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Wie wirkt Achtsamkeit?

Für Uni-Studie zu Therapien gegen Depression werden Teilnehmer gesucht

Ein neuerer Ansatz zur Behandlung von Depressionen ist die Achtsamkeitstherapie. In einem Forschungsprojekt wollen Psychologen der Universität nun ihre besonderen Wirkmechanismen im Hirn herausfinden.

09.07.2014
  • Ulrike Pfeil

Tübingen. Schon vor einigen Jahren hat das Tübinger Forscherteam sich in einer kürzeren Studie mit der Achtsamkeitstherapie beschäftigt. Es konnte nachweisen, dass diese auf meditativen Übungen basierende kognitive Therapiemethode heilende Wirkung hat. In der neuen, umfangreicheren Studie, die wie die vorige von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanziert wird, geht es nun darum, diese Therapie klinisch zu überprüfen, vor allem bei Menschen mit wiederkehrenden Depressionen.

„Wir wollen wissen: Was tut sich dabei im Hirn?“ sagt der klinische Psychologe und Depressions-Experte Prof. Martin Hautzinger. Es ist bereits nachgewiesen, dass durch das Achtsamkeitstraining ein Rückfall in die Depression verhindert oder wenigstens hinausgeschoben werden kann. Für Menschen, die unter wiederkehrenden Depressionen leiden (europaweit etwa sieben Prozent der Bevölkerung), ist das schon ein großer Fortschritt. Denn obwohl akute Depressionen in der Regel gut behandelt werden können, ist ihr wiederholtes Auftreten für die Patienten (und die Gesellschaft) eine große Belastung. „Die Patienten“, sagt Hautzinger, „sind froh über jeden Monat Aufschub.“

Lässt sich nun die heilende Wirkung der Achtsamkeitstherapie auch an Veränderungen im Hirn beobachten? Wie wichtig ist dafür die Konzentrationsfähigkeit? Die Achtsamkeitstherapie erfordert aktive Mitarbeit und selbstständige Übungen des Patienten. Vladimir Bostanov vom Institut für Medizinische Psychologie und Verhaltensneurobiologie bezeichnet sie auch als „meditative Aufmerksamkeit“. Durch Konzentrationsübungen – etwa: auf die Atmung – gewinnt man Gelassenheit, Abstand zu sich selbst und eine innere Erkenntnis über die eigenen Emotionen.

„Achtsamkeit“, sagt Bostanovs Kollege, der Medizinische Psychologe Prof. Boris Kotchoubey, „ist eine Technik, die Dinge möglichst urteilsfrei anzunehmen.“ Wenn der Patient lernt, sich sozusagen „von außen zu betrachten“, ist er seinen negativen Gedanken weniger ausgeliefert.

Die Achtsamkeit geht auf den Buddhismus zurück, sie versucht, die Gedanken in der Gegenwart zu halten, nicht analytisch nach Gründen zu bohren. Der günstige Effekt: „Wenn man meditiert hat, vermeidet man die Falle des Grübelns“, sagt Bostanov. Sind Patienten, die dafür mehr Talent haben als andere, für diese Therapie besser geeignet?

Um die Wirkungsweise der Achtsamkeit genauer zu beurteilen, wird sie in der Studie einer konventionellen, etablierten Verhaltenstherapie gegenübergestellt. Ein Teil der Patienten wird mit der herkömmlichen Methode behandelt, es gibt keine Placebo-Gruppe. „Beide Therapien sind gleich wirksam“, betont Hautzinger. Für die Teilnehmer sei die Studie deshalb ein „hochattraktives Angebot“.

Mit dem Elektroenzephalogramm(EEG) werden vor und nach der Therapie „ereigniskorrelierte“ Hirnpotenziale gemessen. Es geht den Forschern nicht nur darum, in dieser über ein Jahr dauernden Studie die Therapieansätze klinisch zu vergleichen. Es könnte auch herauskommen, dass je nach Persönlichkeit die eine oder die andere Methode für den Patienten besser ist.

Für das DFG-Projekt werden 120 Teilnehmer gesucht. Wenn sie Antidepressiva nehmen, sollten sie stabil eingestellt sein. Die Medikamente können sie während der Studie weiter einnehmen. Die Trainingssitzungen sind abends, sodass eine Berufstätigkeit weiter möglich ist.

Für die Studie 8YZ werden Menschen zwischen 18 und 65 Jahren gesucht, die schon mindestens drei depressive Episoden erfahren haben. Sie sollten aber nicht akut an Depression erkrankt sein und keine bipolare Störung haben. Die Teilnehmer sollten deutschsprachig sein. Die Studie bietet nach einer Diagnose acht Wochen lang Therapiekurse (acht Gruppensitzungen von jeweils zweieinhalb Stunden), die das Rückfallrisiko um 40 bis 50 Prozent senken. Die Teilnehmer verpflichten sich außerdem , ein Jahr lang ein Mal pro Woche einen Online-Fragebogen auszufüllen (Zeitaufwand: fünf Minuten). Während der Gruppenphase sind auch Übungen zu Hause zu absolvieren.
Die Studie beinhaltet außerdem drei EEG-Tests. Weitere Informationen und Anmeldung zur Studie unter www.uni-tuebingen.8yz.de.

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09.07.2014, 12:00 Uhr

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