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Traumwetter zum katholischen Hochfest

Fronleichnamsprozession und Zapfenstreich zogen so viele Menschen an wie lange nicht

So viele Besucher wie seit Jahren nicht hatte Rottenburg am Vorabend zu Fronleichnam beim Großen Zapfenstreich der Bürgerwache und auch am Feiertag selbst zur Prozession.

05.06.2015
  • Gert Fleischer

Rottenburg. Die Menschen bildeten einen dichten Ring um den Marktplatz am Mittwochabend, als die Bürgerwache anrückte. Die Abendsonne wärmte den Domturm. Weihbischof Hans Kreidler und Generalvikar Clemens Stroppel vertraten das Bischöfliche Ordinariat, Bischof Gebhard Fürst selbst war beim Evangelischen Kirchentag in Stuttgart. Die drei Rottenburger Bürgermeister standen ebenso in der ersten Reihe wie OB Stephan Nehers Vorgänger Klaus Tappeser und Winfried Löffler. Sie alle waren auch am nächsten Tag, am Feiertag, wieder auf dem Marktplatz.

Routiniert spielte die Bürgerwache das Zeremoniell bis zum Abschluss mit dem Großen Zapfenstreich und der Nationalhymne. Beifall brandete auf. „‘s isch rom, des war’s“, sagte ein Mann zu seiner Begleiterin. „Großer Zapfenstreich – rechts um!“, befahl Kommandant Rudi Ulmer, und im Marschschritt räumte die Bürgerwache den Platz, den sich Leute sofort zurückeroberten. Zwei kleine Jungs hatten eigene Trommeln mitgebracht und bedienten sie frisch motiviert. Ein hagerer, bärtiger Bettler, der oben am Beginn der Marktstraße kniete, hielt in einer Hand einen Becher fürs Geld, in der anderen hatte er ein Hörnchen mit Eis.

Am gestrigen Feiertag weckte die Artillerie der Bürgerwache die Bevölkerung. Sie hatte ihre beiden Geschütze „St. Georg“ und „St. Barbara“ unterhalb vom Klausenfriedhof aufgestellt. Kurz vor 7 Uhr stopfte sie sie, um nach dem letzten Ton der Stundenglocken den Salut abzufeuern. Die Sonne schien schon so hell, dass Mündungsfeuer kaum zu sehen war. „Der Vorletzte war der Beste“, sagte einer der Schützen, als der zwölfte Schuss seinen Pulverdampf verbreitete.

Auf dem Marktplatz begann um 8 Uhr der Gottesdienst mit Bischof Gebhard Fürst. Ein unglaublich schöner Sommertag kündigte sich an. Bürgerwache mit Stadtkapelle, Urbansbruderschaft, Handwerker, Vereine und katholische Studentenverbindungen aus Tübingen, alle mit Fahnen oder Standarten, Ministranten und der Domchor gehören zum Traditionspersonal. Die aufgestellten Sitzbänke waren besetzt, aber voll war der Marktplatz zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht.

Der Bischof bat um „Frieden in unserer oft so unfriedlichen Welt“. Nach dem Abschlussgebet formierte sich der Prozessionszug. Bischof Gebhard Fürst und Weihbischof Hans Kreidler wechselten sich ab beim Tragen der Monstranz. Unterm Baldachin waren sie geschützt gegen die Sonne. Etliche Frauen trugen schicke Hüte, die Männer häufig einen Strohhut. Auf dem Platz vor der Morizkirche, beim Schänzle und auf dem Eugen-Bolz-Platz hielt die Prozession jeweils inne für Gebete und Fürbitten. Fast unmerklich wurde der Zug der Gläubigen immer länger. Und so mutete es fast an, als würde der Marktplatz geflutet, als die Prozession ihre Runde dort beendete. Die Menschen sangen „Großer Gott wir loben Dich“ und freuten sich. Die Domglocken läuteten wild, und die auf den Platz übertragene Orgel stob stürmisch zwischen die schweren Klänge.

Zwischenzeitlich waren Tische und Bänke aufgebaut, rasch bildeten sich Schlangen vor den Essens- und Getränkeständen. Manche brachen sich von den gesegneten Birken ein paar Zweige ab, andere fotografierten sich vor dem zentralen Blütenteppich. Der Bischof schüttelte Hände, ließ sich auf kurze Gespräche ein. Nachmittags hatte er wieder Termin beim Kirchentag.

Kurz vor zwölf war der Kartoffelsalat, den der „Martinshof“ auf dem Marktplatz verkaufte, ausverkauft; der Kolpingsfamilie ging es mit dem Tafelspitz in ihrem Haus nicht anders. Bestens besucht war auch das Familienkonzert der Stadtkapelle hinter der Festhalle – ein Treffpunkt erster Güte für die erwachsene Stadtbevölkerung. Dorthin kommen auch Leute, die inzwischen woanders wohnen.

In den katholischen Dörfern rund um Rottenburg gab es ebenfalls Fronleichnamsprozessionen. Meist machen Seelsorgeeinheiten eine gemeinsame im jährlichen Wechsel. Traditionell gibt es danach Mittagessen, häufig Kaffee und Kuchen. Zum Teil sind richtige Feste draus geworden. Die Dettinger hatten vorm Gemeindehaus Biergarnituren aufgestellt, damit die Leute auch draußen sitzen konnten. Pfarrer Remigius Orjukwu begrüßte sie mit Handschlag. In Hemmendorf spielte der Musikverein, während Hirrlingen seinen Frühschoppen wörtlich genommen und am frühen Nachmittag beendet hatte.

In Felldorf saßen die Vereinsmusiker zu dieser Zeit unter einer der mächtigen Linden im Schlosshof und überließen dem Kirchenchor das Terrain. Der sang von Micky, der Maus. Ergenzingen hatte, als wir ankamen, gerade mit dem Loch zwischen Mittagessen und Kaffee zu kämpfen, Seebronn lag später voll in der Kuchenzeit. Die Ministranten hatten die Hockete vorbereitet, um sich einen Ausflug nach Tripsdrill zu finanzieren. Kaffee kochen können sie hervorragend.

Baisingen hat sich mit seiner Fronleichnamshockete durch viel Musik und ein schönes Kinderprogramm einen Ruf über die Ortsgrenzen hinaus erworben. Das Ambiente im Schlosshof trägt dazu bei. Der gefüllte Braten war jedenfalls schon aus.

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05.06.2015, 12:00 Uhr

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