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Tatort in der eigenen Familie

Fünfeinhalb Jahre Haft wegen schweren Kindesmissbrauchs

Zu fünfeinhalb Jahren Haft hat das Tübinger Landgericht gestern einen 54-jährigen Reutlinger Familienvater verurteilt. Wie berichtet, hatte er sich über Jahre schwer an seiner minderjährigen Tochter vergangen.

22.09.2014
  • Matthias Reichert

Reutlingen. Verurteilt wurde der 54-Jährige wegen 17 Taten. Er hatte Fotos von seiner Tochter in aufreizend Posen gemacht. Die Tochter war anfangs zehn. Weiter hatte er sexuelle Handlungen an ihr vorgenommen, sich dabei befriedigt und das ebenfalls fotografiert. Einmal hat er sie vergewaltigt. Nun muss er wegen schweren Missbrauchs von Kindern und Schutzbefohlenen ins Gefängnis, weiter wegen Besitzes und Verbreitung von Kinderpornografie.

Denn er hatte die Bilder und Videos, die er von ihr gemacht hatte, im Netz getauscht. Auf seinem Rechner fanden sich tausende von Bildern. Sie zeigten laut dem Vorsitzenden Richter Martin Streicher „Missbrauchshandlungen in ekelerregender Art und Weise, teils bei Säuglingen, die mit Sammelwut nicht erklärbar sind“. Die Taten geschahen gegen den Willen der Tochter. Der Angeklagte gab ihr Geld und Geschenke dafür. Einmal habe er auch Gewalt angewendet.

Er zwang sie teilweise auch, selbst Fotos von seinen Übergriffen zu machen. Der Mann habe seine Vertrauensposition ausgenutzt. Als Vater sei er die Autoritätsperson gewesen, der das Kind blind vertraut habe, sagte Streicher. Er sprach vom „Tatort in der eigenen Familie“.

Skype-Chats zwischen Tochter und Vater zeigen laut Streicher eine „Gesprächskultur“, die kaum mehr zu unterbieten sei. Der Angeklagte, der vorübergehend in Untersuchungshaft saß, lebt weiter bei seiner Familie. Seine Frau war auf Drängen der Tochter bei ihm geblieben. Tochter und Mutter hatten vor Gericht als Angehörige die Aussage verweigert. „Wir können nicht genau sagen, welche Folgen bei der Tochter auftreten“, so Streicher. Doch seien jedenfalls keine nachhaltigen Tatfolgen nachzuweisen. Das und vor allem das „volle, frühe, aufrichtige und reuige“ Geständnis des Angeklagten gab den Ausschlag, dass das Gericht um ein Jahr unter der Forderung der Staatsanwaltschaft blieb.

Dennoch hält die Jugendschutzkammer die Tochter für hochgradig gefährdet. Der Vater solle nun nicht nur selbst seine Therapie fortsetzen, sondern zu erreichen versuchen, dass die Tochter die Ereignisse ebenfalls aufarbeitet. Die Ehefrau sei hierfür jedenfalls „nicht die richtige Adresse“, erklärte der Richter.

Das Urteil nannte Streicher „sehr angemessen“. Es liege auf der Linie der Kammer. „Ob in der Zukunft bei der Tochter Spätfolgen entstehen können, haben wir nicht zu prüfen“, unterstrich der Richter.

Info Vorsitzender Richter: Martin Streicher; Beisitzer: Christian Mezger; Schöffen: Angelika Hespeler, Heinz Bökle; Staatsanwältin: Rotraud Hölscher; Verteidiger: Holger Böltz.

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22.09.2014, 12:00 Uhr

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