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Frostiger Empfang in Moskau
Auf Distanz: US-Außenminister Rex Tillerson (links) und sein russischer Amtskollege Sergej Lawrow. Foto: dpa
Diplomatie

Frostiger Empfang in Moskau

Kremlchef Putin nennt die westlichen Allierten „Porzellanfigürchen“. US-Außenminister Tillerson fordert eine klare Entscheidung Russlands im Syrien-Konflikt: für oder gegen Amerika.

13.04.2017
  • STEFAN SCHOLL

Moskau. Schon zu Beginn der Verhandlungen lag Stress in der Luft. „Wer hat Ihnen Manieren beigebracht?“, herrschte der russische Außenminister Sergej Lawrow amerikanische Journalisten an, die ihn vor seinem Treffen mit US-Amtskollegen Rex Tillerson mit Fragen bestürmt hatten.

Der Antrittsbesuch Tillerson in Moskau geriet zum Nervenspiel. Kremlchef Wladimir Putin persönlich hatte die Stimmung mit scharfen Worten gegen die USA verdüstert. Bei einer Pressekonferenz am Dienstag verglich er die Vorwürfe, syrische Regierungstruppen hätten Giftgas gegen Zivilisten eingesetzt, mit den amerikanischen Behauptungen von 2003, der irakische Machthaber Saddam Hussein sei in Besitz chemischer Waffen. „Das alles haben wir schon gesehen“. Er fühle sich sogar an ein Zitat der sowjetischen satirischen Schriftsteller Ilja Ilf und Jewgeni Petrow erinnert: „Das ist langweilig, Mädels.“ Das Zitat sorgte in Russland für Furore. „,Mädels' kann durchaus scherzhaft gemeint sein“, sagt der Russischlehrer Kiril Sidorow. „Aber in Konfliktsituationen ist es eine heftige Beleidigung.“

Harte Worte sind Teil des Rituals

Putin legte nach, verspottete in einem TV-Interview die Nato-Verbündeten als „alles abnickende Porzellanfigürchen“. Er warnte vor „weiteren Provokationen“ in Form von Giftgasattacken in anderen syrischen Regionen. Das Vertrauen zu den USA sei unter Trump vor allem auf der militärischen Ebene gesunken.

Umgekehrt hatte das Weiße Haus am Vortag in einer offiziellen Erklärung seine Anschuldigung bekräftigt, Assad habe Sarin-Giftgas eingesetzt, Russland versuche, das zu vertuschen. Tillerson hatte vor seinem Abflug nach Moskau ultimativ erklärt, entweder unterstütze Russland Amerika und seine Alliierten in Syrien, oder es stelle sich in eine Reihe mit Assad, dem Iran und der Hisbollah.

Lawrow unterstrich zu Beginn des Treffens die Bereitschaft zu einem konstruktiven, gleichberechtigten Dialog. Die „Wahl, entweder für oder gegen uns“, sei aber lügenhaft. Und es sei von prinzipieller Wichtigkeit zu vermeiden, dass sich das Risiko neuer US-Attacken gegen Syrien wiederhole.

„Washington hat den Ton vorgegeben“, kommentiert der Moskauer Politologe Michail Winogradow. „Es will die Giftgasaffäre ausnutzen, um Russland in der Syrienfrage unter Druck zu setzen. Unsere Seite hält dagegen, um nicht schon vor den Verhandlungen in die Defensive zu geraten.“ Allerdings gehöre verbaler Schlagabtausch zum diplomatischen Ritual. Und dieser sage auch diesmal noch nichts über das Ergebnis des Treffens aus. Winogradows Kollege Dmitri Trenin hofft gar, Trumps militärischer Einstieg in den Syrienkonflikt könnte am Ende in einer Kooperation beider Länder für eine politische Lösung des Konfliktes münden. Stefan Scholl

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13.04.2017, 06:00 Uhr

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