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Menschenrechte

Fünf Eltern und doch Waise

Wo sich Kinder von Leihmüttern aufzuhalten haben, legt der Staat fest, hat ein Gericht entschieden.

25.01.2017
  • DPA

Straßburg. Am 27. Februar 2011 wird in Moskau ein Junge geboren. Auf die scheinbar simple Frage nach den Eltern gibt es viele Antworten: Ist es das italienische Paar Donatina und Giovanni? Die russische Leihmutter, die das Kind im Auftrag des Paares ausgetragen hat? Oder sind es die beiden Unbekannten, die ihren Samen und ihre Eizellen gespendet haben? Am Ende fehlt dem Kind formal sogar über Monate eine Identität, denn die italienischen Behörden nehmen es Donatina und Giovanni weg. Es kommt in ein Waisenhaus, später zu einer Pflegefamilie.

Das war rechtens, hat jetzt der Europäische Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg entschieden, vor dem das Paar sich gewehrt hatte. Die Begründung: Die italienischen Behörden durften das Kind den Wunscheltern wegnehmen, um „Unordnung zu verhindern“. Denn in Italien ist die Leihmutterschaft verboten (Beschwerde-Nr. 25358/12).

Russland hat kein Problem

In vielen Ländern ist die Leihmutterschaft verboten. Russland hat dagegen, wie etwa die Ukraine und die USA, kein Problem damit. Vom Wunsch beseelt, ein Kind zu haben, ohne langwierige Adoptionsverfahren durchstehen zu müssen, war das Paar nach Moskau gereist und hatte dort einen Leihmutterschaftsvertrag abgeschlossen.

Das Besondere an dem Fall ist, dass weder Donatina noch Giovanni mit dem Kind genetisch verwandt sind. Ob der Italiener das wusste oder in der Moskauer Klinik etwas falsch gelaufen ist, blieb unklar. Die italienischen Behörden nehmen dem Paar jedenfalls nicht ab, dass es geglaubt habe, das Kind stamme genetisch von ihnen. Sie warfen ihm Narzissmus vor, die beiden hätten mit dem Kind ihre Beziehungsprobleme lösen wollen.

Worum es den Behörden in Italien wohl eher ging, war, durchzusetzen, dass eine Leihmutterschaft nicht sein darf. In erster Instanz hatte das Menschenrechtsgericht Italien dazu verurteilt, dem Paar eine Entschädigung zu zahlen. Jetzt hat es in zweiter Instanz das Kindeswohl hinter das Interesse des Staates gestellt, das Leihmutterschafts-Verbot durchzusetzen. dpa

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25.01.2017, 06:00 Uhr

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