Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen
Musikgenuss mit Klassik und Modernem

Fulminantes Neujahrskonzert des Residenz-Orchesters Baden-Württemberg in der ausverkauften Stadthalle

Eine Hommage an James-Bond-Film-Musiken, Musical-Hits und wohlgefällige Klassik mixten Sven Gnass und das Residenz-Orchester Baden-Württemberg zu einem wohlschmeckenden Neujahrscocktail – pardon – wohlklingenden Neujahrskonzert in der Stadthalle.

03.01.2015
  • Dunja Bernhard

Sulz. Mit sicherem Gespür hatte Dirigent Sven Gnass ein abwechslungsreiches Programm zusammengestellt, das gut 900 Zuhörer am Neujahrsabend begeisterte.

Der Leiter der Horber Musikschule brachte nicht nur die überragende Sopranistin Femke Soetenga und den schon im vergangenen Jahr überzeugenden Tenor Kevin Tarte nach Sulz. Gnass gab neben Sophia Teufel, Ralph Thomanek, Simon Pavic und Maximillian Hess – alles Schüler der Horber Musikschule – auch der jungen Geigerin Katrin Hafner die Gelegenheit, ihr Können zu zeigen. Die 13-jährige Schrambergerin musizierte als Solo-Violinistin Edward Elgars „Salut d’Amour“ vom ersten Ton an ausdrucksstark und intonierte bis in höchste Lagen lupenrein. Elgar schrieb das romantische Stück im Jahr seiner Hochzeit 1888 für seine Frau Caroline Alice Roberts im Original für Geige und Klavier und nannte das Werk „Liebesgruß“.

Von der Liebe und dem Karneval handelt die komische Operette „Eine Nacht in Venedig“ von Johann Strauss. Das Residenz-Orchester konzertierte daraus die Ouvertüre, die beschwingte, romantische und majestätische Themen vereint. Strauss verlieh in dem Stück seiner Wiener Tonsprache italienische Akzente und ließ alle Facetten Venedigs aufscheinen. Fließende Tempowechsel, eine feine Abstimmung der Instrumente und sehr gute Dynamik zeigten die Musiker unter der engagierten Leitung von Sven Gnass.

Den Donauwalzer mit der berühmten Einleitung durch die Hornisten ließ Gnass so gemächlich und betont spielen, dass er wunderschön schmalzig klang. Vom Walzerkönig Strauss musizierte das Orchester auch zwei Schnellpolkas: Die weltbekannte „Tritsch-Tratsch-Polka“, die Strauss nach dem Gerede über seine Russlandreise benannte, und „Unter Blitz und Donner“, in der ein aufziehendes Gewitter musikalisch inszeniert wird. Das hohe Tempo forderte Bläser und Streicher gleichermaßen und begeisterte das Publikum.

Mit Franz Lehár nahm Gnass einen weiteren klassischen Komponisten ins Programm. Aus Lehárs bekanntester Operette „Die lustige Witwe“ konzertierte das Orchester drei Walzer.

In dieses wohlgefällige Klassik-Programm streute Gnass sechs James-Bond-Film-Musiken nach Original-Partituren des weltweit erfolgreichen Arrangeurs Nic Raine. Femke Soetenga interpretierte den Oscar-prämierten Song „Nobody does it better“ aus dem 1977 erschienen Film „Der Spion, der mich liebte“ und „You only live twice“. Das Original hatte Nancy Sinatra, die Tochter von Frank Sinatra, gesungen. Im Duett mit Kevin Tarte präsentierte Soetenga „Live and let die“, das Linda und Paul McCartney komponierten. Soetenga zeigte hierbei nicht nur, dass sie über ein großes gesangliches Talent verfügt, sondern auch über ein schauspielerisches.

