Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Aktion

Fünf Minuten Einzelhaft im Theater

Was bedeutet es, eingesperrt zu sein? Ein historisches Gefängnis in der Heidelberger Altstadt dient als Bühne.

28.11.2016
  • DPA

Heidelberg. Wenn die schwere Tür mit Wucht ins Schloss fällt, ist sie da – die Einsamkeit. Auch wenn grelles Neonlicht die etwa sechs Quadratmeter große Zelle erhellt, der Gemütszustand der meisten Theaterfreunde dürfte sich im Heidelberger „Faulen Pelz“ sehr schnell verdüstern. Das einstige Gefängnis mit dem niedlichen Namen dient zurzeit als Bühne des städtischen Theaters in Heidelberg.

An dem Stück, das hier aufgeführt wird – es heißt passenderweise „In Deinem Pelz“ – ist nicht nur der Spielort ungewöhnlich. Auch der Umstand, dass es keine Zuschauer im eigentlichen Sinne gibt, ist besonders. Vielmehr setzen sich die Besucher eine Stunde lang mit Ängsten, Beklemmungen und Wahrnehmungen auseinander, die ihrem tiefsten Inneren entspringen. Dazu werden sie von streng blickenden Wärterinnen durch das im 19. Jahrhundert erbaute Gefängnis geschleust. Bis 2015 waren hier noch Frauen in Haft.

„Das alles war ziemlich heftig“, findet Silvia Boschard. Die 60 Jahre alte Frau hat die Tour hinter sich und ist selbst verwundert, wie aufgewühlt sie diese Performance zurückgelassen hat. Auch ihr Mann Thomas spricht von einer drastischen Erfahrung. „Man muss es hier mit sich aushalten können“, sagt Theaterkünstler Bernhard Mikeska, der mit seiner Kollegin Alexandra Althoff diese „szenische Installation“ für das Theater in Heidelberg konzipiert hat. Insgesamt acht Schauspieler und 20 Statistinnen sind an dem Projekt im Schichtdienst beteiligt. Im Fünf-Minuten-Takt kommen die Zuschauer in das frühere Gefängnis. Die Nonstop-Performance dauert 32 Stunden.

„Das ist ziemlich heftig“

Mikeska und seine Mitstreiter setzen konsequent auf das Gefühl der Isolation. Und das wirkt. Erst geht in dem Knast mitten in Heidelberg das Zeitgefühl verloren. Dann die Gewissheit, sich frei entscheiden zu können. Immer wieder schließen uniformierte Wärterinnen Zuschauer weg. Etwa in eine Zelle, in der sich einige Minuten im Alltag einer früheren Gefangenen erleben lassen. Aber nur akustisch.

Per Kopfhörer sind Toilettengang, ruhelose Schritte und schweres Atmen zu hören. Wie der Regisseur sagt, geht es bei „In Deinem Pelz“ um die Begegnung des Zuschauers mit sich selbst. Wie Inhaftierte eines echten Gefängnisses, so soll an diesem außergewöhnlichen Theaterabend auch der Zuschauer spüren, wie sich das Sein hinter dicken Mauern und Gittern anfühlt. Sich selbst spüren, sich im Abseits zurechtfinden (weitere Performances am 3. und 4. sowie am 10. und 11. Dezember). dpa

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

28.11.2016, 06:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball