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Fürstentum aus der Keltenzeit
Wissenschaftler arbeiten im Wald bei Zwiefalten-Upflamör an den Resten eines Hauses aus der Keltenzeit. In der Umgebung der Heuneburg gibt es immer wieder spannende Funde. Foto: dpa
Ausgrabungen

Fürstentum aus der Keltenzeit

Archäologen gehen der Großen Heuneburg auf den Grund. Die Anlage war in frühkeltischer Zeit vermutlich Teil eines komplexen Siedlungsgebietes.

11.11.2016
  • MADELEINE WEGNER

Fast 100 Jahre lag die Große Heuneburg wissenschaftlich unberührt im Wald bei Zwiefalten-Upflamör (Kreis Reutlingen). Bei ihren aktuellen Grabungen sind die Archäologen auf stattliche Mauern, Keramik, Tierknochen sowie auf Pfahlgruben eines 16 mal neun Meter großen Hauses gestoßen. Für die Wissenschaftler bedeutet das: Die Anlage war in frühkeltischer Zeit intensiv besiedelt.

Wahrscheinlich handelt es sich sogar lediglich um einen Teil eines großen, komplexeren Systems von Befestigungsanlagen. Das Gebiet war damals kaum bewaldet. Der Landesarchäologe und Kelten-Experte Dirk Krausse geht deshalb davon aus, dass man damals von der Großen Heuneburg bis zu der gigantischen Plattform der Alte Burg schauen konnte.

Die Wissenschaftler haben nun unter anderem einen Testschnitt angelegt – genau an der Stelle, an der bereits Gerhard Bersu 1921 gegraben hatte. Hier kommen die doppelten Wälle zum Vorschein, die heute noch 1,60 Meter hoch sind. Früher müssen sie viel höher gewesen sein.

Die dicken Wallmauern bestehen aus hellen Granitbrocken. Das hätten sich die Kelten bei den Etruskern und Griechen abgeguckt: „Das war eine Art Modeerscheinung – so etwas wollten sie auch haben“, sagt Krausse. Die Große Heuneburg besteht aus einer über fünf Hektar großen Anlage, neben der eine weitere deutlich kleinere liegt. Beide sind von 1000 Meter langen Wällen umgeben, von Terrassen und Gräben.

Komplett ausgraben werden die Archäologen des Regierungspräsidiums Stuttgart die Große Heuneburg nicht. „Das sind nur Nadelstiche, die wir machen können“, sagt Krausse. Bisher sei die Anlage kaum erforscht. Deshalb erhoffen sich die Archäologen durch das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft über zwölf Jahre geförderte Projekt und vor allem durch die zweite Grabungskampagne kommenden Jahres Antworten. Wie funktionierte die Wasserversorgung? Wo führen die Straßen hin? Wie groß ist das Territorium, das zum Fürstentum gehört? Bildeten mehrere dieser Anlagen in der Umgebung – Große Heuneburg, Heuneburg, Alte Burg und eventuell auch Althayingen – zusammen eine Kette mit Sichtbeziehungen zueinander und sogar einen Stadtstaat, die von Herodot um 450 vor Christus erwähnte Polis „Pyrene“?

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11.11.2016, 06:00 Uhr

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