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Für den virtuellen Spaß kommt eine reale Rechnung
Weil ihr 13-jähriger Sohn zahlreiche Extras für ein Online-Spiel gekauft hat, bekam eine Mutter eine Rechnung über 1250 EUR. Doch die muss sie nicht bezahlen, urteilt der BGH. Foto: dpa
Kostenfalle

Für den virtuellen Spaß kommt eine reale Rechnung

Gratis loslegen, später Extras kaufen. So funktionieren immer mehr Online-Spiele. Doch die Eltern müssen nicht zahlen, wenn ihre Kinder der Versuchung erliegen.

07.04.2017
  • DPA

Karlsruhe. Es ist eine Horrorvorstellung vieler Eltern: Unbemerkt wählt der Sohn eine teure 0900er-Nummer an, immer wieder. Dann die böse Überraschung – eine Telefonrechnung von gut 1250 EUR. Mit seinem Urteil vom Donnerstag lässt der Bundesgerichtshof (BGH) die Mutter aber nicht mit dem Schaden stehen. (Az. III ZR 368/16)

Was genau ist passiert? Vor ein paar Jahren, damals ist er 13 Jahre alt, spielt der Sohn ein Computerspiel. An sich kostet das nichts. Bestimmte Vorteile haben Spieler aber nur, wenn sie sich virtuelle Ausrüstung kaufen. Das geht unter anderem durch Anruf bei einer 0900er-Nummer („Pay by Call“), die im Internet steht. Der Sohn wählt sie 21 Mal. Die Kosten stellt der Dienstleister der Mutter in Rechnung. Auf ihren Namen läuft der Telefonanschluss.

Wie funktionieren „Pay by Call“-Dienste? Ein Anruf genügt, und es kann anonym und schnell gekauft werden. „Die Identifizierung läuft über den Telefonanbieter. Ich muss also keine Bankverbindung oder andere Kontaktdaten angeben“, erläutert Christine Steffen, Juristin bei der Verbraucherzentrale (VZ) NRW. Abgerechnet wird über die Telefonrechnung. Das hat den Vorteil, dass Kunden fremden Anbietern keine Daten überlassen müssen. Das Risiko: Über den Anschluss können auch andere Geld ausgeben.

Kommt so etwas bei digitalen Spielen häufiger vor? Früher wurden Spiele im Laden verkauft – heute ist es online jederzeit möglich, neue Inhalte zum Herunterladen bereitzustellen. Das eröffnet die Möglichkeit, Spiele zunächst einmal gratis anzubieten und Geld erst später für eine Premium-Variante oder zusätzliche Inhalte zu verlangen („Free to play“). Das können Cent-Beträge sein. Es gibt aber auch Extra-Pakete für 100 EUR. Für die Branche ist das inzwischen ein wichtiger Umsatzbringer. Von 2015 auf 2016 legte der Bereich in Deutschland um 17 Prozent zu, auf nun 659 Mio. EUR.

Welche Folgen hat das für die Nutzer? „Wir denken, dass diese Art von Spielen die Position des Verbrauchers stärkt“, sagt Felix Falk, Geschäftsführer des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU). „Es ist immer möglich, kostenfrei zu spielen – und die meisten Nutzer entscheiden sich auch dafür.“

Wer sich Extras kauft, gibt laut Falk im Monatsdurchschnitt nicht mehr aus als eine Kinokarte kostet. Verbraucherschützer sehen trotzdem Risiken und pochen auf mehr Transparenz. Ihrem Eindruck nach sind die Kosten nicht überall übersichtlich gestaltet. Viele kleine Beträge, oft hinter virtuellen Währungen versteckt, addierten sich dann schnell zu größeren Summen

Was ist mit Kindern und Jugendlichen? Sie können besonders empfänglich für die virtuellen Verlockungen sein. Der Bundesverband der Verbraucherzentralen hat deshalb vor dem BGH erstritten, dass es keine Formulierungen geben darf, die speziell Kinder zum Kaufen auffordern. Damals ging es um das Rollenspiel „Runes of Magic“. Verboten wurde der Satz: „Schnapp Dir die günstige Gelegenheit und verpasse Deiner Rüstung & Waffen das gewisse Etwas.“

Welche Rolle spielt das „Pay by Call“-Verfahren? Es kommt vor allem bei Spielen am PC vor. Im wachsenden Markt der Apps wird dagegen in der Regel über die Mobilfunkrechnung, per Kreditkarte oder Lastschrift abgerechnet. Das Grundproblem aber bleibt weiterhin: „Sobald ich eine Zahlungsmethode ohne Passwortschutz hinterlege und das Kind mit zwei Klicks darüber bezahlen kann, spielt die Art der Abrechnung keine Rolle mehr“, sagt Experte Julian Graf von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. Zum Teil ist es technisch auch möglich, Einkäufe direkt aus den Spiele-Apps ganz zu blockieren. 0900er-Nummern kann man sperren lassen. Vor dem BGH könnte also auch eine Rolle spielen, was Eltern hier zumutbar ist.

Warum bleibt der Mutter des Bestellers die 1250-EUR-Rechnung erspart? Der Frau kommt ein Paragraf aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch zugute. Demnach haftet grundsätzlich der Dienstleister, wenn eine Zahlung nicht autorisiert war. Nach Auffassung der Richter gilt das auch für „Pay by Call“. Und dass der Sohn kein Okay hatte, steht außer Frage. dpa

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07.04.2017, 06:00 Uhr

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