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Technik

Für die Raumfahrt wird's eng

Ganze Wolken aus Stahl und Kunststoff rasen mit 40 000 Stundenkilometern um die Erde. Von heute an befasst sich ein Kongress in Darmstadt damit, wie der Schrott im All vermieden und beseitigt werden kann.

18.04.2017
  • RICHARD HEISTER, AFP

Darmstadt. Als die Wolke aus Weltraummüll auf sie zurast, reparieren die zwei Astronauten gerade das Weltraumteleskop Hubble. Im Kinofilm „Gravity“ mit Sandra Bullock und George Clooney zerstört die Trümmerwolke ein Shuttle, das Hubble-Teleskop und später die Internationale Raumstation ISS. Der Bösewicht in dem Streifen ist also kein außerirdisches Monster, sondern um die Erde rasender Weltraumschrott.

Ein phantasievoller Science-Fiction-Film? In Einzelheiten ja, aber das Szenario stimmt. Denn in erdnahen Umlaufbahnen rast mittlerweile eine derart große Menge Schrott von alten Raketen und Satelliten um die Erde, dass es für die Raumfahrt gefährlich wird. Darüber beraten von heute an hunderte Top-Experten aus aller Welt in einem Kongress der Europäischen Weltraumagentur Esa in Darmstadt.

Im Juli 2015 hat sich die ISS-Besatzung vor heranfliegendem Weltraummüll in Sicherheit gebracht. Sie zog sich in die russische „Sojus“-Raumkapsel zurück, die an der ISS angedockt war. Der Schrott flog knapp vorbei.

Das war das vierte Mal, dass eine ISS-Besatzung wegen vorbeifliegender Schrottteile kurzfristig umziehen musste. Denn der Einschlag eines nur ein Zentimeter großen Objekts zum Beispiel setzt in etwa die Energie einer Handgranatenexplosion frei.

Laut der Esa umrunden 750 000 Objekte von mehr als einem Zentimeter Größe die Erde. Ihre Geschwindigkeit: etwa 40 000 Stundenkilometer. Die Zahl der Schrottteile unter einem Zentimeter Größe wird auf 170 Millionen geschätzt. Etwa 18 000 dieser Trümmerteile messen mehr als 10 Zentimeter, sie können von Überwachungssystemen verfolgt werden.

Weltraummüll entsteht auf vielfältige Weise. Da sind die mehr als 4900 Raketenstarts, die seit Beginn des Raumfahrtzeitalters vor fast 60 Jahren stattgefunden haben. Irgendwelche Teile bleiben immer oben. Da sind die Kollisionen großer Objekte. Die folgenschwerste war am 10. Februar 2009: Der US-Satellit Iridium 33 kollidierte mit dem abgeschalteten russischen Satelliten Kosmos 2251. Die „Müllhalde“ im Erdorbit wuchs um mindestens 2200 Trümmerteile von mehr als einem Zentimeter Größe.

Stoff genug für die viertägige Europäische Konferenz zu Weltraumschrott, die zum siebten Mal stattfindet und die die weltweit größte Veranstaltung zu Raumfahrtrückständen ist. In ihrem Mittelpunkt stehen strategische Ansätze und technische Möglichkeiten zum Umgang mit dem Weltraumschrott.

Immer mehr Satelliten

Der vermehrt sich mittlerweile selbst, weil da oben so viele Teile zusammenstoßen, dass immer weitere Splitterwolken entstehen. Diese Kettenreaktion nennen die Forscher „Kessler-Syndrom“ – sie könnte Teile des erdnahen Weltraums für die Raumfahrt unbrauchbar machen. Für die zivile Raumfahrt eine grausige Vorstellung. Und für das Militär der Raumfahrt betreibenden Nationen erst recht.

Bisher sind knapp 7000 Satelliten in einen Orbit geschossen worden. Bald dürften es deutlich mehr werden. Für einige Projekte etwa von Samsung, Google oder Facebook werde „eine Vielzahl von Satelliten gebraucht“, sagt Holger Krag, der Leiter des Büros für Weltraumtrümmer in der Europäischen Raumfahrtagentur Esa. „Wir sprechen von mehreren Tausend pro Mission.“ Es wird eng in der Gefahrenzone.

Richard Heister, afp, ema

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18.04.2017, 06:00 Uhr

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