleine Eheverbrechen“ (Premiere am 27. September), eine schwarze Komödie von Eric-Emmanuel Schmitt, inszeniert Karin Eppler an der Tonne mit Chrysi Taoussanis und Gunnar Kolb. Das Stück begeistere vor allem mit „schönen Dialogen und schöner Sprache“, so Karen Schulze, Dramaturgin und für Öffentlichkeitsarbeit Zuständige.

Wieder wird es eine Inszenierung für Kinder geben, und wieder wird sie vom „unersättlichen Heiner Kondschak“ kommen. „In der Höhle des Prinzen“ (Premiere am 6. Oktober) werden Frösche an die Wand geworfen, Prinzessinnen tauchen auf, Prinzen ab, und den obligatorischen Erbsen-Test wird es auch geben. „Viel Spielspaß“ verspricht Urbanek. Das Kinderstück ist wieder als eine mobile Produktion geplant. Kondschak tourt durch den Landkreis und bespielt viele Sparkassenfilialen.

„Wege mit Dir“ von Daniel Call (Premiere am 24. November) ist ein Stück über Alzheimer, allerdings kein solches, das „von vornherein als Problemstück konzipiert ist“, so Schulze. Ein „eloquenter Sarkastiker“ trifft auf eine Frau, die sich eigentlich gar nicht mehr verlieben wollte, sie tut das doch, und bald verlieren sich beide wieder im Nebel des Vergessens. In dieser Inszenierung gibt es ein Wiedersehen mit dem Ex-Ensemblemitglied Eric van der Zwaag und eine Begegnung mit einer Grande Dame des DDR-Theaters, Anne Else Paetzold, die bereits in der Uraufführung 2005 in Chemnitz mitgewirkt hat.

Im Herbst steht auch ein neues Tanztheater-Projekt an der Tonne an: In einer einwöchigen Phase arbeiten Choreografen und Komponisten getrennt voneinander. Am Ende werden die entstandenen Choreografien und Musikstücke zusammengeführt. „Wir sind gespannt, was dabei rauskommt“, sagt Urbanek. Am Wochenende 20. und 21. Oktober wird es sich zeigen.

Nachdem die zweite Auflage des Monospektakels im vergangenen Jahr 50 Prozent mehr Zuspruch als im Premieren-Jahr hatte, wird das Festival in dieser Spielzeit in die dritte Runde gehen. Wie im letzten Jahr ist die Tonne wieder mit einer Eigenproduktion dabei: „Macht“ nach „Caligula“ von Camus (Premiere am 24. Januar). Regie führt Urbanek, wer spielt, steht noch in den Sternen.

Von vielen Theaterfreunden in Reutlingen vermisst und lange gewünscht, ist er nun endlich im Programm: Tschechow. Am 21. Februar hat „Die Möwe“ – eine Komödie, aber irgendwie auch so gar nicht – in der Inszenierung von Oleg Myrzak Premiere. Es geht um eine „saturierte Gesellschaft“ (Schulze), die Träume hat und immer wieder an der Umsetzung scheitert.

Am 18. April folgt dann Enrico Urbaneks Neuinszenierung von Werner Schwabs „Die Präsidentinnen“. Zwar war das Stück bereits in Tübingen und in Melchingen zu sehen, er habe aber einfach, sagt Urbanek, die passenden Schauspielerinnen gefunden: Petra Afonin, Kathrin Becker und Bärbel Röhl – „drei große Persönlichkeiten.“

Die Darsteller mit Behinderung, die mittlerweile fest ins Ensemble integriert sind, widmen sich der Malerin Frida Kahlo in einem Stück (Premiere am 3. Mai). Das Thema spreche auf unterschiedliche Weise Menschen an, so Schulze, jeder finde da einen Punkt zum Andocken.

Auch das von Anke Geßner und Sandra Omlor geleitete Jugendforum ist wieder mit einem Stück dabei. In diesem Jahr beschäftigen sich Jungschauspieler im Alter zwischen elf und 20 Jahren mit Vorurteilen und Stereotypen (Premiere am 6. Juni). Zum Saisonabschluss gibt es im Sommertheater (Premiere am 4. Juli) einen „musikalischen Bilderbogen“ über die Comedian Harmonists. Es gehe darin nicht nur um den kleinen grünen Kaktus, sondern darum, „den gesellschaftlichen Rahmen mitschwingen zu lassen“, sagt Urbanek, der Regie führt, während Michael Schneider die musikalische Leitung übernimmt. „Ein Freund, ein guter…“ lautet der Titel: Es geht um Freundschaft – um echte oder um falsche?

Frösche und Tschechows Möwe
Der Reutlinger Tonne-Intendant Enrico Urbanek zur kommenden Spielzeit: „Wir machen hier gutes Theater.“ Privatbild

Frösche und Tschechows Möwe
Würden Sie von diesen beiden eine Theaterkarte kaufen? Zwei gute alte Bekannte vom LTT, Gunnar Kolb und Chrysi Taoussanis, begehen nun im Reutlinger Tonne-Theater ein „Eheverbrechen“.Bild: Tonne

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27.07.2012, 12:00 Uhr

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