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Eine Königin beim Jubiläum

Fünfzig Jahre Freundschaft zwischen Wendledse und Wennelsem in Rheinhessen

Die beiden Busse mit über hundert Gästen aus Wendelsheim bei Alzey trafen am Samstag mit anderthalb Stunden Verspätung in Wendelsheim bei Rottenburg ein. Der Musikverein spielte einen Marsch, die Schützen schossen Salut. Es wurde ein fröhliches Fest unter Freunden.

22.06.2014
  • Fred Keicher

Wendelsheim. Mitgebracht hatten die Rheinhessen jede Menge Bürgermeister (die Rottenburger Stadtspitze ließ sich wegen der Verleihung des Eugen-Bolz-Preises komplett entschuldigen) und eine richtige Weinkönigin. Carolin Wagner, 23, hat das Amt seit vier Wochen inne. Sie kommt aus Siefersheim, das ist zwei Dörfer weiter von Wendelsheim. Beide sind Teile der Verbandsgemeinde Wöllstein. Die zweite Wöllsteiner Weinkönigin nennt sich Caroline die Erste.

„Wo sind hier den die Weinberge?“, habe sie sich gefragt, bevor sie die zwei Hektar unterhalb des Märchensees entdeckte. Das rheinhessische Wendelsheim hat 120 Hektar Weinfelder, so sagt man dort. Carolin Wagner stammt nicht aus einer Winzerfamilie, ihr Bezug zum Wein ist das Café der Eltern, in dem sie gekellnert hat. Die junge Frau ist weit gereist, hat je ein halbes Jahr in Frankreich, USA und Brasilien verbracht. Jetzt studiert sie Wirtschaftsinformatik. „Wein ist meine Kultur“, sagt sie. Mit ihrem Einsatz möchte sie ein bisschen zurückgeben, was sie mitbekommen hat: „Das ist meine Heimat.“ Sie gibt dafür ein Jahr lang jedes Wochenende.

Auf dem Dorfplatz gab’s erstmal die obligatorischen Begrüßungsreden. „Für die Geschichte“, sagte Ortsvorsteher Joachim Maul, wurde das Gruppenfoto geschossen – aus über 20 Metern Höhe. Die Rottenburger Feuerwehr hatte ihre Drehleiter nach Wendelsheim geschickt. Aber dann wurde kräftig gevespert mit Schwarzwurst und Schwarzbrot, Zwiebelringen und Essiggurken. Und hier und da dem ersten Remmingsheimer Bier.

Fünfzig Jahre Freundschaft zwischen Wendledse und Wennelsem in Rheinhessen
Die Trachtengruppe auch Wendelsheim/Rottenburg ging vorweg beim Umzug zur Feier der 50-jährigen Freundschaft mit Wendelsheim/Alzey. Bild: Faden

Dann stellte sich die Gesellschaft zum Umzug hinauf in die Turnhalle auf. Voraus die Musikkapellen. Danach Carsten Ulmers Ferrari als standesgemäßes Gefährt für die Weinkönigin. Die Wendelsheimer Trachtengruppe ging zu Fuß. „Jeder Mann nimmt zwei Frauen, oder wie war’s denn früher?“, kommentierte Maul den Frauenüberschuss der Trachtler. Die aktuellen und gewesenen Bürgermeister und Ortsvorsteher transportierte Reiner Weindel mit der Pferdekutsche.

„Spielet au en langsame Marsch“, hörte man aus einer Gruppe von älteren Damen. Und ein Stück weiter: „Als i no jung war, hat’s den Buckel et gäh.“ Die Unterschiede zwischen hier und dort werden diskutiert. „Man merkt, das sind keine Schwaben. Die nehmen‘s mit der Zeit net so genau.“ Michael Hesselmaier vom Narrenverein 1988 sagt, er komme aus „Wendledse“. Auf Harry Grewes T-Shirt steht: „Rosenmontagsfreunde 1985“. Er kommt aus „Wennelsem“. Den Wendelsheimer Wein haben er und seine Frau noch nicht probiert. Sie sagt: „Es gibt nur Unbekanntes. Und das kann man schätzen und lieben lernen.“

Bei Kaffee und Kuchen und Felix Holochers Rot- und Weißwein wird in der Turnhalle nochmal die Geschichte der Freundschaft rekapituliert. Den Anstoß gab 1964 ein Blick ins damals neue Postleitzahlenbuch. Der Dirigent des Wendelsheimer Musikvereins Wilhelm Schöper entdeckte darin das „Wendelsheim ü. Alzey“. Sein Brief dorthin landete aber prompt im Rathaus unterm Pfaffenberg.

Seitdem herrscht ein reger Austausch zwischen den beiden Orten. Getragen werde die Freundschaft von den Vereinen, sagte Maul: Feuerwehr, Musikvereine und so weiter. Auch die privaten Kontakte blühen. Franz Fischer etwa fährt seit 50 Jahren nach Rheinhessen zur Weinlese. Auch eine Ehe ist geschlossen worden. Man besucht sich zu den Vereinsfesten, zur Saukirbe etwa.

Als Gastgeschenk hatte Hans Ludwig Kilian einen gravierten Römer mitgebracht. Weil man zum Anstoßen zwei Gläser braucht, hatte noch einen im Gepäck, den nimmt er aber wieder mit. Nachdem die großen Gefäße, die 0,75 Liter fassen, umständlich ausgepackt waren, rief Maul hinüber zur Theke: „Roland, zwei Flaschen Weißwein.“ Mit knapper Not bekam das Amtsglas von Caroline I. noch einen Schluck ab.

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22.06.2014, 12:00 Uhr

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