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Freiburger Mordprozess

Für immer hinter Gittern?

Lügen statt Reue: Der Staatsanwalt sieht in der Vita von Hussein K. keinen Anhaltspunkt für eine mildere Beurteilung.

10.03.2018
  • Stefan Hupka

Freiburg. Der Angeklagte zeigt auch jetzt keine Regung. Manchmal gähnt Hussein K., dann wieder wirkt er, als ob er döst. Als wolle er seinen Ankläger und andere Beteiligte hier im Gerichtssaal in ihrem Eindruck noch einmal ausdrücklich bestätigen. „Fehlende Empathie“, „emotionale Kälte“, „hochgradige Fokussierung auf die eigenen Interessen“, „keine Lernfähigkeit“, „für die Allgemeinheit gefährlich“ – so begründet sein Gegenüber, warum er diesen jungen Mann auf Jahrzehnte im Gefängnis sehen will.

Sein Gegenüber ist Oberstaatsanwalt Eckart Berger. Der zitiert Gutachter: den Heidelberger Psychiater Hartmut Pleines etwa oder die Freiburger Anthropologin Ursula Wittwer-Backofen. Deren Untersuchungen legen nahe, dass der seinerzeit „minderjährige Flüchtling“ mit größter Wahrscheinlichkeit längst erwachsen ist und – so Berger, Erwachsenenstrafrecht auf ihn anzuwenden sei. Wie leicht man ihm in Freiburg glaubte, er sei noch minderjährig, das, sagt Berger, könne man „heute nur noch mit Kopfschütteln zu Kenntnis nehmen.“ Und direkt an Hussein K. gewendet sagte er: „Sie waren in einer fantastischen Lebenssituation. Ihnen ist jede Betreuung angediehen worden. Das ist eine Situation, die Sie so im Leben nie mehr antreffen werden.“

Maximum des Möglichen

Jetzt am Schluss nennt Berger die Tat, um die es geht, noch einmal beim Namen: Mord und besonders schwere Vergewaltigung – begangen an der Studentin Maria L. (19), als sie in der Nacht zum 16. Oktober 2016 mit dem Fahrrad auf dem Heimweg von einer Institutsparty war. Und Berger stellt seinen Strafantrag: lebenslange Freiheitsstrafe, Feststellung einer besonderen Schwere der Schuld. Und anschließende Sicherungsverwahrung.

Weggeschlossen für immer? Es wäre das Maximum dessen, was ein Gericht gegen einen Straftäter in Deutschland an Strafe verhängen kann. Aber nirgendwo in der Vita dieses jungen Mannes, sagt der Ankläger, habe er einen Anhaltspunkt gefunden, der ihn zu einer milderen Beurteilung gelangen lasse.

Stattdessen: „Sein Verteidigungsverhalten war von Lügen geprägt“, sagt der Staatsanwalt über den Angeklagten, der am zweiten Verhandlungstag zwar ein Geständnis abgelegt hat. Das aber war, da ist der Ankläger nach der Beweisaufnahme überzeugt, bloß ein Teilgeständnis.

„Sie haben alles getan, um eine wirkliche Aufklärung zu verhindern.“ Hussein K. habe versucht das Gericht über sein Alter zu täuschen, über seine Herkunft, über ein angebliches Leidensschicksal, über Drogenkonsum, psychische Probleme und über die Umstände in der Tatnacht.

Am Montag werden Verteidiger Sebastian Glathe und Bernhard Kramer, der Anwalt der Familie, ihre Schlussvorträge halten. Wem die Kammer um die Vorsitzende Kathrin Schenk in ihrem Urteil folgt, wird man erst am 21. März wissen.

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10.03.2018, 06:00 Uhr

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