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Autokonzern

Für VW bricht der Monat der Wahrheit an

Der Aufsichtsrat berät die Fünf-Jahres-Strategie. Eine harte Nuss angesichts des Abgasskandals.

05.11.2016
  • DPA

Wolfsburg. Rund 110 Mrd. EUR – so viel hat Volkswagen zuletzt über fünf Jahre investiert. Dafür müsste ein Lottospieler 75 Jahre ununterbrochen jede Woche fast 30 Mio. EUR gewinnen. Wenn der VW-Konzern sein Investitions-Füllhorn auspackt, geht es um Superlative.

Europas größter Autobauer veranschlagte zuletzt pro Jahr gut 20 Mrd. EUR in seinem Budgetplan. Die Geldströme flossen etwa in neue Produkte und Zukunftstechnologien. Es ging um neue Fabriken, neue Motoren und intelligente Helfer im Auto.

Mit den hohen Beträgen führte Volkswagen regelmäßig die Listen der globalen Investitionskönige an. Der Abgas-Skandal zwingt VW jetzt aber zu einer Kostendiät, die ihn bei zentralen, teuren Trends der Branche schwächt: Digitalisierung, Vernetzung, alternative Antriebe. Zu allem Überfluss siecht die Pkw-Kernmarke VW nicht nur wegen „Dieselgate“ bedrohlich dahin. Der Hausmarke um Golf und Passat blieben zuletzt von 100 umgesetzten EUR nur rund 1,60 EUR als Gewinn, wovon noch Zinsen und Steuern abgingen. Für das VW-Herz scheint die Schwelle zum Sanierungsfall nicht mehr weit.

Bei den Konzernkontrolleuren herrscht also doppelte Alarmstimmung. Am 18. November soll der Aufsichtsrat das Budget bis 2021 absegnen. Das wird ein hartes Stück Arbeit. Schon vor Wochen bekamen die Kontrolleure daher eine zusätzliche Terminanfrage für den gestrigen Freitag.

Außerplanmäßige Aufsichtsratssitzungen lassen immer aufhorchen. Diesmal aber, so versichern Insider, diene das Treffen der Vorbereitung. „Weil wir sonst am 18. wohl nicht durchkämen.“

Wie hart tritt VW nun auf die Kostenbremse? Die wahrscheinlichen Lasten für die Diesel-Krise allein in den USA gehen schon in Richtung 20 Mrd. EUR. Verluste im Tagesgeschäft sind darin nicht eingerechnet. Branchenexperten wie Frank Schwope von der Nord LB rechnen bereits heute mit bis zu 35 Mrd. EUR Gesamtkosten. Selbst für VW wird die Luft also dünn, denn parallel muss der Konzern Geld in seine Zukunft stecken.

„Ich glaube schon, dass es eine deutliche Fokusverschiebung geben dürfte“, sagt Branchenforscher Stefan Bratzel. Wie klar sich das in den Zahlen ablesen lasse, bleibe abzuwarten. Schließlich sei viel auf Jahre budgetiert. Dennoch müsse es mittelfristig Opfer geben, etwa gestrichene Modelle. „Man darf nicht weniger von allem machen, sondern man muss fokussieren.“ Bisher liefen Themen wie E-Antriebe, vernetzte Mobilität und autonomes Fahren eher nebenher, sagt Bratzel. „Jetzt muss das ein Kern werden.“ Wenn VW es ernst meine mit der Wandlung vom reinen Autobauer zum führenden Anbieter von Mobilitätsdiensten, müsse das auch am Budget ablesbar sein. dpa

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05.11.2016, 06:00 Uhr

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