Mit welchem Einsatz und Esprit die Musiker bei der Sache waren, zeigte ein kleiner Zwischenfall bei „Thunderball“. Dem Paukisten flog ein Trommelschlägel in hohem Bogen aus der Hand. Während die Blechbläser diesen noch am Boden zu ergreifen suchten, zog der Schlagwerker einen neuen hervor und spielte lachend weiter.

Noch mehr als mit den James-Bond-Melodien begeisterten Soetenga und Tarte mit ihren Interpretationen von Musical-Titeln. Seinen beeindruckenden Stimmumfang zeigte der Tenor in „This is the moment“ aus „Jekyll and Hyde“. Tarte hatte für das Arrangement für ein großes Orchester sein Jackett abgelegt und betrat die Bühne in schwarzer Weste über weißem Hemd.

Stimmgewaltig präsentierten sich die beiden Sänger in dem populären Song „The Prayer“. Wie im Original von Celine Dion und Andrea Bocelli sangen das Duo den Golden-Globe-prämierten Titel im deutsch-italienischen Wechselgesang. Ihre klaren Höhen konstrastierte der Tenor mit einem erstaunlich tiefen Einsatz.

Mit Wortgewandtheit, guter Artikulation und langem Atem bestach Soetenga in „Milady ist zurück“ aus „Die drei Musketiere“. Für Gänsehaut sorgte die Sopranistin mit „Ich gehöre nur mir“ aus dem 1992 uraufgeführten Drama-Musical „Elisabeth“. „Ich will nicht gehorsam, gezähmt und gezogen sein“, sang Femk Soetenga, zunächst nur vom Klavier begleitet, bevor die Streicher im Piano einsetzten.

Nicht ahnen konnte Gnass bei seinen Planungen im Sommer, dass ein Stück aus der Udo-Jürgens-Biographie „Der Mann mit dem Fagott“ durch den Tod des Sängers im Dezember traurige Aktualität erlangen würde. Das Lied sei noch nie in einem Konzert gespielt worden, sagte Gnass. Um an die Noten zu kommen, hatte der bestens vernetzte Dirigent auch hier seine Beziehungen zu Nic Raine spielen lassen. Die Bühne war nur in blaues Licht getaucht, als verschiedene Bläser nacheinander die Melodie des Fagotts aufnahmen. Die Streicher spielten in anschwellender Lautstärke einen bewegenden Part, bevor ein Paukenwirbel zu einem russischen Tanz überleitete.

Für die Zugaben hielt Gnass noch einen besonderen Gast bereit: Adam Kim. Den koketten Bariton hatten die Zuhörer noch vom vergangenen Jahr in guter Erinnerung. Und Kim enttäuschte nicht: Als Vorgeschmack auf die Opernfestspiele im Juli im Wasserschloss Glatt sang der Bariton aus „Tosca“ wunderbar düster „Te Deum“.

Mit Tarte und Soetenga im Trio zusammen schob der Sänger noch den fröhlichen Gassenhauer „O sole mio“ nach.

Nach stürmischem Applaus, stehenden Ovationen und weißen Rosen von Sven Gnass für die Musikerinnen folgte der obligatorische Rausschmeißer: Der Radetzky-Marsch, bei dem Gnass das Publikum wohl dosiert klatschend ins Orchester miteinbezog.

Doch die Zuhörer wollten noch nicht gehen. Noch einmal erklang „From Russia with love“ mit seinem unverkennbaren Blechbläsersound und den sehnsüchtigen Geigenklängen, dann nahm Dirigent Gnass Konzertmeister Attila Barta mit von der Bühne.

Nach drei Stunden ging das Neujahrskonzert und damit ein erster musikalischer und gesellschaftlicher Höhepunkt in Sulz im Jahr 2015 zu Ende.

Siehe auch die Bilderseite und die Online-Bildergalerie.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

03.01.2015, 12:00 Uhr

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden
 

 

 
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesenNeueste Artikel
Wirtschaft im Profil
Bildergalerien
Videos
Single des Tages
date-click
Video-News: Fußball