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Mössingen

Fuchsplage erbost die Anwohner am Farrenberg

Füchse tanzen ihnen buchstäblich auf der Nase herum. Längst sind die Bürger/innen des Mössinger Wohngebiets oberhalb der KBF völlig aus dem Häuschen. Für sie ist es kein Spaß mehr, wie er im Kinderlied anklingt. Sie fürchten um ihre Kinder und Enkel, trauen sich nicht mehr auf die eigene Terrasse.

10.07.2012
  • Ernst Bauer

Fuchsplage erbost die Anwohner am Farrenberg
Mössingen, In Rosenbenz 32, eine der schönsten Wohngegenden der Stadt: „Da laufen ständig Füchse durch den Garten – und hier spielen unsere Enkel!“ Gerhard und Julia Schmidt sind außer sich. Vorne liegt schon wieder Kot.Bild: Bauer

Mössingen. Gerhard Schmidt ist eigentlich kein ängstlicher Mensch; ein gestandener Pädagoge im Ruhestand, passionierter Wanderer; einer, der nicht leicht in Panik gerät. Aber jetzt musste er sich schon im Rathaus anhören, er „dramatisiere“ die Situation. Von wegen – sagt auch seine Ehefrau.

„Da, schauen Sie, mitten in meinem Gemüsebeet! Am helllichten Tag, viertel nach zehn Uhr morgens, stand hier ein Fuchs!“ Oder neulich abends, „wir saßen beim Fußball“, da hörte man draußen Schreie – eine Nachbarin saß auf der Terrasse, hat gelesen, „Plötzlich stand da der Fuchs.“ Ganz ruhig. „Die sind absolut nicht scheu.“ Julia Schmidt findet es „einfach unheimlich, wenn da ein Fuchs steht – und nicht weggeht!“ Nachts spazieren sie seelenruhig die Dreifürstensteinstraße hinunter.

Alle würden unterschreiben

Wie ihr Mann und die ganzen Anwohner zwischen Dreifürstensteinstraße und Berggasse fragt sich Frau Schmidt inzwischen jedoch vor allem, wer gegen die Fuchsplage einschreitet – und die Gefahren des Fuchsbandwurms, von dem 70 Prozent der Füchse befallen sind; beim Menschen kann er eine heimtückische, meist tödliche Infektion auslösen. „Wenn ein Hund Schafe reißt, wird er in der Regel eingeschläfert, hier schnappt er sich Meerschweinchen, Fleisch vom Party-Tisch, bricht in Schildkrötenkäfige ein“ – all das sei in der Nachbarschaft schon vorgekommen – „und es passiert nichts.“

Fuchsplage erbost die Anwohner am Farrenberg

84 Unterschriften haben Schmidts mit einigen Unterstützern im Wohngebiet gesammelt. „100 Prozent haben unterschrieben“, sagt der ehemalige Sport- und Englischlehrer vom Quenstedt-Gymnasium, Erfinder des Schüler-Mentoren-Modells – es hätten auch 250 Unterschriften sein können, wenn sie noch weitere Straßen abgegrast hätten, „alle würden unterschreiben!“ Denn die Leute hier seien „alle empört“, sie hätten die Schnauze inzwischen wirklich voll „bis zur Kante“. Sie hätten keine Angst vor den Füchsen, aber vor dem Fuchsbandwurm. „Die Leute haben Angst und sind wütend!“ – Auch weil aus ihrer Sicht die Sache eher verharmlost wird, die Behörden bisher nicht eingeschritten sind.

„Wir, die unterzeichnenden Anwohner, sind zunehmend beunruhigt und betrachten die Fuchsplage als eine Störung unserer Wohn- und Lebensqualität“, heißt es in ihrem Schreiben vom 20. Juni, das neben der Stadtverwaltung und dem Ordnungsamt auch die Mössinger Polizei bekam. Die Beeinträchtigungen im Wohngebiet gingen inzwischen so weit, „dass erste Anwohner ihr Grundstück mit dem Elektrozaun sichern“. Nach Schilderung der Schmidts trauen sich viele Bürger/innen in der Gegend nicht mehr auf die eigene Terrasse. Junge Mütter hätten Angst um ihre Kinder – und sie selber um ihre vier Enkel. Die könnten sie hier ums Haus gar nicht mehr spielen lassen. Bestimmt um die 30 „Fuchshäufchen“ habe er schon entfernt, erzählt Gerhard Schmidt, mit Fuchskot verunreinigte Stellen im Gras – „vorsichtig, mit der Schaufel“. Kleine Löcher im Rasen zeugen von der Gründlichkeit seiner Säuberungsaktionen. Doch, das haben sich Schmidts immer wieder ausgemalt: Was ist, wenn die Kinder den Schmutz von draußen ins Wohnzimmer schleppen? Und: Wer beseitigt die Häufchen auf den Spielplätzen? Gerhard Schmidt mag sich die Folgen gar nicht auszudenken. „Ich hoffe nicht, dass wir in zehn Jahren ein böses Erwachen erleben!“

Inkubationszeit zehn bis 15 Jahre

Er hat sich inzwischen nämlich geradezu akribisch, wissenschaftlich mit dem Thema befasst. Erschrocken ist er dabei nicht nur über die „dramatische Zunahme“ der Zahl von Füchsen in Wohngebieten. Auch der Befall mit dem Fuchsbandwurm habe dramatisch zugenommen und die Infektion mit dieser tödlichen Krankheit beim Menschen – gerade in ländlichen Gegenden wie hier im Süden. Schmidt: „Da muss man schlucken, da passen wir haarscharf rein.“

Er hat seine Zahlen vor allem vom Robert-Koch-Institut in Berlin (www.rki.de), aber auch von der Uni Ulm, von einer Risiko-Studie aus dem Internet, die es nur in englischer Sprache gibt. „Knackpunkt“ ist für ihn die Inkubationszeit – wann diese gefährliche Krankheit ausbricht: erst in zehn bis 15 Jahren! Alle Zahlen würden sich daher auch auf Krankheitsfälle bis zum Jahr 2000 beziehen.

„Da gab es noch keinen Stadtfuchs“, sagt Gerhard Schmidt. „Jetzt haben wir den Fuchs in der Stadt drin! – Wenn man da nicht besorgt sein darf, dann weiß ich nicht, wann man besorgt sein soll.“

Die Tipps, welche die Stadt gibt (kein Katzenfutter vor die Tür, keine Gelben Säcke schon am Vorabend et cetera), reichen nach Ansicht der Bürger im Mössinger Süden längst nicht mehr aus. Alle sechs bekannten Fuchsbauten in der Gegend müssten verschlossen werden – „und zwar“, so präzisiert Gerhard Schmidt, „mit einer Betonplatte zugemacht werden“.
„Wir fordern die Stadtverwaltung auf, Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu ergreifen“, heißt es im Schreiben mit 84 Unterschriften an die Stadt. „Geeignete Schritte zur Abhilfe (z.B. Fallenjagd, Bauverschluss, Sonderschießerlaubnis) erläuterte uns das Veterinäramt am Landratsamt Tübingen. Der Amtsleiter ist gerne bereit, Ihnen Amtshilfe zu leisten.“ Laut Schmidt müssten vor allem mehr Fallen aufgestellt werden: „Zwei reichen nicht, wenn wir zirka 35 Füchse hier haben, sechs Bauten.“ Das sei „ein ständiges Kommen und Gehen“.

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10.07.2012, 12:00 Uhr

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